Dagestan

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Dagestan

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Subjekt der Russischen Föderation
Republik Dagestan
Республика Дагестан
Дагъистаналъул Республика (awar.)
Дагъустандин Республика (lesg.)
Дагъусттаннал Республика (lak.)
FlaggeWappen
FöderationskreisNordkaukasus
Fläche50.270 km²
Bevölkerung2.737.313 Einw. (Stand: 2010[1])
Bevölkerungsdichte54 Ew./km²
HauptstadtMachatschkala
Offizielle Sprachenaghulisch, avarisch, aserbaidschanisch,
tschetschenisch, darginisch, kumükisch, lakisch,
lezgisch, nogaiisch, rutulisch, tabasaranisch,
tsakhurisch, tatisch[2][3]
, russisch
Ethnische
Zusammensetzung
Awaren (29,4 %)
Darginer (16,5 %)
Kumyken (14,2 %)
Lesgier (13,1 %)
Laken (5,4 %)
Russen (4,7 %)
(Stand: 2002)
PräsidentMuchu Alijew
Gegründet17. September 1991
(1921)
ZeitzoneUTC+3 (Sommerzeit: UTC+4)
Telefonvorwahlen(+7) 872xx
Postleitzahlen367000–368999
Kfz-Kennzeichen05
OKATO82
Webseitewww.e-dag.ru

Die im Nordkaukasus gelegene Republik Dagestan (russ. Республика Дагестан/ Respublika Dagestan) ist seit 1991 eine russische Republik in Kaukasien im südlichen Teil Russlands. Der Name bedeutet „Bergland“.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Dagestan setzt sich aus einem flachen Nordteil, der Nogaiersteppe, dem Kaukasusvorland sowie einem gebirgigen Südteil zusammen. Der höchste Berg ist mit 4466 Meter der Bazardüzü (Basardjusi) an der Grenze zu Aserbaidschan, an das die Republik im Süden grenzt. Im Südwesten grenzt Dagestan an Georgien, im Westen an Tschetschenien und im Norden an Kalmückien und die Region Stawropol. Im Osten besitzt es eine lange Küste am Kaspischen Meer. Die wichtigsten Flüsse sind der Terek, der Sulak und der Samur, der Grenzfluss zu Aserbaidschan. In Dagestan liegt der südlichste Punkt der Russischen Föderation. Die Region ist wichtig für den Transitverkehr von Russland nach Aserbaidschan und in den Iran.

Klima

Das Klima ist in den niedrigen Teilen sehr mild und im Sommer meist sehr trocken. Im Norden Dagestans herrschen steppenartige Verhältnisse. Im Sommer ist es sehr trocken und es herrscht eine Temperatur von bis zu 50 Grad Celsius.

Bevölkerung

In Dagestan leben über 100 Völker auf engem Raum zusammen. Die russische Volkszählung registrierte im Jahr 2002 2.576.531 Einwohner. Zu den Völkern gehören

Zensus 1926Zensus 1939Zensus 1959Zensus 1970Zensus 1979Zensus 1989Zensus 2002
Awaren177.189 (22,5 %)230.488 (24,8 %)239.373 (22,5 %)349.304 (24,5 %)418.634 (25,7 %)496.077 (27,5 %)758.438 (29,4 %)
Darginer125.707 (16,0 %)150.421 (16,2 %)148.194 (13,9 %)207.776 (14,5 %)246.854 (15,2 %)280.431 (15,6 %)425.526 (16,5 %)
Lesgier90.509 (11,5 %)96.723 (10,4 %)108.615 (10,2 %)162.721 (11,4 %)188.804 (11,6 %)204.370 (11,3 %)336.698 (13,1 %)
Laken39.878 (5,1 %)51.671 (5,6 %)53.451 (5,0 %)72.240 (5,1 %)83.457 (5,1 %)91.682 (5,1 %)139.732 (5,4 %)
Tabassaranen31.915 (4,0 %)33.432 (3,6 %)33.548 (3,2 %)53.253 (3,7 %)71.722 (4,4 %)78.196 (4,3 %)101.152 (4,3 %)
Rutulen10.333 (1,3 %)20.408 (2,2 %)6.566 (0,6 %)11.799 (0,8 %)14.288 (0,9 %)14.955 (0,8 %)24.298 (0,9 %)
Agulier7.653 (1,0 %)6.378 (0,6 %)8.644 (0,6 %)11.459 (0,7 %)13.791 (0,8 %)23.314 (0,9 %)
Zachuren3.531 (0,4 %)4.278 (0,4 %)4.309 (0,3 %)4.560 (0,3 %)5.194 (0,3 %)8.168 (0,3 %)
Kumyken87.960 (11,2 %)100.053 (10,8 %)120.859 (11,4 %)169.019 (11,8 %)202.297 (12,4 %)231.805 (12,9 %)365.804 (14,2 %)
Nogaier26.086 (3,3 %)4.677 (0,5 %)14.939 (1,4 %)21.750 (1,5 %)24.977 (1,5 %)28.294 (1,6 %)38.168 (1,5 %)
Russen98.197 (12,5 %)132.952 (14,3 %)213.754 (20,1 %)209.570 (14,7 %)189.474 (11,6 %)165.940 (9,2 %)120.875 (4,7 %)
Aserbaidschaner23.428 (3,0 %)31.141 (3,3 %)38.224 (3,6 %)54.403 (3,8 %)64.514 (4,0 %)75.463 (4,2 %)111.656 (4,3 %)
Tschetschenen21.851 (2,8 %)26.419 (2,8 %)12.798 (1,2 %)39.965 (2,8 %)49.227 (3,0 %)57.877 (3,2 %)87.867 (3,4 %)
Andere43.861 (5,6 %)52.031 (5,6 %)61.495 (5,8 %)63.787 (4,5 %)57.892 (3,6 %)58.113 (3,2 %)25.835 (1,0 %)
Karte der Völker und Sprachen im Kaukasus. Zum Vergrößern auf die Karte klicken.

Zur Gruppe der Turkvölker (20,01 %) gehören die Kumyken, Aserbaidschaner und Nogaier.

Die früher zahlreichen Taten und Bergjuden sind großteils abgewandert. Die 120.875 (= 4,69 %) Russen sind im Gegensatz zu anderen autonomen Gebieten Russlands nur eine kleine Minderheit. Amtssprache ist dennoch Russisch.

Der Großteil der Bevölkerung gehört dem islamischen Glauben an (hauptsächlich sunnitisch). Dagestan ist die flächengrößte und bevölkerungsreichste der russischen Kaukasusrepubliken, etwa zehn Prozent aller Muslime Russlands leben dort. Auf dem Land ist eine Rückkehr vom säkulären Recht zur Scharia zu beobachten, siehe auch Islam in Russland.

Dagestan gehört zu den wenigen russischen Regionen, die in den letzten Jahren einen Bevölkerungszuwachs verzeichnen konnten (1989 lebten noch rund 1,8 Millionen Menschen in Dagestan). 2002 lebten ca. 56 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze; somit gehört Dagestan zu den ärmsten Republiken der Russischen Föderation. Auch das BIP pro Kopf ist einer der niedrigsten in der Föderation: pro Kopf kommt man auf 16.470 Rubel (ungefähr 593,51 US-$ oder 435,60 € bei dem damaligen Wechselkurs).

Verwaltungsgliederung

Dagestan ist in zehn Stadtkreise und in 41 Rajons (Landkreise) eingeteilt.

Siehe auch: Verwaltungsgliederung der Republik Dagestan

Städte

Städte in Dagestan

Im russischen Vergleich hat Dagestan einen geringen Anteil städtischer Bevölkerung (43 %). Die Hauptstadt Machatschkala hat rund 465.000 Einwohner (2006). Andere wichtige Städte sind Chassawjurt, Derbent, Kaspijsk, Buinaksk, Kisljar und Isberbasch. In Dagestan gibt es zehn Städte und 19 Siedlungen städtischen Typs.

Stadt*/Städt. SiedlungRussischer NameRajonEinwohner
(1. Januar 2006)
AlburikentАльбурикентMachatschkala (Stadtkreis)7.034
AtschissuАчисуKarabudachkent1.725
BawtugaiБавтугайKisiljurt (Stadtkreis)5.096
BelidschiБелиджиDerbent11.437
Buinaksk*Буйнакскkreisfrei61.526
Chassawjurt*Хасавюртkreisfrei125.018
Dagestanskije Ogni*Дагестанские Огниkreisfrei25.883
Derbent*Дербентkreisfrei106.236
DubkiДубкиKasbek5.361
Isberbasch*Избербашkreisfrei41.236
Juschno-Suchokumsk*Южно-Сухокумскkreisfrei10.330
Kaspijsk*Каспийскkreisfrei81.174
Kisiljurt*КизилюртKisiljurt (Stadtkreis)33.529
Kisljar*КизлярKisljar (Stadtkreis)48.772
KjachulaiКяхулайMachatschkala (Stadtkreis)5.494
KomsomolskiКомсомольскийKisljar (Stadtkreis)2.794
KubatschiКубачиDachadajew2.860
LeninkentЛенинкентMachatschkala (Stadtkreis)13.154
Machatschkala*МахачкалаMachatschkala (Stadtkreis)466.331
MamedkalaМамедкалаDerbent8.728
ManasМанасKarabudachkent5.060
Nowy KjachulaiНовый КяхулайMachatschkala (Stadtkreis)7.021
Nowy SulakНовый СулакKisiljurt (Stadtkreis)5.231
SchamchalШамхалMachatschkala (Stadtkreis)8.208
SchamilkalaШамилькалаUnzukul7.200
SemenderСемендерMachatschkala (Stadtkreis)7.568
SulakСулакMachatschkala (Stadtkreis)6.626
TarkiТаркиMachatschkala (Stadtkreis)9.978
TjubeТюбеKumtorkal6.278

Geschichte

Frühzeit

Die Region war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Das Römische Reich und Persien stritten um die Vorherrschaft. Um die nördlichen Völker fernzuhalten wurde die Kaukasische Mauer errichtet. Schließlich wurde das Flachland persische Provinz, die Einwohner des inneren Dagestans blieben freie Bergvölker unter eigenen Chanen. Vom vierten bis ins siebte Jahrhundert herrschten dann die Sassaniden. Im siebten Jahrhundert eroberten die Araber das Gebiet und die meisten Völker konvertierten zum Islam. Alanen, Chasaren, die Goldene Horde und die Mongolen unter Timur Lenk wechselten sich mit der Herrschaft ab.

Im 16. und 17. Jahrhundert gab es eine Reihe unabhängiger Chanate in der Region, bevor die Region in den Streit zwischen Russland, dem Osmanischen Reich und Persien geriet (vergleiche auch Geschichte Aserbaidschans).

Zarenreich

Frau und Mann aus Dagestan (rekonstruiertes frühes Farbfoto von Prokudin-Gorski, um 1904)

1801 nahm Russland von Georgien Besitz und war in diesem Zuge bestrebt, den gesamten Nordkaukasus unter Kontrolle zu bringen. 1813 kam Dagestan endgültig an Russland, der Widerstand unter Imam Schamil zog sich allerdings noch bis in die 1860er Jahre hin.

Schwierig für Russland wurde die Situation vollends, als der Muridismus (russ. мюридизм), eine religiöse Bewegung unter Einfluss der Sufi-Bruderschaft der Naqschbandiyya, unter den Bergvölkern Dagestans feste Wurzeln fasste. Während des türkisch-russischen Kriegs 1828 bis 1829 musste man ihnen freie Hand lassen; nach dem Friedensschluss rückten 1830 Truppen unter Oberbefehl von Feldmarschall Iwan Paskewitsch in Dagestan ein und sicherten sich (1831-1832) zunächst das Küstengebiet, durch welches die Straße nach Persien führt. Zum ersten Schritt gegen das innere Dagestan nötigte den Imam Schamil, der die awarische Chanfamilie verdrängt hatte und sich als Haupt der Muriden den Russen entgegenstellte. Mit der Unterwerfung desselben 1859 kam dann auch Dagestan in den Besitz der Russen.

Das Dagestan des 19. Jahrhunderts erstreckte sich vom östlichen Abhang des Kaukasus bis zum Kaspischen Meer und wurde im Norden von der Oblast Terek (Terskaja oblast), im Süden von den Gouvernements Tiflis und Baku begrenzt. Es hatte 1881 eine Fläche von 29.637 Quadratkilometer und 526.915 Einwohner, 1897 571.200 Einwohner.

Die Sowjet-Epoche

Mit der Gründung der Sowjetunion entstand 1921 die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik (ASSR) Dagestan.

Mit Auflösung der Sowjetunion 1991 wurden Dagestan weiter reichende Autonomierechte als „Republik“ eingestanden.

In der Russischen Föderation

Am 24. April 1990 wurde Magomedali Magomedow Staatsratvorsitzender (er blieb dies bis 2006).

Mitte der 1990er Jahre wurde Dagestan zunehmend in den Tschetschenienkrieg hineingezogen. Guerilla-Kämpfe haben seither einige Hundert Todesopfer auf Seiten der Regierungstruppen wie der Rebellen, aber auch von Zivilisten gefordert.

Bereits 1996 versuchten tschetschenische Rebellen durch eine Geiselnahme im dagestanischen Perwomaiskoje den Abzug russischer Truppen aus Tschetschenien zu erzwingen.

Im August 1999 marschierten Kämpfer des Rebellenführers Schamil Bassajew in Dagestan ein, um das Gebiet zum Teil eines islamischen Emirats zu machen. Sie wurden bereits nach wenigen Wochen von der russischen Armee vertrieben.

Anfang 2005 ließen etwa Aufständische zwei Züge entgleisen und sabotierten mehrere Gas-Pipelines. Einen Monat später wurde der stellvertretende Innenminister, Generalmajor Magomed Omarow, in Machatschkala ermordet.

Vom 15. bis 22. Juli 2008 führten die russischen Streitkräfte ein Großmanöver mit rund 8.000 Soldaten, 700 gepanzerten Fahrzeugen sowie 30 Kampfflugzeugen und Hubschraubern in Dagestan durch.[4]

Wirtschaft

Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen zählen die Ölförderung, Energieerzeugung und Lebensmittelverarbeitung. Generell ist die Republik weniger industrialisiert als andere Regionen Russlands. Aufgrund der gebirgigen Lage spielt die Landwirtschaft eine untergeordnete Rolle, einen gewissen Stellenwert nimmt das traditionelle Handwerk ein.

Traditionell wird wenig Getreide (vorwiegend Hirse) produziert, eine große Rolle spielt die Schafzucht. Abgesehen von Öl ist das Land an Bodenschätzen eher arm.

Literatur

  • Cunynghame: Travels in the eastern Caucasus, especially in Dagestan etc. London 1872
  • Michael Kemper: Herrschaft, Recht und Islam in Daghestan. Wiesbaden 2005.

 Commons: Dagestan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Föderaler Dienst für staatliche Statistik Russlands
  2. Nach Artikel 11 der Verfassung der Republik Dagestan: the official languages of the republic include “Russian and the languages of the peoples of Dagestan”
  3. Solntsev, pp. XXXIX–XL
  4. http://de.rian.ru/safety/20080722/114599926.html
43.05722222222246.915277777778
Koordinaten: 43° N, 47° O
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