Kathedrale von Aix-en-Provence
Die Kathedrale Saint-Sauveur steht an der Place de l’Université in Aix-en-Provence. Hier befand sich im römischer Zeit das Forum, und der Legende nach wurde die Kirche auf den Grundmauern eines antiken Apollon-Tempels errichtet. Aufgrund vielfältiger Umbauten im Lauf der Zeit versammelt die Kathedrale eine große Zahl unterschiedlicher Baustile. Sie ist 70 Meter lang 46 Meter breit, der Innenraum 20 Meter hoch. Seit 1875 trägt sie den Titel einer päpstlichen Basilica minor. Im selben Jahr wurde das Kulturdenkmal als Monument historique klassifiziert.
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Ursprünge
Die Kathedrale steht an der alten Via Aurelia. Ein Fragment einer römischen Mauer sowie die Säulen im Baptisterium haben die Legende aufkommen lassen, nach der Saint-Sauveur an der Stelle eines alten Apollon geweihten Tempels steht. Der Historiker Pitton (1654) schreibt, dieser Tempel sei einem Sonnengott geweiht gewesen, und stützt sich dabei auf eine hier gefundene Statue. Nach christlicher Überlieferung baute Maximinus von Aix, nachdem er in Begleitung Maria Magdalenas aus Palästina gekommen war, an dieser Stelle eine kleine Kapelle, die er dem Erlöser weihte. Diese Kapelle wurde im 8. oder 9. Jahrhundert während der Invasionen der Sarazenen zerstört.
Architektur der Kathedrale
Die bedeutendste Kirche der Stadt wurde vom 12. bis zum 17. Jahrhundert in verschiedenen Baustilen errichtet. Sie hat keinen Turm, sondern einen Campanile (ab 1323). Man spürt die Nähe zu Italien: Aix-en-Provence ist kunsthistorisch gesehen mediterran und nicht gotisch. An der Fassade sind gotische Ideen aus dem Norden angewandt worden, ohne dass man das ganze Prinzip übernommen hätte.
Das spätgotische Portal besitzt kostbare, aus Nussbaumholz geschnitzte Türflügel, die in der Regel hinter einer Verschalung verborgen sind. Sie wurden von Jean Guiramand von 1508 bis 1510 in spätestem Gotikstil (Flamboyantgotik) geschnitzt und zeigen stellenweise schon Spuren der Renaissance. Die Türflügel sind im unteren Teil mit Figuren von vier alttestamentarischen Propheten und im oberen Teil mit Figuren der zwölf kapitolinischen Sibyllen verziert.
Der älteste Bauteil der Kirche steht heute rechts an das südliche Seitenschiff angelehnt. Es ist ein Baptisterium, das im unteren Teil aus dem ausgehenden 4. Jahrhundert stammt und demnach eines der ältesten nicht-antiken Bauwerke Frankreichs ist. Der Innenraum ist achteckig, der Kernbereich wird auch von acht Säulen (Spolien) umstanden, also von wieder verwendeten Säulen aus römischer Zeit.
Die Zahl Acht hat in der christlichen Mythologie eine symbolische Bedeutung. Acht bedeutet Neuanfang und Auferstehung: Am 8. Tag nach dem Sabbat stand Christus von den Toten auf, acht Tage später erschien er den Jüngern, acht Menschen überlebten in der Arche Noahs. Das Achteck vermittelt außerdem zwischen dem Quadrat als dem Symbol der Materie und dem Kreis als dem Symbol des Geistes; es steht damit zwischen Diesseits und Jenseits entsprechend der Verbindung zwischen Irdischem und Himmlischem.
Sechs der acht Säulen sind aus grünem Marmor, zwei aus Granit. Das Taufbecken, das ebenfalls achteckig war, war in erster Linie für die Erwachsenentaufe gedacht. Das Gewölbe und vor allem der helle Tambour sind wesentlich später und dazugebaut worden, wodurch der frühchristliche Eindruck nachhaltig gestört wird.
Der Innenraum der Kirche bietet nichts Besonderes: schlichte Gotik ohne charakteristische Kennzeichen. Dafür gehört der Kreuzgang des 12. Jahrhunderts neben dem von St-Trophime in Arles zu den bedeutenden der Provence. Er ist flach gedeckt und war es immer. Das hatte den Vorteil, dass damit die baustatischen Probleme des Gewölbeschubes entfielen, mit denen sich die Baumeister sonst herumschlagen mussten. Hier war es demnach nicht nötig wie in Arles, schwere Pfeiler in die Arkadenzone zum Innenhof hin zu setzen, um den Gewölbeschub abzufangen. Hier konnte eine ununterbrochene Folge von zarten Säulen den Hof umstellen.
Kunstwerke
- Le Buisson ardent, Triptychon von Nicolas Froment (15. Jahrhundert). Das Werk stammt aus dem Couvent des Grands-Carmes, das während der Revolution zerstört wurde.
- Transfiguration du Sauveur, von Jean Daret dem Jüngeren.
- La Cène, von Jean Daret dem Älteren.
- L’Incrédulité de saint Thomas, von Finsonius.
- Le Triomphe de la foi.
- La Résurrection de Lazare, von Christophe Veyrier, einem Schüler Pierre Pugets; dieses Werk stammt aus dem Kapelle des Karmeliterklosters
- 17 Wandteppiche des flämischen Malers Quentin Massys.
Der Aygosi-Altar
Der steinerne Altar, ebenfalls aus der Karmeliterkirche stammend, wurde 1823 in Saint-Sauveur installiert. Er stammt ausweislich einer Inschrift auf der linken Seite aus dem Jahr 1470 und ist auf einen lokalen Adligen namens Urbain Aygosi zurückzuführen. Ausführender Bildhauer war Audinet Stéphani, der, aus dem Bistum Cambrai stammend, von 1446 bis 1476 in der Provence arbeitete.
Commons: Cathédrale Saint-Sauveur d’Aix – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Literatur
- La Cathédrale Saint-Sauveur d’Aix-en-Provence, Pierre Coste u.a., Édisud, Aix-en-Provence, 1982, 1988.
- Les Rues d’Aix, Roux-Alphéran, 1846.
- Évocation du vieil Aix-en-Provence, André Bouyala d’Arnaud, éd. de Minuit, 1964.
- Annales de la sainte église d’Aix, J.-S. Pitton, Lyon, 1668.
Fußnoten
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