Grad Freimaurerei
Grad (Freimaurerei)
Die gesamte Lehre der Freimaurerei gliedert sich zentral in drei Grade (blaue Johannisfreimaurerei). Zusätzlich gibt es verschiedene so genannte Hochgradsysteme. Da diese jeweils eine andere Arbeitsfarbe haben, werden sie z. B. als weiße, grüne, schwarze und rote Grade bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis |
Blaue Johannisfreimaurerei
Die drei Grade der blauen Freimaurerei heißen Lehrling, Geselle und Meister. Für diese Grade besteht die Logenarbeit darin, sich einer moralisch-geistigen Selbstfindung zu unterziehen, deren wichtigstes Mittel die so genannte Tempelarbeit ist. In ihrer Symbolsprache sprechen die Freimaurer vom Bau des Tempels der Humanität.
Die symbolischen, der handwerklichen Tradition entlehnten Grade versinnbildlichen dabei die inneren Entwicklungsstufen, die ein Freimaurer im Laufe seines maurerischen Lebens durchläuft. Von Grad zu Grad findet dabei eine zunehmende Initiation durch verschiedene Legenden und Symbolhandlungen statt, mit der ethische Werte erfahrbar werden. Dabei soll der Initiierte sich weiterhin vervollkommnen. Ein Freimaurer, der in diesen Graden arbeitet, wird anderen Freimaurern immer auf gleicher Ebene begegnen, eine Hierarchie besteht nicht.
Lehrling
Der Lehrlingsgrad beschäftigt sich zentral mit Selbsterkenntnis und geht dabei der Frage nach, wie aus dem symbolischen unvollkommenen „rauen Stein“ ein behauener Stein werden kann. Ein Freimaurer im ersten Grad lernt sich seiner Schwächen bewusst zu werden und dass er folglich der Hilfe seiner Mitmenschen bedarf. Hilfsbereit geht er im Gegenzug denjenigen zur Hand, die wiederum seine Hilfe benötigen. Wird er belehrt, so ist es seine Aufgabe, dies stets zu hinterfragen, um den Sinn dahinter zu verstehen, statt kritiklos möglicherweise falsche oder falsch verstandene Handlungsanweisungen zu übernehmen, die nachher großen Schaden anrichten könnten.
In der christlichen Maurerei ist dieser Grad ebenfalls mit einem nach Innen gerichteten Blick angelegt. Die Erkenntnis der eigenen „Gotteskindschaft“, die Bewusstwerdung des göttlichen Funken in jedem Menschen steht im Mittelpunkt. Dabei kommen Elemente der christlichen Mystik, wie sie von Meister Eckhart vertreten wurden zum Tragen. Motto des Grades ist „Schau in Dich“. Diese transzendente Erkenntnis wird in der Symbolik mit handwerklichen Begriffen vermittelt. Als Handwerkslehrling muss man die Materialien und Werkzeuge kennenlernen, mit denen man später arbeiten soll.
Zur Vermittlung der Inhalte dient ein rituelles Rollenspiel. In einem festgelegten und immer gleichen Wechselgespräch zwischen dem Meister vom Stuhl und seinen Beamten werden Symbole und Allegorien im Kontext einer fiktiven Dombauhütte präsentiert. Die Brüder sollen diese Symbole auf sich, auf ihr Inneres, wirken lassen. So soll eine charakterliche, bzw. seelische Entwicklung angeregt werden.
Geselle
Der Gesellengrad dient der Schulung von Geduld und der Reflexion des eigenen Sozialverhaltens. Der Geselle geht dabei auf Reisen, das heißt, er besucht andere Logen in der Umgebung oder wo immer es ihn privat oder beruflich hin verschlägt und lernt neue Dinge und Aspekte und ihre Vergänglichkeit kennen, die Erinnerungen bleiben. Zu diesem Grad gehört in verschiedenen Freimaurersystemen die intensive Beschäftigung mit den Sieben freien Künsten der Antike. Er unterstützt mit seinen neu erworbenen Fähigkeiten seine Mitmenschen und so fügt sich der nun behauene Stein langsam in das gemeinsame symbolische Bauwerk der Humanität ein.
Neben der handwerklichen Tradition ist in der christlichen Freimaurerei die Wirkung von Aktion und Reaktion bedeutend. Das Motto des Grades lautet „Schau um Dich“. Alle Menschen, die ganze Natur ist eng miteinander verknüpft. Keine Handlung steht für sich, so dass die hohe Verantwortung, die dem Menschen im christlichen Sinne mitgegeben wurde, sich auf alle Aspekte der Existenz ausweitet. Jede Handlung hat Konsequenz, daher sollte jeder Entschluss, jede Handlung möglichst qualitativ hochwertig und auf das Wohl aller ausgerichtet sein.
Meister
Der Meistergrad schließlich betont die eigene Vergänglichkeit und vergegenwärtigt die zuweilen schwierige, aber wichtige Aufgabe, die erworbenen Erfahrungen an diejenigen weiterzugeben, die die Arbeit fortführen sollen. Dieser Arbeit gibt der Meister Struktur, indem er seine Mitmenschen dabei unterstützt, ihren eigenen Platz im gemeinsamen Gebäude entsprechend ihrer individuellen Stärken zu finden. Die Szenerie des Rituals wird von der fiktiven Dombauhütte weg zur (in dieser Form ebenfalls fiktiven) Baustelle des Tempels Salomos verlegt. Der Tempel Salomos steht ideell für den „Tempelbau der Menschheit“ und hat nur in der christlichen Freimaurerei tatsächlich etwas mit dem biblischen Gebäude zu tun.
In der christlichen Maurerei gilt hier das Motto „Schau über Dich“. Das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit führt zwangsläufig zur Beschäftigung mit dem danach. Die christliche Maurerei vermittelt hier keine eigene Theologie, sondern richtet nur den Blick auf das Göttliche und lässt die Ausgestaltung den Kirchen. Dabei wird in der Symbolik das Ende des Weltlichen sehr drastisch dargestellt. Diese Todessymbolik wurde insbesondere durch die Nazi-Propaganda ausgenutzt, in dem Tempel in kleine Horrorkabinette mit Skeletten, Totenköpfen und Särgen verwandelt und ausgestellt wurden. Viele abstruse Gerüchte über die Freimaurerei basieren auf diesem verzerrten Wissen.
Hochgrade
Die Grade 1 bis 3: Lehrling, Geselle und Meister werden „blaue“ (s. o.), die Grade darüber meist rote Hochgrade oder Schottische Grade, oder als Erkenntnis- oder Vervollkommnungsstufen bezeichnet. Je nach dem Grundthema dieser Hochgrade und abhängig vom Hochgradsystem werden die Versammlungen Perfektionslogen, Andreaslogen, Schottenlogen, Kapitel, Räte, Areopage, Innere Oriente, Konsistorien oder Präzeptoreien genannt. Die Aufzählung ist nicht abschließend, sondern umfasst nur die verbreitetsten Hochgrade.
In erklärenden Darstellungen werden die Grade der Freimaurerei oft pyramidenförmig übereinander dargestellt mit den blauen Graden als breite Basis. Das vermittelt den Eindruck eines elitären Kastensystems mit nach oben hin immer kleiner werdenden Gruppen, die eine Machtstellung über die darunter haben. Die blauen Grade sind fast überall auf der Welt organisatorisch von den Hochgraden getrennt, so dass es ein Über-/Unterstellungsverhältnis nicht einmal vereinsrechtlich gibt. Generell hat jeder Freimaurer das Recht und die Möglichkeit in den höchsten Grad seines Systems aufzusteigen, nur die sogenannten „Verwaltungsgrade“ bilden da eine Ausnahme, da sie für die in den Vorstand gewählten Brüder sind.
Auch abseits des Vereinsrechtes gibt es im eigenen Selbstverständnis der Hochgradsysteme keine Hierarchie der Grade. Ebenso wenig wie ein Schüler der 10. Klasse einem Schüler der 8. Klasse „weisungsbefugt“ ist, sind Brüder höherer Grade den Brüdern der unteren Grade überstellt.
Nur ein Teil der Freimaurer entscheidet sich dafür, Hochgradmaurer zu werden. Diejenigen, die Hochgrade bearbeiten, durchlaufen in der Regel sämtliche Grade der Reihe nach. Eine Ausnahme bildet hier der A.A.S.R., bei dem nur noch vier bis sechs (je nach Staat) Grade tatsächlich mit einem rituellen Erlebnis bearbeitet werden.
Die genaue Unterteilung der Grade hängt dabei vom jeweiligen Ritus ab. In Deutschland verbreitet vor allem der Alte und Angenommene Schottische Ritus (A.A.S.R.), das Schwedische Lehrsystem der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland, die Erkenntnisstufen der Großen National-Mutterloge “Zu den drei Weltkugeln” sowie der York-Ritus.
Schwedisches Lehrsystem
Das “Schwedische Lehrsystem” stellt eine von der übrigen – humanitären – Freimaurerei abweichende christliche Richtung der Freimaurerei dar, das sich etwa ab 1760 zunächst in Schweden herausgebildet hatte. Es beinhaltet ein geschlossenes System mit insgesamt zehn Graden und betont die Tradition eines christlichen Ritterordens, ohne allerdings selbst ein solcher zu sein oder auch nur von einem solchen abzustammen und gründet sich auf die reine Lehre Jesu Christi, wie sie sich aus der Heiligen Schrift ergibt. In Deutschland wird diese Lehrart durch die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland e. V. ausgeübt.
Aufbau
Die weiterführenden Grade werden in zwei Abteilungen, den Andreaslogen und den Ordenskapiteln bearbeitet.
Die Andreaslogen werden von einem Wortführenden Andreasmeister geleitet. Die Andreaslogen gehören zu ihrer jeweiligen Provinzialloge, die ihrerseits der Großen Landesloge angeschlossen ist.
Die Ordenskapitel dagegen werden von einem Wortführenden Kapitelmeister geleitet. Sie sind direkt dem Höchsten Ordenskapitel von Deutschland nachgeordnet.
Bearbeitete Grade
in der Andreasloge:
- IV./V. Grad Andreas-Lehrling- und Andreas-Gesellen-Grad; – VI. Grad Andreas-Meister-Grad.
im Ordenskapitel:
- VII. Grad Ritter von Osten; – VIII. Grad Ritter von Westen; – IX. Grad Vertrauter der Johannisloge; – X. Auserwählter der Andreasloge.
Inhalte
In der Andreasloge liegt der Schwerpunkt der inhaltlichen Arbeit nicht mehr im Salomonischen Tempelbau, sondern im Bau des zweiten Tempels unter Nehemias, der auf dem wiedergefundenen Grundstein des ersten Tempels errichtet wurde. Dieser Grundstein bildet das wichtigste Symbol der Arbeitstafel, in deren Mitte er sich auch körperlich befindet.
Der Andreas-Meister erfährt dann, daß unter diesem vollkommenen Kubus eigentlich Jesus Christus als der eigentliche Schlußstein des Tempels zu verstehen ist. Die Allegorie des unter den Trümmern des ersten zerstörten Tempels gefundenen Grundsteines, auf welchem sich nach Gottes Ratschluß ein neuer Tempelbau vollziehen sollte, bildet bereits eine Andeutung des Inhalts des Ordenskapitels.
Der “Ritter von Osten” soll den Geist des Obermeisters Jesus Christus in sich aufnehmen und sich und andere zur Ausbreitung der Lehre und zur Lösung der durch Erfassung des Geistes möglichen Aufgaben vorbereiten. Die Aufnahme in diesen Grad zeigt gewisse Ähnlichkeiten mit derjenigen der Ritter des Templerordens. Zum erstenmal wird nämlich hier an den Kandidaten die Frage nach dem Bekenntnis zum christlichen Glauben und nach “rittermäßiger Herkunft” gerichtet. Im abzulegenden Gelübde hat er zu versprechen, die Lehre Jesu Christi stets zu bekennen und eifrig bemüht zu sein, dessen Reich auf Erden zu errichten. Nach einer Darlegung, daß der Alte Tempel – d. h. der Alte Bund – wohl zerstört sei, die ewige Weisheit jedoch für einen neuen Tempelbau sorgte, zu dem Bauleute aus allen Gegenden der Welt herbeigerufen worden seien, erhält der Aufzunehmende die Weihe zum “Ritter von Osten und Jerusalem”, den Ritterschlag. Auch die Ordenslegende bezieht sich auf die Zerstörung und die Errichtung des neuen Tempels, dessen Meister, Grundstein und Erbauer der göttliche Obermeister Jesus Christus ist.
Der Inhalt des Grades des “Ritters von Westen” bildet die historische Unterrichtung über den Templerorden, von dessen Entstehung bis zu seinem Untergang durch den Märtyrertod des letzten Großmeisters de Molay. Nach Ablegung des Gelübdes, sich stets zu Jesus Christus als des Ordens unsichtbaren Obermeister zu bekennen und den Bau des neuen Tempels bis zur Todesstunde zu verteidigen, erfolgt die – symbolische – Investitur des neuen Ritters mit der Ausrüstung des Tempelritters, “dem Schmuck der Demut und der Liebe, der Reinheit Gürtel und den weißen Kleidern, die durch das Blut des obersten Meisters gereinigt wurden.” Schließlich erfolgt die Übergabe eines sichtbaren Zeichens seiner unauflösbaren Vereinigung mit dem Orden in Form eines besonders gestalteten goldenen Ringes.
Während in den beiden “Rittergraden” die christliche Lehre als Grundlage der eigenen Lebensführung einer spirituellen Ritterschaft dargestellt wurde, der “Ritter von Osten” die Lehren Jesu Christi in sich aufnehmen muß, um als “Ritter von Westen” diesem auf seinem Leidensweg zu folgen und mit dem Untergang des Templerordens gleichsam auch an den Tod des Meisters erinnert wird, tritt dem “Vertrauten der Johannisloge” der triumphierende und auferstandene Christus entgegen, der ihn das höchste Licht schauen und einen Blick in die Zukunft werfen läßt, in die diejenigen am Tage der Auferstehung eingehen werden, die treu gearbeitet haben. Dem Kandidaten wird vor Augen geführt, wie auf dreifachem Wege – ethisch, historisch und wissenschaftlich – auf das Endziel hingearbeitet wird. Nachdrücklich wird auf das höchste ewige Ziel des erleuchteten Menschen, die Vereinigung mit Gott, dem höchsten Baumeister, hingewiesen.
Der Grad des “Auserwählten der Andreasloge” hält dem auf die höchste Stufe zu Erhebenden nochmals vor Augen, daß seine letzte und höchste Pflicht das schon in sämtlichen vorhergehenden Graden angedeutete Streben der Vereinigung mit Gott als Mittelpunkt der ewigen Liebe ist. Dann wird der Kandidat in das Innerste, einer schottischen Kapelle ausgestattete Heiligtum geführt, wo die Vereinigung mit dem obersten Meister und den Brüdern durch den Genuß des Kelches vollendet wird, wobei dabei auch symbolisch die Vereinigung mit allen schon verstorbenen Brüdern, die unauflösliche Verbindung mit allen Angehörigen, erfolgt.
Weiterführende Erkenntnisstufen der Großen National-Mutterloge “Zu den drei Weltkugeln”
Die weiterführenden Erkenntnisstufen stellen, wie auch das “Schwedische Lehrsystem” eine von der übrigen – humanitären – Freimaurerei abweichende christliche Richtung der Freimaurerei dar, die sich etwa ab 1742 in Preußen herausgebildet hatte. Auch sie beinhalten ein geschlossenes System mit insgesamt sieben Graden und betonen die Tradition einer preußisch-christlichen Großloge. Diese Lehrart wird ausschließlich in Deutschland und dort durch die Große National-Mutterloge “Zu den drei Weltkugeln” ausgeübt.
Aufbau
Die weiterführenden Erkenntnisstufen werden in zwei Abteilungen, der Allgemeinen Altschottischen Loge und dem Inneren Orient bearbeitet.
Die Schottenlogen werden von einem Altschottischen Obermeister geleitet. Die Allgemeine Altschottische Loge untersteht dem Altschottischen Direktorium, das personengleich mit dem Bundesdirektorium ist.
Die Inneren Oriente dagegen werden vom Höchsten Inneren Orient geleitet, der wiederum personengleich mit dem Bundesdirektorium ist.
Bearbeitete Grade
in der Schottenloge:
- IV. Grad Altschottischer Meister
im Inneren Orient:
- V. Grad Auserwählter Bruder; – VI. Grad Geweihter des Inneren Tempels; – VII. Grad Vertrauter der Vollendung.
Inhalte
In der Schottenloge tritt zu den drei Säulen der Johannisloge eine vierte hinzu, die Säule der Religion – Gottes- und Menschenliebe -, an der der Kandidat durch den Obermeister die Weihe erhält. Er wird vorher nochmals eindringlich ermahnt, sein Bemühen auf Erlangung ethischer und spiritueller Freiheit zu richten und dann im Schottentempel, dessen grüne Ausstattung das unermeßliche Weltall, den Tempel Gottes in der Natur symbolisiert und mit seinen Pflichten als Altschottischer Meister vertraut gemacht wird, nämlich Gottesverehrung zu beweisen, vom Gottesbewußtsein erfüllt zu sein und als Gottessucher alle Kräfte der Erkenntnis des Ewigen und Heiligen zu weihen, wobei die Natur dem Altschottischen Meister Offenbarung und Erkenntnis Gottes ist.
Die Erkenntnisstufe des “Auserwählten Bruders” bildet den Eingang in den Inneren Orient. Eine Belehrung, daß nicht äußerer Glanz, Auszeichnung und Ehre den Wert des Ethischen bestimmen, und daß sich auf Irrwege auch derjenige begibt, wer die der irdischen Natur gesteckten Grenzen zu überfliegen strebt, sich Wissens- und Vollkommenheitsdünkeln hingibt, leitet zu einer templerischen Handlung, zur Ritterweihe, über. Der Kandidat vernimmt die Geschichte des Endes des Templerordens, die Legende, die diesen im 18. Jahrhundert mit der Freimaurerei verknüpfte und er erfährt, daß bei allem Streben nach Wahrheit, das die Tempelherren beseelte, schließlich ihr Streben nach Glanz, Macht, Reichtum und äußeren Schein ihren Untergang herbeiführen mußten. Infolgedessen legt der Kandidat die Zeichen der Ritterschaft wieder ab; vom Templerorden soll er aber dessen Lehre bewahren, “Diener der Wahrheit” zu sein. Auch der zweite Irrweg – hochmütiger Wissensdünkel, schwindende Scheu vor dem Heiligen, Aufhören der Ehrfurcht vor dem Unbegreiflichen -, der sich auch in der anderen Richtung, nämlich in dem Wahn manifestieren kann, man könne auf mystische Weise – durch Spiritismus – das Geheimnis des Lebens enträtseln, wird an einem Beispiel aus der freimaurerischen Geschichte, den Rosenkreuzern, erhellt. Der Auserwählte Bruder soll Demut üben, seine Weisheit soll der Glaube, seine Schönheit die Liebe und seine Stärke die Hoffnung sein, der dreifache Grund, auf dem Würde und Glückseligkeit der Menschen beruhen.
Die Erkenntnisstufe des “Geweihten des Inneren Tempels” ist eine Stufe der Selbsterkenntnis. Nur durch deren Pforte gelangt man zum innersten Heiligtum. Im inneren Tempel mit den Symbolen der Offenbarung soll jeder Zugelassene den Menschen in sich erforschen. Der Kandidat soll lernen, daß von den Widersprüchen des menschlichen Daseins, der Unklarheit und Verworrenheit, dem schmerzlichen Streit mit den Mitmenschen und sich selbst nur wahre Selbsterkenntnis und Selbstüberwindung befreien kann. Er muß die Kraft der Liebe in seinem Inneren wirken lassen, die reich macht in aller Armut, stark in aller Schwäche und frei in aller Gebundenheit. Auf den Weg zur Erkenntnis versuchten im Laufe der Zeiten manche Bewegungen, wie Mysterienbünde und Philosophen hinzuführen; niemals aber hat jemand die Erkenntnis des Höchsten Wesens so umfassend und trostvoll gelehrt und aus dieser Erkenntnis so bedeutungsvolle und edle Beweggründe zur Tugend abgeleitet und so viel Beruhigung im Leben und im Tode geübt, wie Jesus von Nazareth. Und darum soll auch er allein der Führer sein.
Die abschließende Erkenntnisstufe des “Vertrauten der Vollendung” zeigt, daß es wahre Vollendung zwar erst jenseits des Todes geben wird, aber Vertrauter der Vollendung genannt werden darf, wem das Streben nach der Vervollkommnung zur zweiten Natur geworden ist. Nochmals ziehen alle bisher empfangenen Lehren am geistigen Auge des Kandidaten vorüber. Eindringlich mahnen sie, daß derjenige, wer der Sinnlichkeit lebt, sie demjenigen den Tod bringt; im Absterben der Sinnlichkeit das wahre Leben des Geistes und der Ethik entsteht. Der Vertraute der Vollendung soll Nachfolger Jesu Christi im Geiste und in der Wahrheit sein. Glaube, Liebe und Wahrheit sind die höchsten Tugenden, die auf dem festen Grund der christlichen Religion ruhen, wobei nicht ein dogmatisches Bekenntnis gemeint ist, sondern ein Christentum der Gesinnung und der Tat. Dem Gelöbnis, stets im Sinne der reinen Lehre Jesus von Nazareths zu handeln, folgt die Weihe. Der Vertraute der Vollednung legt wieder den Lehrlingsschurz an. Ihm ist die Erkenntnis zuteil geworden, daß er immer nur Lehrling bleibt, Lehrling freilich in einem höheren Sinne, nämlich Lehrling des Stifters der reinsten Religion.
York-Ritus
York-Ritus sowie Amerikanischer Ritus, Royal Arch, Orden vom Königlichen Bogen oder Tempelritter-Orden sind ganz unterschiedliche Begriffe, die sich zumeist auf ein und dasselbe System von weiterführenden freimaurerischen Graden beziehen. Es hat in Amerika seinen Ursprung und ist auf beiden Teilen des amerikanischen Kontinents am weitesten verbreitet, jedoch gibt es auch in Europa in vielen Ländern sowie in Israel[1] und Asien zahlreiche Mitglieder und Organisationen dieses Systems. Als „Gründervater“ gilt Thomas Smith Webb (1771-1819).[2] Der Name York-Ritus bezieht sich auf die englische Stadt York, in der nach freimaurerischer Legende im Jahr 928 die erste Freimaurerloge durch König Æthelstan eingesetzt worden sein soll.
Im York-Ritus wurde eine Gruppe von zum Teil sehr alten freimaurerischen Ritualen zusammengefasst. Obwohl für diese Rituale häufig (wie beim Schottischen Ritus) die Bezeichnung „Hochgrade“ gebraucht wird, werden sie innerhalb des Ritus selbst als weiterführende Erkenntnisstufen verstanden.
Aufbau
Die einzelnen Grade des York-Ritus arbeiten in den drei Abteilungen des Kapitels (mit vier Kapitelgraden), des Konzils (mit zwei bzw. drei kryptischen Graden) sowie in der Komturei (mit drei Rittergraden). Neben den Komtureien, die unter amerikanischer Konstitution wirken (aber einige auch in deutscher Sprache arbeiten), existieren die deutschsprachigen Präzeptoreien und Priorate, die zwei Grade (allerdings in geänderter Reihenfolge) unter schottischer Charta bearbeiten. Die drei unterschiedlichen Abteilungen des Kapitels, des Konzils sowie der Präzeptorei mit Priorat bzw. der Komturei sind formal voneinander unabhängig, wenngleich sie aufeinander aufbauen.
In Deutschland sind die Kapitel und Konzile im Obersten Großkapitel der Maurer vom Königlichen Bogen von Deutschland bzw. im Großkonzil der Kryptischen Maurer von Deutschland zusammengefasst, die Präzeptoreien und Priorate im Großpriorat von Deutschland der Vereinigten Religiösen, Militärischen und Freimaurerischen Orden vom Tempel und von St. Johannes von Jerusalem, Palästina, Rhodos und Malta. Die Komtureien unterstehen direkt dem Grand Encampment of Knight Templars in den Vereinigten Staaten.[3] In Österreich existiert das Großkapitel von Österreich der Maurer vom königlichen Bogen.
Die Großkapitel und Großkonzile der einzelnen Länder sind international zusammengeschlossen im General Grand Chapter of Royal Arch Masons International[4] bzw. im General Grand Council of Cryptic Masons International[5].
In Frankreich werden die eigentlich maurerischen Grade des York-Ritus innerhalb der regulären Großloge GLNF[6] erteilt, die christlich orientierten Rittergrade sind in den Präzeptoreien und Prioraten des Grand Prieuré des Gaules[7] organisiert.
Bearbeitete Grade
Die Grade Lehrling (1°), Geselle (2)° und Meister (3°), deren Ritualinhalte integraler Bestandteil des York-Ritus sind, werden im deutschsprachigen Raum (ebenso wie in den USA) ausschließlich außerhalb des York-Ritus bearbeitet. Die bestehende aktive Mitgliedschaft im Meistergrad in einer als regulär anerkannten Johannisloge ist darum Voraussetzung für die Aufnahme in ein Kapitel und in die anderen Körperschaften. In einzelnen Ländern (wie z.B. in Mexiko[8]) existieren allerdings blaue Logen auch innerhalb des York-Ritus.
Die folgenden Grade werden rituell im York-Ritus bearbeitet und erteilt, wobei die aufsteigende Gradzählung innerhalb der Körperschaften zwar weithin gebräuchlich, jedoch nicht offiziell festgelegt ist:
- Kapitel der Maurer vom Königlichen Bogen
- Markmeister (4°) – Altmeister (5°) – Sehr vortrefflicher Meister (6°) – Maurer vom Königlichen Bogen (7°)
- Die Ritualfarbe des Kapitels ist rot.
- Wer einem Kapitel als Hohepriester (bzw. Kapitelmeister) vorsteht oder vorgestanden hat, kann zur Mitgliedschaft im Seitengrad Orden der Hohepriesterschaft eingeladen werden.
- Konzil der Kryptischen Maurer:
- Königlicher Meister (8°) – Auserwählter Meister (9°); als optionaler Zusatzgrad (9a): Höchst vortrefflicher Meister
- Die Ritualfarbe des Konzils ist violett.
- Wer einem Konzil als Erlauchter Meister vorsteht oder vorgestanden hat, kann zur Mitgliedschaft im Seitengrad Orden von der Silbernen Kelle eingeladen werden.
- Komturei:
- Ritter vom Roten Kreuz (X°) – Ritter von Malta (XI°) – Ritter vom Tempel (XII°)
- alternativ:
- Präzeptorei und Priorat:
- Ritter vom Tempel (X°) – Ritter von Malta (XI°)
- Die Ritualfarbe der Rittergrade ist weiß (bzw. in Umkehrung auf weißem Grund schwarz).
- Wer einer unter amerikanischer Konstitution arbeitenden Komturei als Kommandeur (bzw. Commander) vorsteht oder vorgestanden hat, kann zur Mitgliedschaft im Order of Knights Preceptor eingeladen werden.
Es gibt innerhalb des York-Ritus keinerlei Notwendigkeit oder gar einen Zwang, alle Erkenntnisstufen zu durchlaufen und auch einer Komturei oder einer Präzeptorei bzw. einem Priorat beizutreten. Wer sich dazu entschließt, es bei der Mitgliedschaft in Kapitel oder Konzil zu belassen, dem ist es unbenommen, allerdings ist die Zugehörigkeit zu einem Kapitel die Voraussetzung für die Aufnahme in ein Konzil, eine Komturei bzw. in eine Präzeptorei.
Inhalte
Basis der freimaurerischen Arbeit innerhalb des York-Ritus sind die drei symbolischen Grade Lehrling (1°), Geselle (2°) und Meister (3°); ihre Lehrinhalte sind Voraussetzung und fester Bestandteil für die Arbeiten innerhalb des Systems des York-Ritus. Bei den in den Kapiteln und Konzilien bearbeiteten Ritualen handelt es sich um inhaltliche Ergänzungen zur symbolischen Maurerei dieser Grade. Der York-Ritus stellt damit eine Erweiterung der Freimaurerei innerhalb (und nicht oberhalb) der blauen Logen dar, indem wichtige zusätzliche Informationen, vor allem im Hinblick auf den Gesellen- und den Meistergrad der Johannismaurerei, vermittelt werden.
Die Komtureien bzw. Präzeptoreien und Priorate pflegen die Traditionen freimaurerisch-ritterlicher Rituale und lehren die Prinzipien der Ritterlichkeit; sie setzen ein Bekenntnis zum trinitarischen Christentum voraus.
Geschichte im deutschsprachigen Raum
Die Inhalte der im York-Ritus gepflegten Rituale können in Deutschland zum Teil auf eine lange Tradition verweisen. So wurde bereits im Jahr 1786 ein Kapitel Zion der Maurer vom Königlichen Bogen in Hannover errichtet, im Jahr 1789 folgte ihm ein Kapitel Eintracht in Frankfurt am Main. Die freimaurerischen Rittergrade haben ihre Vorläufer im System der Strikten Observanz des 18. Jahrhunderts.
Das erste deutsche Kapitel der Maurer vom Königlichen Bogen neuerer Zeit im Rahmen des York-Ritus wurde 1953 in Frankfurt am Main mit Namen Lebendiger Bogen Nr. 1 gegründet; 1956 erfolgte die Einsetzung des Großkapitels. Das Großkonzil der Kryptischen Maurer wurde 1957 eingesetzt. Ebenfalls 1957 wurde die erste Präzeptorei unter der Great Priory of Scotland gegründet[9], 1982 erfolgte unter schottischer Charta die Einsetzung des Großpriorats von Deutschland. Die erste Komturei wurde 1961 eröffnet. Das Großkapitel von Österreich wurde 1974 eingesetzt.
Vergleichbare Systeme
Die britische Freimaurerei kennt dem York-Ritus vergleichbare Grade in abweichenden Organisationsstrukturen. So besteht für den Markmeister-Grad in England eine eigene Großloge, der Grad des Maurers vom Königlichen Bogen wird in einem Obersten Großkapitel innerhalb der blauen Großloge als Ergänzung zum Meistergrad bearbeitet und für die kryptischen Grade (einschließlich des Sehr vortrefflichen Meisters) besteht in England ein eigenes Grand Council of Royal and Select Masters. In Schottland werden alle Arbeiten unter einem Supreme Grand Royal Arch Chapter ausgeführt. Die Rittergrade sind in Great Priories of the United Religious, Military, and Masonic Orders of the Temple, and of St. John of Jerusalem, Palestine, Rhodes, and Malta zusammengefasst.
In Deutschland besteht neben dem Obersten Großkapitel der Maurer vom Königlichen Bogen von Deutschland des York-Ritus seit 1976 das Grand Chapter of British Royal Arch Masons in Germany und seit 1980 eine District Grand Lodge of Mark Master Masons in Germany, welche die Grade des Maurers vom Königlichen Bogen und Markmeister nach britischem Ritual bearbeiten. Mit dem Großkapitel des York-Ritus bestehen Freundschafts- und Besuchsabkommen.
Besuchsabkomen bestehen auch zwischen den Körperschaften des York-Ritus und der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland in Bezug auf ihre Andreaslogen und Kapitel sowie mit der Großen National-Mutterloge “Zu den drei Weltkugeln” in Bezug auf ihre weiterführenden Erkenntnisstufen (s. oben).
Körperschaften im Umfeld
Im Umfeld des York-Ritus haben sich international eine Reihe unabhängiger Körperschaften mit eigenen Traditionslinien oder weiterführenden Ritualen angesiedelt, die alle bei ihren Mitgliedern den Meistergrad der blauen Freimaurerei voraussetzen und zum Teil sogar die Mitgliedschaft in einer Körperschaft des York-Ritus ausdrücklich fordern, ohne unmittelbar Teil des York-Ritus zu sein. In diesem Zusammenhang ist vor allem der Freimaurerische und Militärische Orden des Roten Kreuzes von Konstantin, vom Heiligen Grab und Johannes des Evangelisten zu nennen.[10] Der Orden des Roten Kreuzes von Konstantin unterhält in Deutschland ein Konklave.
Der York-Ritus und die sich ihm zu- und beiordnenden sonstigen Körperschaften bieten ein breites und reichhaltiges freimaurerisch inspiriertes Programm von Ritualen, das in seinem Umfang selbst das des Schottischen Ritus mit 33 Graden übertrifft; im Gegensatz zu diesem fehlt allerdings die strenge Einordnung in ein System hierarchisch angeordneter Grade, und es werden alle Rituale auch tatsächlich bearbeitet.
Der Grad des Maurers vom Königlichen Bogen, wie er im Kapitel des York-Ritus und in den vergleichbaren Systemen bearbeitet wird, ist der in der Welt verbreitetste und am häufigsten praktizierte weiterführende Grad der Freimaurerei.
Schottischer Ritus (AASR)
Das Hochgradsystem des Alten Angenommenen Schottischen Ritus (AASR) beinhaltet folgende Grade (die Bezeichnungen folgen weltweit meist der Tradition der Südlichen Jurisdiktion der Vereinigten Staaten, von welcher die Bezeichnungen der Nördlichen Jurisdiktion der Vereinigten Staaten bisweilen abweichen):
- (Johannisgrade: 1° „Lehrling“ – 2° „Geselle“ – 3° „Meister“)
- Hochgrade:
- Perfektionsgrade:
- 4° „Geheimer Meister“ – 5° „Vollkommener Meister“ – 6° „Geheimer Sekretär“ – 7° „Vorgesetzter und Richter“ – 8° „Intendant der Gebäude – 9° „Auserwählter Meister der Neun“ – 10° „Auserwählter Meister der Fünfzehn“ – 11° „Erhabener Auserwählter Ritter“ – 12° „Großmeister-Architekt“ – 13° „Meister des Neunten Bogens“ – 14° „Großer Auserwählter und Vollkommener Maurer“
- Kapitelgrade:
- 15° „Ritter des Degens“ oder „…des Ostens“ – 16° „Prinz von Jerusalem“ – 17° „Ritter vom Osten und Westen“ – 18° „Ritter Rosenkreuzer“
- Philosophische oder Areopag-Grade:
- 19° „Groß-Pontifex“ – 20° „Großmeister aller Symbolischen Logen“ – 21° „Noachit“ oder „Preußischer Ritter“ – 22° „Ritter der Königlichen Axt“ oder „Prinz von Libanon“ – 23° „Oberster des Tabernakels“ – 24° „Prinz des Tabernakels“ – 25° „Ritter der ehernen Schlange“ – 26° „Schottischer Trinitarier“ oder „Prinz der Gnade“ – 27° „Ritter-Kommandeur des Tempels“ – 28° „Ritter der Sonne“ – 29° „Ritter des Heiligen Andreas von Schottland“ – 30° „Ritter Kadosh“ oder „…des Schwarzen und Weißen Adlers“
- Konsistorialgrade:
- 31° „Großinspekteur-Inquisitor“ oder „Inquisitor-Meister“ – 32° „Prinz des Königlichen Geheimnisses“
- Grad des Obersten Rates:
- 33° „Souveräner General-Großinspekteur“
Tatsächlich bearbeitet werden in Deutschland (wie auch in den meisten anderen Jurisdiktionen) die Grade 4° („Geheimer Meister“), 18° („Ritter vom Rosenkreuz“), 30° („Ritter Kadosch“), 32° („Prinz des Königlichen Geheimnisses“) und 33° („Souveräner General-Großinspekteur“), die anderen Grade werden nur durch „Mitteilung“ verliehen (z. B. der 5. bis 17. Grad anlässlich der Erteilung des 18. Grades). Insbesondere in den Vereinigten Staaten ist man bemüht, auch die Zwischengrade tatsächlich zu bearbeiten, wobei jene Brüder, welche den Grad schon früher durch „Mitteilung“ erteilt bekamen, eingeladen sind, der tatsächlichen Bearbeitung des Grades (welche in amerikanischen Ateliers geradezu den Charakter einer „Aufführung“ haben kann – man spricht auch davon „to stage a degree“) beizuwohnen. Der Oberste Rat, welchem nur einige Brüder des 33. Grades angehören, dient administrativen Zwecken. In vielen Ländern gibt es seit 1929 ein sogenanntes Konkordat mit der Großloge von England. Es gibt jedoch Staaten, in welchen der AASR auch die blauen Grade 1 bis 3 bearbeitet. Dies ist beispielsweise in ganz Südamerika der Fall.
Der A.A.S.R. ist das weltweit am weitesten verbreitete Hochgradsystem der Freimaurerei. Wer sich entschließt, im Schottischen Ritus zu arbeiten, muss für Studium und Ritualarbeiten viel Zeit einplanen.
Inhalte
Die Inhalte der einzelnen Grade des A.A.S.R. lenken die Aufmerksamkeit auf gewisse Teilaspekte des freimaurerischen Gedankenguts, wie Demut, Pflichterfüllung und Nächstenliebe. Diese Werte werden durch die reiche Symbolsprache des Systems vermittelt, welche unterschiedlicher Herkunft ist, wie schon die Namen der Grade andeuten. Vor allem Ritterlichkeit spielt eine zentrale Rolle.
Wie auch in den blauen Graden wird Wert auf Zahlensymbolik gelegt. Etwa die sieben Kardinaltugenden oder die sieben Stufen des Lebens. Es soll vermittelt werden, dass man sich philosophischen Wahrheiten nur in Stufen nähern kann und, um sie erkennen zu können, alle unnützen Belastungen ablegen muss.
Der A.A.S.R. vermittelt ethische Werte, indem der Freimaurer lernt, seine Erkenntnisse aus der „profanen“ Welt mit den geistigen Inhalten des Ordens zu verbinden, um das Zusammenleben der Menschen zu verbessern und die Zukunft dahingehend zu gestalten.
Organisation
Für einzelne Länder existieren sog. Oberste Räte, welche die Ateliers in sich vereinigen. Letztere sind in 5 Abteilungen unterteilt:
- Perfektionslogen (4. bis 14. Grad)
- Kapitel (15. bis 18. Grad)
- Areopage (19. bis 30. Grad)
- Konsistorien (31. und 32. Grad, in manchen Staaten existiert für den 31. Grad auch eine eigene Abteilung, „Tribunal“ genannt)
- Oberster Rat (33. Grad)
Geschichte
Der A.A.S.R. wurde 1801 in Charleston, West Virginia (USA), gegründet. Die Legende, er wäre von Friedrich dem Großen ins Leben gerufen worden, lässt sich nicht historisch belegen. 1804 wurde der erste europäische Oberste Rat durch Graf de Grasse-Tilly (Oberster Rat von Frankreich) eingesetzt. In Deutschland, bzw. der damaligen Weimarer Republik wurde der A.A.S.R. durch das Atelier „Labor“ des Obersten Rates von Österreich im Jahre 1930 gestiftet.
Siehe auch
- Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland
- Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln”
- Memphis-Misraim-Ritus
- Swedenborg-Ritus
- Strikte Observanz
Literatur
- Alec Mellor: Logen, Rituale, Hochgrade. Verlag Styria 1967.
- Marcus Meyer, Heinz-Gerd Hofschen: Licht ins Dunkel: Die Freimaurer und Bremen. Edition Temmen 2006.
- Eugen Lennhoff/Oskar Posner: Internationales Freimaurer-Lexikon. Almathea-Verlag München 1980, Reprint von 1932, ISBN 3-85002-038-X