Adoptivkaiser

Das Adoptivkaisertum umfasst eine Periode der Römischen Kaiserzeit, in der die Nachfolge in der Herrschaft von der Adoption des am geeignetsten erscheinenden Nachfolgers bestimmt wurde. Als Adoptivkaiser gelten gewöhnlich die Kaiser Nerva, Trajan, Hadrian, Antoninus Pius, Mark Aurel und Lucius Verus genannt. Bisweilen wird auch Mark Aurels leiblicher Sohn und Nachfolger Commodus genannt.

Das Adoptivkaisertum nahm seinen Anfang mit Nerva, der Trajan als Nachfolger adoptierte, und endete mit Mark Aurel, der seinen leiblichen Sohn Commodus zum Nachfolger bestimmte.

Genannte Kaiser werden bisweilen auch als Nerva-Antonische Dynastie bezeichnet, womit auf ihren Begründer Nerva und den Namen Antoninus, den die Kaiser von Antoninus Pius bis Commodus trugen, Bezug genommen wird.

Die Herrschaft der Kaiser von Nerva bis Mark Aurel gilt auch heute noch oft als Glanzzeit des Römischen Reiches und als Vorbild guter monarchischer Herrschaft - unter Trajan erreichte die römische Herrschaft auch ihre größte territoriale Ausdehnung -, weshalb diese Kaiser (unter Auslassung des Mitkaisers Verus) auch,, besonders im Englischen, auch als die „fünf guten Kaiser“ bezeichnet werden

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund: Adoption im römischen Recht

Schon in der römischen Republik hatten einzelne Adlige Angehörige eines anderen Adelsgeschlechts adoptiert, um so den Fortbestand des eigenen Geschlechts zu sichern. Der an Stelle des Sohnes Adoptierte erhielt den Namen, das Vermögen und die Klientel des Adoptivvaters und wurde rechtlich genau wie ein leiblicher Sohn behandelt.

Adoption im römischen Kaisertum

Das Fehlen geeigneter männlicher Leibeserben zwang auch Gaius Iulius Caesar und Augustus, sich zur Sicherung ihrer Nachfolge der Adoption zu bedienen. Auch Claudius adoptierte seinen Stiefsohn Nero – und dies, obwohl er einen eigenen Sohn, Britannicus, hatte, der jünger als Nero war und von diesem daher beiseite gedrängt wurde. Auch Neros kinderloser Nachfolger Galba versuchte im Januar 69 vergeblich, seine Position durch die Adoption eines jüngeren Senators (Lucius Calpurnius Piso Frugi Licinianus) zu sichern. Doch erst im 2. Jahrhundert wurde die Adoption als angebliche „Auswahl der Besten“ propagandistisch aufgewertet (Vernachlässigung der Blutverwandtschaft, Beteiligung des Senats an der Nachfolge, jeder Senator konnte adoptiert werden). Da das Kaisertum nun nicht mehr an eine (biologische) Familie gebunden sei und daher grundsätzlich jeder Geeignete princeps werden könne, kehre ein Teil der alten Freiheit zurück (so Tacitus).

In der Realität war dieses Vorgehen allerdings nur das Resultat der Kinderlosigkeit der jeweiligen Vorgänger: Wenn man ohnehin einen Nachfolger adoptieren musste, konnte man auch versuchen, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Die leibliche Erbfolge (streng genommen war übrigens nicht das Kaisertum erblich, sondern nur das gewaltige Privatvermögen und die Klientel der Herrscher) wurde nicht grundsätzlich aufgehoben, denn ein leiblicher Sohn eines Kaisers oder zumindest sein Umfeld hätten einen Bürgerkrieg provozieren können, wenn er nicht Kaiser wurde. Auch zeichnete sich der „beste“ Nachfolger meist weniger durch seine Qualifikation als durch seine Verwandtschaft zum amtierenden Kaiser aus; so war etwa Hadrian der engste männliche Verwandte von Trajan (der ihn zudem möglicherweise gar nicht als Nachfolger vorgesehen hatte).

Die Adoption Trajans durch Nerva wiederum wird von vielen Althistorikern weniger für einen freiwilligen Akt als vielmehr für einen bemäntelten Militärputsch gehalten, den der mächtige Armeekommandeur Trajan mit Hilfe einer Gruppe einflussreicher Senatoren durchgeführt habe.

Mark Aurel, der als erster Kaiser seit 96 wieder einen Sohn hatte, brach dann auch sogleich mit der Praxis der Adoption und erwählte seinen Sohn Commodus zum Nachfolger: Als Sohn des Kaisers sei dieser selbstverständlich der bestmögliche Herrscher. Die nachfolgenden Kaiser versuchten denn auch alle eine eigene Dynastie zu begründen. Doch noch in der Spätantike (4. - 6. Jahrhundert) spielte bei kinderlosen Kaisern die Adoption als Zeichen der Designation des präsumtiven Nachfolgers eine wichtige Rolle. Die Vorgänge um die Kaisererhebung Konstantins I. im Jahr 306 machten dabei deutlich, dass das dynastische Prinzip - wiewohl staatsrechtlich eigentlich irrelevant - im Zweifelsfall fast immer eine entscheidende Rolle spielte.

Nach der Ermordung des Commodus nahm Septimius Severus für seine Person eine (fiktive) Adoption durch Mark Aurel in Anspruch. Diese fiktive Adoption blieb jedoch ohne Nachfolge, weshalb hier nicht mehr von Adoptivkaisern zu sprechen ist. Die Severer knüpften jedoch durch die Namensgebung an die Antoninen an, so trugen die Kaiser Caracalla und Elagabal die offiziellen Namen Marcus Aurelius Severus Antoninus bzw. Marcus Aurelius Antoninus. Der ausgesprochen schlechte Ruf dieser beiden Herrscher diskreditierte jedoch den Namen Antoninus derart, dass Elagabals Nachfolger Severus Alexander sich zwar noch Marcus Aurelius, nicht aber Antoninus nannte.

Einschätzung

Die Zeit der Adoptivkaiser stellt die dauerhafteste Phase der Prosperität des Römischen Reiches dar.

Die Herrschaft der Kaiser von Nerva bis Mark Aurel gilt auch heute noch oft als Glanzzeit des Römischen Reiches und als Vorbild guter monarchischer Herrschaft -

Unter Trajan, der als Optimus Princeps galt, erreichte die römische Herrschaft auch ihre größte territoriale Ausdehnung. Die Regierung des Antoninus Pius war aus der Sicht der Zeitgenossen und der antiken Nachwelt durch weitgehende innere und äußere Ruhe gekennzeichnet (so Aelius Aristides in seiner Rede auf Rom) und galt als glanzvolle Epoche des Friedens und Wohlergehens.

Allerdings kündigten sich bereits die im 3. Jahrhundert vorherrschenden Krisenphänomene an. Mark Aurels Herrschaft war bereits durch die kommenden innen- und außenpolitischen Probleme geprägt (Bedrohung der nordöstlichen Grenzen durch germanische Wandervölker, Inflation, zunehmende Stratifizierung der Gesellschaft). Der Herrschaftsantritts von Mark Aurels Sohn Commodus beendete die Reihe der Adoptionen und wurde vom Zeitgenossen Cassius Dio (Römische Geschichte 72,36,4) als Übergang von einem „Goldenen Zeitalter“ in eines aus „Rost und Eisen“ beschrieben. Nach der Ermordung des Commodus 192, folgten die blutigen Machtkämpfe des zweiten Vierkaiserjahrs, in dem sich schließlich Septimius Severus durchsetzte. Unter den Severern stieg die Bedeutung des militärischen Elements bei der Herrschererhebung, was schon die Soldatenkaiser in der Zeit der Reichskrise des 3. Jahrhunderts ankündigt.

Herrschergalerie

Literatur

The Antonine Dynasty

Siehe auch

© Dieser Artikel zu Adoptivkaiser stammt von Wikipedia und ist lizensiert
unter GFDL. Hier können Sie den Original-Artikel zu Adoptivkaiser , die Versionsgeschichte
und die Liste der Autoren einsehen.
© Dieser Artikel zu stammt von Wikipedia und ist lizensiert
unter GFDL. Hier können Sie den Original-Artikel zu , die Versionsgeschichte
und die Liste der Autoren einsehen.