Asmat
Die Asmat sind eine, auch als Naturvolk bezeichnete, ursprünglich schriftlose Bevölkerungsgruppe mit ca. 60.000 Angehörigen, die im Süden der indonesischen Insel Neuguinea (Provinz Irian Jaya) ein Gebiet von der Größe Belgiens bewohnt, das sich mit dem Lorentz-Nationalpark überlappt. Es handelt sich territorial um ein riesiges, sumpfiges Flusslabyrinth mit einer gut 200 Kilometer langen Mangrovenküste. Eine Besonderheit liegt darin, dass die Flüsse strömungsumgekehrt werden, da die Gezeiten bis zu 100 Kilometer ins Landesinnere hineinwirken, Bracke resultiert. Agats ist der wichtigste und größte Ort im Asmatgebiet.
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Sprache
Ihre Sprache gliedert sich in vier Dialekte. Der übergreifenden Verständigung dient das Zentral-Asmat oder die Bahasa Indonesia.
Fortbewegung
Das Hauptverkehrsmittel der Asmat, deren Gebiet ist von Flüssen durchzogen ist, ist der Einbaum. An den Küsten finden sich ausgedehnte Mangrovenwälder. Die Flut drängt Salzwasser ins Landesinnere und führt zur Entstehung weiterer Bracksümpfe. Im Landesinneren gibt es dagegen Süßwassersümpfe.
Ernährung
Die Asmat ernähren sich hauptsächlich vom Fischfang und in zweiter Linie von der Jagd. Der verstärkte Kontakt mit der Außenwelt hat auch Nutztiere wie Hühner und Schweine zu ihnen gebracht. Gartenbau wird seitdem in geringem Umfang betrieben. Ihre Lebensweise ist halbnomadisch.
Ein wichtiger Lieferant für Nahrung und Rohstoffe ist die Sagopalme. Ihr Mark wird gestoßen und mit Wasser vermischt zu einem Brei verarbeitet, der, zu Bällchen geformt und geröstet, verspeist wird. Diese Kost wird durch die proteinreichen Larven eines Käfers bereichert, die teilweise im Mark der Sagopalme gezüchtet und dem Sagomarkbrei beigemischt werden.
Kleidung
Die Kleidung der Asmat-Männer beschränkt sich oft auf rituellen Körperschmuck. Sie tragen manchmal ein Penisfutteral, welches z.B. aus einer Fruchthülse gefertigt sein kann.
Geflochtene Ganzkörpermasken werden bei einem Ritual getragen, bei dem der Verkehr der Masken zwischen Dorf und Wald die Verbundenheit zwischen beiden Räumen stärken soll.
Ahnenkult
In der Vorstellung und im Ritus der Asmat spielen die Ahnengeister eine wichtige Rolle. Sie werden in den neugeborenen Kindern reinkarniert. Die Schädel der Ahnen werden manchmal verziert und dienen als Alltagsgegenstände, etwa als Kopfstütze beim Schlafen. Die Schädel erlegter Feinde werden dagegen im Männerhaus aufbewahrt. Wer einen Feind tötet, übernimmt dessen Namen und soziale Pflichten.
Die materielle Kultur der Asmat zeichnet sich durch aufwendigen Schnitzereien aus. Alltags- und Ritualgegenstände werden mit Ornamenten versehen. Hierzu zählen Paddel, Stoßstangen, Schilde und Speere, aber auch Kanus, welche die Seelen der Verstorbenen in den Ozean geleiten, und Ahnenpfähle. Die traditionelle Schnitzkunst produziert heute auch Kunsthandwerk, das nach außen verkauft wird. Zwischen den Gemeinschaften findet Tauschhandel statt.
Soziologie
Die wichtigste Gruppe ist ein Clan, der sich um ein Männerhaus gruppiert. Hier wohnen die Männer nach dem Verlassen des Elternhauses bis zu ihrer Hochzeit. Die Asmat sind exogam. Die Ehen wurden früher zwischen den Familien der künftigen Brautleute arrangiert. Frauenraub, der oft zu militärischen Auseinandersetzungen führte, gehört ebenso wie Polygamie der Vergangenheit an. Heute werden die monogamen Ehen aus freien Stücken geschlossen.
Adoptionen, bei denen der Adoptierte in einer symbolischen Geburt zwischen den Beinen der Adoptivmutter durchkriecht und ein Geschenk von seinem Adoptivvater empfängt, erfüllen die soziale Funktion, Spannungen zwischen Clans abzubauen.
Während sich die äußere Einflussnahme in der niederländischen Kolonialzeit Indonesiens auf die Anlage von Missionsstationen beschränkte, versucht der indonesische Staat, Neusiedler aus anderen Landesteilen im Gebiet der Asmat anzusiedeln. Teilweise wurden die traditionellen Männerhäuser (jeu), die das rituelle Zentrum darstellen, zerstört und durch Gemeindehäuser ersetzt.
American Museum of Asmat ArtThe Chiaramonte Collection of Asmat Art Bibliographie (Englisch) Asmat Kunst Sammlung Galerie Berlin Literatur
- Heinrich Harrer: Unter Papuas. Mensch und Kultur seit ihrer Steinzeit. Innsbruck 1976 ISBN 3596235081 mit mehreren Artikeln von Gunter Konrad
- Klaus Helfrich (Hrsg.): Asmat : Mythos und Kunst im Leben mit den Ahnen. Berlin 1995, ISBN 9783886093816
unter GFDL. Hier können Sie den Original-Artikel zu Asmat , die Versionsgeschichte
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