Kraftwerk Datteln

Kraftwerk Datteln am Dortmund-Ems-Kanal

Das Kraftwerk Datteln ist ein deutsches Steinkohlekraftwerk. Es liegt bei Datteln im Bundesland Nordrhein-Westfalen am Dortmund-Ems-Kanal.

Das Kraftwerk, welches über 2 je 165 Meter hohe Kamine verfügt, hat eine Leistung von 303 Megawatt, verteilt auf drei Kraftwerksblöcke. Es dient zur Erzeugung von einphasigem Bahnstrom sowie Fernwärme. 20 % des deutschen Bahnstromes werden durch das Kraftwerk Datteln gedeckt. 45 % aller Haushalte in Datteln werden durch das Kraftwerk mit Fernwärme versorgt. Der Betreiber des Kraftwerks ist die E.ON Kraftwerke GmbH (EKW).

Inhaltsverzeichnis

Neubau ab 2007

E.On errichtet am Standort Datteln auf der gegenüberliegende Seite des Dortmund-Ems-Kanals seit 2007 ein komplett neues Kraftwerk. Das neue Kraftwerk Datteln 4 wird eine Gesamtleistung von 1100 MW haben, die von einem Kraftwerksblock erzeugt wird. Das neue Kraftwerk, dessen geplante Inbetriebnahme für 2011 vorgesehen ist, wäre damit das leistungsfähigste Steinkohlekraftwerk Europas mit nur einem Kraftwerksblock. Der Kühlturm, der durch eine Reingaseinleitung auch die Abgase des Kraftwerks ableitet, wird mit einer Höhe von 179,3 m einer der weltweit höchsten Naturzugkühltürme sein.

Für das neue Kraftwerk, welches das erste einer neuen Generation von Kraftwerken sein soll, wird ein Wirkungsgrad von über 45 % angestrebt. Geplant ist, das neue Kraftwerk in Datteln als Ersatzanlage für die veralteten Kraftwerke in Datteln (Blöcke 1-3), Gelsenkirchen (Kraftwerk Scholven), Herne (Kraftwerk Shamrock) sowie in Dortmund (Kraftwerk Gustav Knepper), die bis 2015 abgeschaltet werden sollen, einzusetzen. Es wird mit Steinkohle befeuert, welche überwiegend über den Dortmund-Ems-Kanal angeliefert wird. Von den 1065 MW Nettoleistung werden 413 MW Bahnstrom als 16,7 Hz-Strom und 642 MW als 50 Hz für die öffentliche Versorgung bereitgestellt. Darüber hinaus können auf der Basis der Kraftwärmekopplung (KWK) bis zu 380 MW th Fernwärme ausgekoppelt werden, welches den Nutzungsgrad auf über 50 Prozent steigen lässt.

Kritik

Das Neubauprojekt steht in der Kritik von Umweltverbänden, Bürgerinitiativen und Anwohnern. Generell seien Kohlekraftwerke ineffizient und klimaschädlich. Zudem seien neue Kraftwerke keine Ersatzbauten, da nicht in gleichem Umfang Altbauten stillgelegt würden. So komme es insgesamt zu einer Steigerung der jährlichen CO2-Emissionen um 100 Mio. Tonnen.[1]

Das Projekt sei zudem rechtswidrig, da es in unzulässiger Weise in unterschiedliche Planungsverfahren aufgespalten worden sei. So werde eine sachgerechte umfängliche Umweltverträglichkeitsprüfung vermieden und die Beteiligung der Öffentlichkeit wesentlich erschwert. Auch seien die Belange des Klimaschutzes nicht ausreichend betrachtet worden. Zum anderen missachteten die im wasserrechtlichen Bescheid behandelten Hafenanlagen und die Verlegung eines Baches die Vorgaben des Naturschutzrechts und die Belange des Biotop- und des Artenschutzes.[2]

Hingegen weist die E.ON-Kraftwerke GmbH als Bauherr darauf hin, dass der Neubau mit einem Wirkungsgrad von über 45 Prozent neue Standards hinsichtlich Energieeffizienz und Klimaschutz setze. Die Umweltbilanz der Region werde sich um mehr als 20 Prozent verbessern, die natürlichen Ressourcen würden geschont und der CO2-Ausstoß deutlich gemindert.[3]

Ein gegen den Bebauungsplan für das Kraftwerk gerichteter Normenkontrollantrag eines benachbarten Landwirtes hatte vor dem Oberverwaltungsgericht Münster Erfolg. Mit Urteil vom 3. September 2009 entschied das Gericht, dass die Planung am vorgesehenen Standort gegen Ziele der Landesplanung verstoße. Auch seien Vorgaben zur ressourcen- und klimaschützenden Energienutzung nicht hinreichend berücksichtigt worden. Die Stadt Datteln habe ferner das Gefährdungspotential des Kraftwerks und den Schutz der Bevölkerung im Falle eines nicht auszuschließenden Störfalls in der Abwägung nicht ausreichend beachtet. Den Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes sei ebenfalls nicht ausreichend Rechnung getragen worden. Fraglich sei außerdem, ob die Auswirkungen des ca. 180 m hohen – auch die Abgase ableitenden – Kühlturmes auf die benachbarte Wohnbevölkerung und das Landschaftsbild sowie die zu erwartenden Luft- und Lärmimmissionen ausreichend ermittelt und abgewogen worden seien. Der Bebauungsplan wurde daher vom Gericht aufgehoben.[4] Die Bezirksregierung Münster erließ darauf hin am 14. September 2009 einen vorläufigen Teilbaustopp für das Projekt[5], der vom OVG Münster bestätigt und in einigen Punkten noch verschärft wurde.[6]

Siehe auch

Quellen

  1. Webseite des BUND [1]
  2. http://www.bund-nrw.de/themen_und_projekte/energie_klima/kohlekraftwerke/kraftwerksplanungen_nrw/datteln/
  3. http://www.kraftwerk-datteln.com/pages/ekw_de/Neubau/Bauvorhaben/index.htm
  4. http://www.ovg.nrw.de/presse/pressemitteilungen/29_090903/index.php
  5. Wilfried Goebels: Teil-Baustopp für Kohlekraftwerk, Westfalenpost, Artikel vom 16. September 2009, zuletzt abgerufen am 24. September 2009
  6. WDR.de: Baustopp für Kraftwerk Datteln verschärft, Artikel vom 24. September 2009, zuletzt abgerufen am 24. September 2009

 Commons: Kraftwerk Datteln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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