Bundestagswahl 2009

Stimmzettel (Wahlkreis 126: Bottrop-Recklinghausen III)

Die Wahl zum 17. Deutschen Bundestag findet am 27. September 2009 statt.

Inhaltsverzeichnis

Wahlberechtigte

Insgesamt sind 62,2 Millionen Bürger zur Wahl aufgerufen. Deren Alters- und Geschlechtsstruktur stellt sich wie folgt dar:[1]

Alter in JahrenmännlichweiblichinsgesamtAnteil an der Gesamtzahl der Wahlberechtigten
18–201,31,32,64,2%
21–293,93,77,612,2%
30–394,34,28,513,7%
40–496,56,312,820,6%
50–595,35,310,617,0%
60–694,24,58,714,0%
70 und mehr4,56,911,418,3%
Insgesamt30,032,262,2100,0%

Parteien

Zur Wahl treten insgesamt 27 Parteien mit Landeslisten an.

Wahlvorschläge durften Parteien einreichen, die

  • seit der letzten Wahl durchgehend mit mindestens fünf Abgeordneten im Bundestag vertreten waren (SPD, CDU, FDP, Linke, Grüne, CSU)
  • seit der letzten Wahl durchgehend mit mindestens fünf Abgeordneten in einem Landesparlament vertreten sind (obige Parteien und NPD, DVU)
  • oder vom Bundeswahlausschuss als Parteien anerkannt wurden.

Die Entscheidung über die Anerkennung als Partei erfolgte in der ersten Sitzung des Bundeswahlausschusses am 17. Juli 2009; von 49[2] politischen Vereinigungen und Parteien, die ihre Beteiligung bis zum Ablauf der Einreichungsfrist anzeigten, wurden 21 als Parteien anerkannt.[3]

Die Parteien hatten bis zum 23. Juli 2009 um 18 Uhr ihre Wahlvorschläge (Landeslisten und Kreiswahlvorschläge) einzureichen, über deren Zulassung die Landes- bzw. die Kreiswahlausschüsse am 31. Juli 2009 entschieden. Dabei wurden Landeslisten von 27 Parteien zugelassen. Die als Partei anerkannte Demokratische Volkspartei Deutschlands (DVD) reichte keine Landeslisten ein, die eingereichten Landeslisten der Freien Union wurden alle abgelehnt. Alle anderen anerkannten Parteien treten auch mit mindestens einer Landesliste an.[4]

Am 6. August 2009 wies der Bundeswahlausschuss vier Beschwerden gegen Entscheidungen der Landeswahlausschüsse über die Nichtzulassung von Landeslisten zurück. Den betroffenen anerkannten und nicht anerkannten Parteien bleibt nur der Weg des Wahlprüfungsverfahrens nach der Bundestagswahl. Das geltende Verfahren wurde von Rechtswissenschaftlern als rechtlich problematisch, einige der Entscheidungen als fehlerhaft kritisiert.[5] [6]

Personalentscheidungen der Parteien

Als erste Partei hat sich die SPD offiziell auf einen Spitzenkandidaten festgelegt: Am 7. September 2008 nominierte der Parteivorstand Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidaten. Dieser wurde auf dem Sonderparteitag der SPD am 18. Oktober 2008 in Berlin von der Partei offiziell als Kanzlerkandidat bestätigt.[7]

Angela Merkel tritt erneut als Kanzlerkandidatin der CDU/CSU an und Guido Westerwelle als Spitzenkandidat der FDP. Bei Bündnis 90/Die Grünen wurden Fraktionschefin Renate Künast und ihr Stellvertreter Jürgen Trittin am 16. November 2008 als Führungsspitze für den Wahlkampf nominiert.

Bei der Linken hat Parteichef Lothar Bisky 2005 erklärt, nicht noch einmal für den Bundestag zu kandidieren. 2009 wollen die Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi und Oskar Lafontaine, der gemeinsam mit Bisky auch den Parteivorsitz stellt, Die Linke erneut in die Bundestagswahl führen. Sie wurden auf dem Parteitag der Linken am 21. Juni 2009 in Berlin bestätigt. Parallel dazu trat Lafontaine als Ministerpräsidentschaftskandidat für Die Linke im Saarland an. Die Landtagswahl fand einen Monat vor der Bundestagswahl statt.

Kanzlerduell

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl, am 13. September, fand ein Fernsehduell zwischen Bundeskanzlerin Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier statt – das sogenannte Kanzlerduell. Übertragen wurde es in Koproduktion vom Ersten, dem ZDF, RTL und Sat.1. Es wurde von führenden politischen Journalisten sowie von den Chefs der Politikabteilungen der beteiligten Sender moderiert: Frank Plasberg (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL) und Peter Limbourg (Sat.1).

Im Vorfeld kritisierte FDP-Chef Westerwelle das Kanzlerduell, da die aktuellen Oppositionsparteien im Bundestag nicht an der Fernsehdebatte teilnehmen dürften.[8]

Landeslisten

Umfragen

InstitutDatumCDU/CSUSPDGRÜNEFDPDIE LINKESonstige
FORSA [10]11.09.200936 %23 %11 %14 %11 %5 %
Infratest dimap [10]10.09.200935 %23 %12 %14 %12 %4 %
Allensbach [11]09.09.200935,0 %22,5 %13,0 %13,0 %11,5 %5,0 %
Forschungsgruppe Wahlen [10]04.09.200937 %23 %11 %15 %10 %4 %
Emnid [10]03.09.200934 %26 %11 %14 %11 %4 %
INFO GmbH [12]02.09.200935 %23 %12 %14 %11 %4 %
Allensbach [10]01.09.200935,5 %23 %13,5 %14 %9,5 %4,5 %
GMS [10]24.08.200937 %23 %13 %13 %9 %5 %

Mitgliederzahl des 17. Deutschen Bundestags

Der 17. Deutsche Bundestag wird – vorbehaltlich eventueller abweichender Regelungen im Bundeswahlgesetz (BWahlG) (bspw. Überhangmandate, Listenerschöpfung) – aus 598 Abgeordneten bestehen. (§ 1 Abs. 1 Satz 1 BWahlG) Eine Wahlgesetzänderung zur Beseitigung der im Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 3. Juli 2008 zum negativen Stimmgewicht für verfassungswidrig erklärten Regelungen der Sitzverteilung durch parteiinterne Kompensation von Überhangmandaten wurde am 3. Juli 2009 mit Stimmen der CDU, CSU, SPD und FDP abgelehnt.

Organisation

Termin

Als Tag der Bundestagswahl wurde der 27. September 2009 durch Anordnung des Bundespräsidenten vom 4. Januar 2009 bestimmt.[13] Zuvor hatte das Bundesministerium des Innern am 4. September 2008 nach Absprache mit den Ländern bekanntgegeben, dass es diesen Termin vorschlagen würde;[14] das Bundeskabinett hatte am 10. Dezember 2008 zugestimmt.[15]

Verfassungsrechtlich ist vorgesehen, dass der Wahltag vom Bundespräsidenten festgelegt wird. Er entscheidet dies in der Regel im Einvernehmen mit der Bundesregierung und den Landesregierungen. Nach Art. 39 des Grundgesetzes findet die Bundestagswahl frühestens 46, spätestens 48 Monate nach dem Zusammentritt des vorhergehenden Deutschen Bundestages statt. Der 16. Deutsche Bundestag trat am 18. Oktober 2005 zusammen, der mögliche Zeitraum der Wahl war demzufolge die Zeit zwischen dem 18. August und dem 18. Oktober 2009. Da der Wahltag ein Sonn- oder Feiertag sein muss (§ 16 Bundeswahlgesetz), hätte die Wahl zum nächsten Deutschen Bundestag am 23., 30. August, 6., 13., 20., 27. September, 3. (Tag der Deutschen Einheit), 4., 11. oder 18. Oktober 2009 stattfinden können. Die zusätzliche Überlegung, dass Wahltermine nicht mit den Hauptferienzeiten kollidieren sollen, führte schließlich zu der getroffenen Entscheidung.

Am selben Tag finden die vorgezogene Landtagswahl in Schleswig-Holstein sowie die Landtagswahl in Brandenburg statt.

Änderung der Wahlkreiseinteilung

Mit Gesetz vom 17. März 2008 wurden 31 Wahlkreise neu abgegrenzt. Die Länder Sachsen-Anhalt und Sachsen verlieren jeweils einen Wahlkreis, Niedersachsen und Baden-Württemberg gewinnen je einen dazu.[16] Wenn die neue Wahlkreiseinteilung schon bei der Bundestagswahl 2005 gegolten hätte, hätte die CDU 2005 bundesweit ein Direktmandat mehr und die SPD ein Direktmandat weniger erhalten. Für die CDU wäre in Baden-Württemberg ein Überhangmandat mehr und in Sachsen ein Überhangmandat weniger entstanden. Gleichzeitig wären für die SPD in Sachsen-Anhalt nur drei statt vier Überhangmandate entstanden. Insgesamt wären nur 613 statt 614 Mandate zugeteilt worden, darunter für die SPD nur 221 statt 222.[17]

Siehe auch: Liste der Bundestagswahlkreise 2009

Wahlbeobachtung durch die OSZE

Erstmals wird die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auf Einladung der Bundesregierung von Mitte September bis Anfang Oktober ein Team von zwölf Wahlbeobachtern nach Deutschland zur Beobachtung der Bundestagswahl entsenden.[18]

Weblinks zu zu

Einzelnachweise

  1. Bundeswahlleiter: Repräsentative Wahlstatistik zur Bundestagswahl 2009
  2. a b c Roderich Egeler (Bundeswahlleiter): 49 Parteien und politische Vereinigungen haben Beteiligung an der Bundestagswahl angezeigt, Pressemitteilung vom 30. Juni 2009
  3. Bundeswahlleiter: 29 Parteien können an Bundestagswahl 2009 teilnehmen: Übersicht über als Parteien anerkannte politische Vereinigungen im Bundeswahlausschuss, Pressemitteilung vom 17. Juli 2009
  4. http://www.wahlrecht.de/bundestag/2009/parteien-landeslisten.html Zulassung der Landeslisten auf www.wahlrecht.de
  5. Warum die Premiere des Wahlleiters zur Farce geriet, in Der Spiegel online, am 7. August 2009
  6. Parteienrechtsexperte kritisiert Bundeswahlausschuss, in Der Spiegel online, am 8. August 2009
  7. Frank-Walter Steinmeier zum SPD-Kanzlerkandidaten gewählt. In: SPD.de. 18. Oktober 2008. Abgerufen am 13. November 2008. (Pressemitteilung 559/08)
  8. http://www.tagesschau.de/inland/tvduell146.html Infos zum Fernsehduell (www.tagesschau.de)
  9. a b Parlamentsfernsehen: Übertragung der ersten Sitzung des Bundeswahlausschusses am 17. Juli 2009
  10. Allensbach-Umfrage: Vorsprung für Schwarz-Gelb schrumpft. FAZ.NET, 9. September 2009
  11. Anordnung über die Bundestagswahl 2009. In: Bundesgesetzblatt 2009 I Nr. 1, S. 2. 8. Januar 2009. Abgerufen am 17. Januar 2009.
  12. Schäuble: Bundestagswahl am 27. September 2009. In: HAZ.de. 4. September 2008. Abgerufen am 13. November 2008.
  13. Bundeskabinett bestimmt den Tag der Europawahl und empfiehlt dem Bundespräsidenten das Datum für die Bundestagswahl. In: bmi.bund.de. 10. Dezember 2008. Abgerufen am 21. Dezember 2008.
  14. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz
  15. Ergebnis der Bundestagswahl 2005 umgerechnet auf die Wahlkreiseinteilung 2009. Der Bundeswahlleiter, 2009. Abgerufen am 5. September 2009.
  16. OSZE begutachtet Wahl-Stopp für Pauli-Partei, in Der Spiegel online, am 9. August 2009
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