Autonomer Kreis der Tschuktschen

Subjekt der Russischen Föderation
Autonomer Kreis der Tschuktschen
Чукотский автономный округ
Чукоткакэн автономныкэн округ
FlaggeWappen
FöderationskreisFerner Osten
Fläche721.481 km²
Bevölkerung49.520 Einw. (Stand: 2009[1])
Bevölkerungsdichte0,07 Ew./km²
VerwaltungszentrumAnadyr
Offizielle Sprachentschuktschisch, russisch
Ethnische
Zusammensetzung
Russen (51,9 %)
Tschuktschen (23,5 %)
Ukrainer (9,22 %)
Eskimos (2,85 %)
Ewenen (2,61 %)
(Stand: 2002)
GouverneurRoman Kopin
Gegründet10. Dezember 1930
ZeitzoneUTC+12 (Sommerzeit: UTC+13)
Telefonvorwahlen(+7) 427xx
Postleitzahlen689000–689999
Kfz-Kennzeichen87
OKATO77
Webseitewww.chukotka.org

Der Autonome Kreis der Tschuktschen (russ. Чукотский автономный округ/ Tschukotski awtonomny okrug, tschuktschisch Чукоткакэн автономныкэн округ), auch Tschukotka genannt, ist eine Verwaltungseinheit (Autonomer Kreis) in Russland.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Tschukotka umfasst den äußersten Nordosten Russlands. Es wird durch die Beringstraße von Alaska getrennt. Die Oberfläche ist vorwiegend bergig und besitzt Mittelgebirgscharakter. An den Küsten gibt es mehr oder weniger ausgedehnte Tiefländer (z.B. das Tschaun-Tiefland). Die Bergländer rechnet man zum Ostsibirischen Bergland. Sie umfassen unter anderem den Nordteil des Korjakengebirges, das Anjuigebirge, das Anadyrgebirge bis zur Tschuktschen-Halbinsel, wo im Kap Deschnjow der östlichste Punkt Russlands bzw. Asiens liegt. Zum Kreis gehören auch mehrere größere Inseln, wie das UNESCO-Weltnaturerbe-Gebiet Wrangelinsel und die Insel Aion.

Der Kreis liegt fast vollständig nördlich der Baumgrenze und wird von Tundra bedeckt. In den höheren Bergregionen geht sie in eine Frostschuttwüste über. Lediglich in den südlichsten Gebieten des Kreises findet man in geschützten Lagen niedrig wachsende Bäume.

Das Klima ist rau. Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen zwischen -5 und -10 °C. Der Winter beginnt im September und endet erst im Mai. Wärmster Monat ist der Juli mit etwa 9 °C, kältester der Januar mit -25 °C, Minimaltemperaturen von unter -40 °C sind möglich. Stürme sind zu jeder Jahreszeit möglich und erreichen oft Orkanstärke.

Bevölkerung

Tschukotka ist abgelegen und äußerst dünn besiedelt. Infolge des Rückgangs des Goldabbaus hat es in den 1990er-Jahren etwa um die Hälfte seiner Einwohner durch Auswanderung nach Zentralrussland eingebüßt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sind Angehörige der indigenen Völker des russischen Fernen Ostens, vor allem Tschuktschen (25.000), daneben Jukagiren (141), Ewenen (1200), Eskimos (1500), Korjaken (78) und Tschuwanen (400). Mit den Kereken, zu denen sich bei der Volkszählung von 2002 nur noch acht Personen (sechs Frauen und zwei Männer) bekannten, ist in dem Gebiet auch das kleinste Volk der russischen Föderation beheimatet. Die Russen (18.800) bilden die größte Minderheit der Bevölkerung, daneben gibt es 600 Weißrussen und 1.600 Ukrainer.

Verwaltungsgliederung

(Einwohner am 1. Januar 2006)

StadtkreisEinwohnerStadtbevölkerungDorfbevölkerung
Anadyr11.19311.193
RajonEinwohnerStadtbevölkerungDorfbevölkerungVerwaltungssitz
Anadyr7.0333.4953.538Ugolnyje Kopi
Beringowski2.7461.6761.070Beringowski
Bilibino8.2575.7202.537Bilibino
Iultinsk3.9692.4441.525Egwekinot
Prowidenija4.4262.7171.709Prowidenija
Schmidt2.2911.2261.065Mys Schmidta
Tschaun6.0065.0031.003Pewek
Tschukotka4.6054.605Lawrentija


Städte und städtische Siedlungen

Im Autonomen Kreis der Tschuktschen gibt es 3 Städte und 13 Siedlungen städtischen Typs.

Stadt*/Städt. SiedlungRussischer NameRajonEinwohner
(1. Januar 2006)
AliskerowoАлискеровоBilibino3
Anadyr*Анадырьkreisfrei11.193
BeringowskiБеринговскийBeringowski1.676
Bilibino*БилибиноBilibino5.717
EgwekinotЭгвекинотIultinsk2.444
KomsomolskiКомсомольскийTschaun446
LeningradskiЛенинградскийSchmidt680
Mys SchmidtaМыс ШмидтаSchmidt546
Pewek*ПевекTschaun4.557
ProwidenijaПровиденияProwidenija2.717
SchachtjorskiШахтёрскийAnadyr46
Ugolnyje KopiУгольные КопиAnadyr3.449

Die städtischen Siedlungen Wstretschny (Встречный), Baranicha (Бараниха), Walkumei (Валькумей) und Krasnoarmejski (Красноармейский) sind inzwischen von ihren Bewohnern verlassen worden und somit zu Geisterstädten geworden.

Geschichte

Die russische Besiedlung begann im 17. Jahrhundert gegen heftigen Widerstand der Tschuktschen, der bis ins frühe 20. Jahrhundert anhielt. Im Jahr 1930 wurde der Autonome Kreis gegründet.

Politik

Im Dezember 2000 wurde Roman Abramowitsch mit 92 % aller Stimmen zum neuen Gouverneur gewählt und im Oktober 2005 in diesem Amt bestätigt. Er begann, selbstfinanzierte Lebensmittel, Fertighäuser aus Kanada und Treibstoff in den Autonomen Kreis zu verschiffen. Während sich Abramowitsch bei der einheimischen Bevölkerung aufgrund dieser Maßnahmen hoher Beliebtheit erfreute, sicherte dieser Posten dem in London lebenden Oligarchen den Schutz vor Strafverfolgung (politische Immunität). In neuen russischen Presseberichten über den reichsten Mann des Landes heißt es aber auch vielfach, dass der damalige Präsident Wladimir Putin ihn gebeten habe, sich auf diese Weise um die rückständige Region zu kümmern. Allein die jährlich entrichteten Steuern von Abramowitsch würden den Regionalhaushalt um ein Vielfaches übersteigen. Im Juli 2008 trat Abramowitsch als Gouverneur von Tschukotka zurück; als Nachfolger wurde Roman Kopin ernannt.

Als Grenzgebiet zu den Vereinigten Staaten ist Tschukotka für Ausländer nur mit Sondergenehmigung zu bereisen. Diese muss vom Gouverneur erteilt werden.

Wirtschaft

Wichtigster Wirtschaftszweig ist immer noch der Goldabbau, obwohl dieser in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Die derzeit laufenden Investitionen von Kinross Gold, einer kanadischen Bergbaufirma, werden in den nächsten Jahren wahrscheinlich wieder zu einem Anstieg der Goldproduktion führen. Die traditionellen Wirtschaftszweige der Tschuktschen und anderen indigenen Ethnien sind Rentierzucht, Pelzfang und auch die Jagd auf Meeressäugetiere.

Kultur

Einer der wenigen im Ausland bekannten Intellektuellen war der 1930 in Uelen geborene und 2008 verstorbene Schriftsteller Juri Rytchëu, dessen Werke eine Vorstellung vom Leben der indigenen Völker geben.

 Commons: Tschukotka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Föderaler Dienst für staatliche Statistik Russlands
66.252793132778172.00100967861
Koordinaten: 66° N, 172° O
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