Cats

Dieser Artikel beschreibt das Musical Cats. Für andere Bedeutungen siehe Cats (Begriffsklärung).
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Cats ist ein revueartiges Musical von Sir Andrew Lloyd Webber (Musik) mit Texten von T. S. Eliot (Gedichte aus Old Possum’s Book of Practical Cats; ergänzender Text zu Memory von Trevor Nunn). Es zählt zu den erfolgreichsten Musicals aller Zeiten.


Inhaltsverzeichnis

Produktionsgeschichte

Entstehung

Der Text des Musicals basiert auf dem 1939 erschienenen, in England sehr populären Werk Old Possum’s Book of Practical Cats, einer für Kinder geschriebenen Gedichtsammlung von T.S. Eliot. Andrew Lloyd Webber hatte im Jahre 1977 damit begonnen, Gedichte aus diesem Zyklus zu vertonen. Er erwog die Idee, aus diesen Songs eine musikalische Anthologie zu schaffen, die auch im Fernsehen ausgestrahlt werden könnte. Dies motivierte ihn dazu, einige der Stücke im Sommer 1980 beim Sydmonton-Festival aufzuführen. Valerie Eliot, die Witwe des Schriftstellers, besuchte dieses Festival und brachte unveröffentlichte Gedichte von Eliot mit, die dieser nicht in sein Buch aufgenommen hatte. Dazu gehörte „Grizabella, the glamour cat“, also die vereinsamte und ausgeschlossene ehemalige Glamour-Katze. Nach Webbers Angaben brachte ihn dieses Gedicht auf die Idee, dem ganzen Werk eine durchgehende Handlung zu unterlegen - die es bei Eliot nicht gibt - und ein Musical daraus zu machen, in dem Grizabella die Hauptrolle spielen würde. Er begann seine Songs für diesen neuen Zweck umzuschreiben.

Webber sprach nun den Regisseur Trevor Nunn, der damals die Royal Shakespeare Company leitete, auf die Idee an, den vertonten Gedichtzyklus in ein Musical umzusetzen. Webber und Nunn kooperierten bei der Ausarbeitung einer schlüssigen Handlung weiter mit Valerie Eliot, die sie mit Material aus Eliots Nachlass versorgte. Drei weitere unveröffentlichte Gedichte von Eliot wurden in das Libretto von Cats aufgenommen. Ein unfertiger Gedichtentwurf Eliots gab Webber und Nunn Anregungen für eine neue Einleitung des Songs „The Naming of Cats“, und schließlich brachte eine Bemerkung in einem Brief Eliots sie auf die Idee eines Ziels für eine abendfüllende Handlung, nämlich die Auswahl einer Katze für die Fahrt zum „Heaviside Layer“. [1] Es handelt sich einerseits um eine Anspielung Eliots auf die noch relativ frische physikalische Entdeckung einer hochgelegenen Schicht der Atmosphäre, der Kennelly-Heaviside-Schicht, andererseits klingen darin die Ausdrücke „heaven“ (Himmel) und „lair“ (Lager eines Tieres) an („Lager auf der himmlischen Seite“; in der deutschen Übersetzung von Michael Kunze wird die physikalische Anspielung mit „sphärischer Raum“ aufgenommen).

“Memory” (”Erinnerung”)

Im Verlauf der Proben zur Uraufführung kam es zu einer entscheidenden Ergänzung. Nunn war der Meinung, dass die Dramaturgie des Stückes einen emotionalen Höhepunkt benötige. Auf seinen Wunsch hin schrieb Webber das Stück Memory (”Erinnerung”), für das Nunn den Text selbst schrieb und dabei Verse und Ideen aus Eliots Rhapsody on a Windy Night verwendete, [2] einem bereits 1911 geschriebenen Gedicht Eliots, das in keinem inhaltlichen Zusammenhang mit Old Possum’s Book steht. Das zu einem internationalen Hit gewordene „Memory“ ist daher der einzige Song, der nur lose an ein Gedicht von Eliot angelehnt ist.

Produktionsdesign

Zur Realisierung zog Nunn den Kostüm- und Bühnenbildner John Napier hinzu, den er aufforderte, eine Anspielung auf Eliots berühmtes, hochliterarisches Epos „The Waste Land“ (Das wüste Land) im Schauplatz unterzubringen. Aus dieser Idee stammt nach Nunns Aussage [3] der Ort der Handlung: ein Schrottplatz, dessen einzelne Bestandteile überdimensioniert sind, wodurch die menschlichen Darsteller in Katzenkostümen den Größenverhältnissen von Katzen angeglichen werden.

Das Make-up wird nach Originalfotos aufgetragen. Die aufwendigen Perücken werden für jeden Darsteller aus Büffelhaar handgeknüpft. Bei den Kostümen handelt es sich um eng anliegende Lycratrikots, die mit Sprühfarbe und traditioneller Pinseltechnik nach den Originalvorlagen von John Napier bemalt werden. Auch tragen die Darsteller handgestrickte Arm- und Beinwärmer, die den Farben des jeweiligen Kostüms angepasst sind.

Erfolge

Cats gewann 1983 sieben Tony Awards (Bestes Musical, Bestes Buch, Beste Musik, Beste Regie, Beste Lichtgestaltung, Beste Kostüme und Beste Darstellerin für Betty Buckley als Grizabella).

In Londons West End wurde das Musical genau 21 Jahre lang gespielt. Damit war Cats das am längsten gespielte Werk in der Geschichte des britischen Musicals (2006 abgelöst durch Les Misérables). Mit bisher über 50 Millionen Zuschauern ist Cats eines der erfolgreichsten Musicals der Welt.

Der erfolgreichste Song Memory (deutsch Erinnerung) der räudigen alten Katze Grizabella wurde von vielen Sängern interpretiert; die bekanntesten Versionen stammen von Barbra Streisand, Angelika Milster und Elaine Paige.

Einzelne Produktionen

Weltpremiere in London

Die Uraufführung von Cats fand am 11. Mai 1981 im New London Theatre in London mit Elaine Paige, Brian Blessed, Paul Nicholas und Wayne Sleep in den Hauptrollen (sowie Sarah Brightman in einer Nebenrolle) statt. Produzent dieser Originalinszenierung war Cameron Mackintosh. Nach 9000 Vorstellungen fiel in London der letzte Vorhang - wieder an einem 11. Mai, nämlich 2002.

In dieser Originalversion waren sehr viele Katzen zu sehen; ab der Broadway-Fassung des Musicals entfielen bei den weltweiten Produktionen einige Charaktere.

New York

Die Broadway-Premiere von Cats fand bereits am 7. Oktober 1982 im Wintergarden Theatre in einer dem Original angenäherten Fassung (mit Betty Buckley als Grizabella und Ken Page als Old Deuteronomy) statt. Diese Produktion lief mit 7485 Shows bis zum 10. September 2000. Die Bühne war rund, Rampen führten in den Zuschauerraum hinein und es gab “Bühnenplätze” an den beiden Seiten. Das Growltiger-Schiff war als Prospekt gestaltet, die Brückenelemente wurden im Boden verankert. Außerdem war hier der gesamte Theatersaal in eine überdimensionale Müllhalde umgebaut worden - nicht nur die Bühne.

Für die Broadway-Version wurde das Lied Mungojerrie and Rumpleteazer umgeschrieben und The Ballad Of Billy M’Caw durch die italienische Arie In Una Tepida Notte ersetzt. Später wurde Mungojerrie and Rumpleteazer in erneut geänderter Fassung in London, in New York und bei allen anderen Produktionen aufgeführt.

Außerdem wurden einige Charaktere umbenannt: Jemima, Bill Bailey, Carbucketty und Admetus hießen hier Sillabub, Tumblebrutus, Pouncival und Plato. Die Rollen Quaxo, Victor, Etcetera, Electra, George und auch die so genannten Chor-Katzen - welche nur zusammen mit anderen Katzen zu sehen waren und keinen eigenen Charakter hatten - wurden vollständig gestrichen.

Nachdem Cats am Broadway schloss, startete die “National Tour IV”, die durch Nordamerika und Teile Südamerikas tourt.

Wien

Am 24. September 1983 gelangte Cats unter dem Intendanten Peter Weck im Theater an der Wien zur deutschsprachigen Erstaufführung. Hier waren die Rollen unter anderem mit Angelika Milster, Steve Barton, Ute Lemper und Joachim Kemmer besetzt. 1988 zog das Musical ins Ronacher um und lief dort bis 1990. Die 2.040 Vorstellungen fanden über 2,31 Millionen Besucher.

Im Jahr 1995 kam Cats kurzzeitig im Rahmen der Cats-Eurotour wieder nach Wien. Hierbei war Pia Douwes als Grizabella zu sehen.

Budapest (Ungarn)

Am 7. Oktober 1983 wurde Cats im Madách-Theater in Budapest uraufgeführt; seitdem wird das Stück in Ungarn ununterbrochen gespielt. Allerdings sind hier im Gegensatz zu den anderen Produktionen Bühnenbild und Kostüme komplett verschieden. Das Musical ist auch ein Teil des Szegediner Sommerfestivals geworden. Über 1300-mal wurde diese Produktion bis jetzt gespielt. Am 7. November 2007 startete eine erneuerte Version im Madách-Theater mit wenigen Veränderungen.

Hamburg

Am 18. April 1986 fand die Deutschlandpremiere im Hamburger Operettenhaus statt. Das Stück lief dort fast fünfzehn Jahre. Hamburg war der weltweit neunte Aufführungsort. Für die Hamburger Version wurden die Kostüme teils geändert, und auch das Make-up der einzelnen Darsteller war aufwändiger gestaltet. Die Katzennamen wurden von der Broadway-Produktion übernommen. Die in Wien verwendete Übersetzung wurde nicht übernommen, sondern eine eigene angefertigt.

Nach der Absetzung des Stückes wurde das Operettenhaus zu einem Premierentheater umgebaut. Seit Dezember 2007 läuft dort das Udo-Jürgens-Musical Ich war noch niemals in New York.

Deutsche Tourneeproduktion

Nach dem Ende von Cats in Hamburg 2001 wurde die Produktion nach Stuttgart verlegt. Der Konkurs der Produktionsfirma Stella Entertainment führte dazu, dass eine Übernahme nach Düsseldorf nicht stattfinden konnte. Die Rechtsnachfolgerin Stage Holding, heute Stage Entertainment, brachte das Musical zuerst an das Theater am Potsdamer Platz in Berlin. Die Berliner Version wurde auf das Londoner Original zurückgeführt. Deshalb gab es Veränderungen der Kostüme, des Make-ups, der Choreografie und des Bühnenbilds. Außerdem kam hier die junge Katze Electra hinzu, die zuvor nur in London zu sehen war. Danach wandelte Stage Holding das Stück in eine Tourproduktion um, die zuerst im Musiktheater Capitol in Düsseldorf zu sehen war und später in Hannover, Bremen, München und Basel sowie 2006 erstmals in Leipzig und erneut in München und Basel.

Für die Tourproduktion wurde das Stück auf die Urfassung zurückgeführt und eine überarbeitete Version der Texte der Wiener Fassung verwendet. Die italienische Arie In Una Tepida Notte wurde durch Die Ballade von Billy M’Caw ersetzt, das in den ersten Jahren in der Londoner Originalinszenierung aufgeführt wurde. Das bisherige Bühnenbild wurde beibehalten, aus technischen Gründen verwandelt es sich bei Growltigers letzter Kampf jedoch nicht auf allen Bühnen in ein großes Piratenschiff (z.B. wird dies in München lediglich angedeutet, indem ein kleiner Mast mit Segel und ein Steuerrad auf die Bühne gebracht werden).

Köln, Frankfurt

Eine Neuproduktion des Musicals wurde vom 12. November 2008 bis zum 14. Dezember 2008 im Musical Dome in Köln und anschließend vom 17. Dezember 2008 bis zum 9. Januar 2009 in der Alten Oper in Frankfurt am Main aufgeführt. Diese Version verwendete die englische Originalsprache. Dem deutschen Publikum wurde der Inhalt mit Untertiteln in Kurzform auf vier großen Leinwänden verständlich gemacht. Ausstattung und Bühnenbild entsprachen dem Original, lediglich bei Growltigers letztem Kampf wurde das Piratenschiff durch einen hochklappbaren Mast und ein auf die Bühne gebrachtes Steuerrad angedeutet.

Weitere Produktionen

Jegliche Aufführungsrechte liegen bei Andrew Lloyd Webber’s The Really Useful Company Limited. Weltweit musste sich in der Vergangenheit jede Produktion weitgehend an die Vorgaben der Originalfassung halten. Inzwischen ist das Stück offenbar für komplette Neuinszenierungen freigegeben worden, da zumindest eine polnische Fassung namens Koty existiert, bei der das Stück auf die Dächer von Warschau verlegt wurde[4] (im Gegensatz zu dem ansonsten verwendeten Schrottplatz- oder Hinterhof-Design).

Während bei der Uraufführung eine runde Bühne zum Einsatz kam, wurde für alle anderen Produktionen (außer Tokio und Australien-Tour) eine herkömmliche Guckkastenbühne verwendet, jedoch wurden jeweils auch der Zuschauerraum und das Publikum in die Aufführung mit einbezogen.

Videoaufzeichnung

Die Londoner Version ist im Jahre 1998 auf VHS und DVD veröffentlicht worden. Allerdings fehlt hier die Ergänzung Growltigers letzte Schlacht, da Webber die Aufzeichnung ohne den erblindeten Sir John Mills als Gus ablehnte. In den Hauptrollen sind Elaine Paige (Grizabella bei der Weltpremiere) und Ken Page (Old Deuteronomy bei der Broadway-Premiere) zu sehen. Die Musik wurde mit einem 70-köpfigen Orchester neu eingespielt. Im Gegensatz zur Erstinszenierung wurde für diese Inszenierung das Londoner Adelphi Theatre genutzt (mit Guckkastenbühne statt der runden Bühne). Außerdem kam hier erstmals eine Katze namens Exotica vor.


Handlung

Kater Munkustrap, Zweiter in der Katzenhierarchie (nach Old Deuteronomy) und Beschützer der Katzen, übernimmt die Rolle des Erzählers: Eine große Katzenschar kommt auf einer Londoner Müllkippe zusammen, um den Jellicle Ball zu feiern, an dessen Ende eine Katze erwählt wird, wiedergeboren zu werden und ein neues Katzenleben zu bekommen. Eine der jüngsten Katzen, Victoria, eröffnet den Ball. Nachdem sich mehrere Katzen mit einem eigenen Lied präsentiert haben, wird der Älteste der Katzen, Old Deuteronomy, der die Wahl treffen muss, von dem Katzenschurken Macavity entführt. Dessen Name ist eine Allusion an Professor Moriarty in den Sherlock Holmes Geschichten. Mit der Hilfe des Zauberkaters Mr. Mistoffelees gelingt es jedoch, Old Deuteronomy wieder herbei zu zaubern. Victoria ist die erste Katze, welche die von der Gesellschaft ausgestoßene alte Katze Grizabella, die schon bessere Zeiten gesehen hat, wieder annimmt. Daraufhin entscheidet sich Old Deuteronomy für Grizabella. Sie wird wieder aufgenommen, darf zum Heavyside Layer aufsteigen und ein neues Katzenleben beginnen…

Musik

Titelliste

Die folgende Liste führt die Titel der Hamburger Version von 1986 (übersetzt von John Baer, Sabine Grohmann und Marc Henning) sowie in Klammern diejenigen der Wiener Version von 1983 (übersetzt von Michael Kunze) auf:


1. Akt

  • Ouvertüre
  • Prolog: Jellicle Songs für Jellicle Katz’ (Prolog: Jellicle Katzen)
  • Das Benennen von Katzen (Die Namen der Katzen)
  • Die Einladung zum Jellicle Ball
  • Die Gumbie Katze (Die alte Gumbie-Katze)
  • Der Rum-Tum-Tugger
  • Grizabella (Grizabella, der Katzenstar)
  • Bustopher Mürr (Bustopher Jones)
  • Mungojerrie und Rumpelteazer (Mungo Jerrie und Rumpel Teazer)
  • Old Deuteronomy (Alt-Deuteronimus)
  • Von der furchtbaren Schlacht zwischen den Pekies und Pollicles und das Marschlied der Pollicle Hunde (Der Kampf zwischen den Pekinesen und Pollicles)
  • Jellicle Ball
  • Erinnerung


2. Akt

  • Momente des wahren Glücks
  • Gus, der Theater-Kater
  • Growltigers letzte Schlacht*
  • Skimbleshanks (Skimble von der Eisenbahn)
  • Macavity
  • Der Kampf mit Macavity
  • Mr. Mistoffelees (Mister Mistoffelees)
  • Erinnerung
  • Die Reise zum Heaviside Layer (Reise in den sphärischen Raum)
  • Über das Ansprechen von Katzen (Wie spricht man eine Katze an)

* In der Filmversion nicht enthalten.


Einspielungen

Von Cats wurden folgende Aufnahmen veröffentlicht:

  • London: Gesamtaufnahme und Höhepunkte
  • Broadway: Gesamtaufnahme und Höhepunkte
  • Wien: Höhepunkte
  • Budapest (Macskák): Höhepunkte
  • Sydney: Gesamtaufnahme
  • Tokio: Gesamtaufnahmen und Höhepunkte
  • Oslo: Höhepunkte (war nur im Theater erhältlich)
  • Hamburg: Live-Gesamtaufnahme
  • Amsterdam: Live-Gesamtaufnahme
  • Paris: Gesamtaufnahme
  • Mexico-Stadt: Höhepunkte und Gesamtaufnahme
  • Warschau (Koty): Höhepunkte
  • Prag: Höhepunkte (unveröffentlicht)
  • Moskau: Höhepunkte (nur zu Werbezwecken)
  • Niederlande-Tour: Live-Höhepunkte
  • USA: Karaoke-CD (Höhepunkte)


Musical

Film


Quellen und Verweise

  1. vgl. Webbers Bericht in [1]
  2. vgl. Nunns Bericht in [2])
  3. Interview mit Trevor Nunn
  4. Webseite des “Teatr Muzyczny ROMA” Warschau
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