Heiligenverehrung

Heiligenverehrung in Noto (San Corrado)

Die Heiligenverehrung ist die Verehrung einzelner Menschen, von denen man glaubt, dass sie zur Heiligkeit berufenen waren und die ein heiligmäßiges Leben geführt haben bzw. die Kriterien für die Heiligsprechung durch eine Glaubensgemeinschaft erfüllten.

Die Heiligenverehrung findet sich im Christentum in der katholischen Kirche, den Ostkirchen, in der anglikanischen Kirche und in einigen protestantischen Denominationen; darüber hinaus auch im Hinduismus und im Buddhismus, im Islam und im Judentum.

Inhaltsverzeichnis

1 Christentum

1.1 Bibel

Direkte Belege für Heiligenverehrung im heutigen Sinne und Verständnis der Kirche gibt es zwar nicht, jedoch werden einige Schriftstellen als Hinweise oder Ansätze auf Heiligenverehrung herangezogen (vgl. 1 Kor 12, 26; Hebr 13, 7; Offb 6, 9).

1.2 Katholische und orthodoxe Kirchen

Die Heiligenverehrung (lat. veneratio, griech. δουλεία, douleia) ist in der katholischen Kirche und in den orthodoxen Kirchen die feierliche Ehrung einer Person und dadurch die Verehrung Gottes selbst, der die „heilige“ Person (nach seinem Ebenbild) erschaffen, in Gnade angenommen, mit Charismen reich beschenkt und nach Ablauf ihres irdischen Lebens bei sich vollendet hat. Die Verehrung der Gnade Gottes, die in den Heiligen verwirklicht gesehen wird, wird häufig äußerlich in einer Form der respektvollen Verbeugung vor einem Heiligenbild (Ikone) oder einer Reliquie zum Ausdruck gebracht, normalerweise verbunden mit dem Schlagen des Kreuzzeichens; auch ein Kuss der Ikone oder Reliquie oder ein gegenseitiger „Friedenskuss“ kann erfolgen, oder eine andere kulturell angemessene Weise des Zeigens von Ehre und Respekt. Eine Art der Verehrung ist auch die Reliquienprozession. Eine Pflicht zur Heiligenverehrung gibt es in der katholischen Kirche nicht. Die Heiligenverehrung hängt eng mit dem Begriff der „Gemeinschaft der Heiligen“ zusammen, die alle Christen im Apostolischen Glaubensbekenntnis bezeugen

Heilige haben einen Gedenktag im allgemeinen oder regionalen liturgischen Kalender. In der Regel ist das der Todestag („Geburtstag im Himmel“). An diesem Tag wird des oder der Heiligen in den Texten der Heiligen Messe und des Stundengebets gedacht. Die Schriftlesungen sind auf seine/ihre Person und Botschaft bezogen (in der Orthodoxie jedoch nicht, dort werden nur kurze, formelhafte Erinnerungen und Anrufungen, die Troparia und Kontakia, eingefügt). Der vielen unbekannten bzw. unerkannten Heiligen gedenkt die Kirche am Hochfest Allerheiligen.

Auch Orte (Kirchen, Berge, Quellen), Devotionalien und Zeiten (Feiertage, Fasttage) können als „heilig“ betrachtet werden, insofern an ihnen bzw. durch sie Gott Ehre erwiesen wird. Alle christlichen Kirchen, ob sie Heiligenverehrung praktizieren oder nicht, halten daran fest, dass die Anbetung nur Gott allein gebührt.

2 Islam

Siehe dazu Heiligkeit im Islam.

3 Kritik

Die Kritiker der Heiligenverehrung seit Wiklif, Martin Luther oder Johannes Calvin lehnen den Heiligenkult ab, weil sie dadurch den Glauben an die alleinige Heilsmittlerschaft Christi bedroht sehen. Dies kann bis zum Vorwurf der Idolatrie gehen. Gleichwohl bekennt sich die Lutherische Kirche in der Augsburgischen Konfession Artikel 21 (Confessio Augustana) dazu, der Heiligen zu gedenken, was in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche auch gottesdienstlich begangen wird. Denn der Glaube wird gestärkt, so das Augsburger Bekenntnis im 21. Artikel, wenn die Kirche sieht, wie Gott den Heiligen Gnade erwiesen hat. An den guten Werken der Heiligen soll die heutige Kirche sich ein Beispiel nehmen.

Darum finden sich im Luthertum Züge einer Lutherverehrung (z. B. Lutherbilder in Gottesdiensträumen).

4 Siehe auch

Heilige, Heiligsprechung, Marienverehrung, Liste der Seligen und Heiligen, Heiligenkalender, Volksfrömmigkeit, Götzendienst

Ökumenisches Heiligenlexikon
  • Aktuelle Literatur zur Heiligkeit und zur Heiligenverehrung
  • Heiligenverehrung aus katholischer Sicht
  • Heiligenverehrung auf Kathpedia
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