Lebensstandard
Der Lebensstandard beschreibt den materiellen Wohlstand von Personen, normalerweise im Verhältnis zu Vergleichspersonen.
Nach Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat jeder Mensch ein Recht auf „einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet“. Dabei sind Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen ausdrücklich eingeschlossen.
Inhaltsverzeichnis |
Erhalt des Lebensstandards
In Deutschland orientierte sich die soziale Absicherung (insbesondere Arbeitslosengeld, Hinterbliebenenrente, Unterhalt), am Erhalt des Lebensstandards. Von diesem Prinzip ist bei Langzeitarbeitslosigkeit (Orientierung des Arbeitslosengelds II am Existenzminimum statt am früheren Erwerbseinkommen) und bei Scheidung (Gesetz zur Reform des Unterhaltsrechts) abgerückt worden.
Indikatoren
Der Lebensstandard wird in der Volkswirtschaft mit Indikatoren gemessen. Hierbei werden je nach Methode wirtschaftliche und soziale Indikatoren berücksichtigt. Oft als Maßstab genommen werden:
- das Bruttonationaleinkommen (früher Bruttosozialprodukt),
- das Pro-Kopf-Einkommen und andere vergleichbare Indikatoren aus der Wirtschaftswissenschaft.
Seltener findet man:
- Big-Mac-Index: Big-Mäc-Preis im Land
- Human Development Index: Eine Möglichkeit, mehr als das Bruttonationaleinkommen in den Lebensstandard miteinzubeziehen und dennoch mess- und vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, ist der Human Development Index der UNO. Dieser enthält auch Daten zur Lebenserwartung, Alphabetisierungsrate und Bildung.
- Die Schweizerische Bankgesellschaft (UBS) misst die durchschnittliche Arbeitszeit für einen Big-Mäc mit Pommes frites. Die Messung in Arbeitszeit (real) statt in Geld (nominal) hat den Vorteil, valider abzubilden.
Auf individueller Ebene gelten normalerweise Güter wie z. B. ein modernes Auto, schöne Kleidung oder ein komfortabler Platz zum Wohnen als Ausdruck des Lebensstandards (Lebensstil).
Kritik
Kritiker einer am Wirtschaftswachstum orientierten Gesellschaft argumentieren für einen Wandel vom Begriff Lebensstandard zum Begriff Lebensqualität. Aus ihrer Sicht führt Wirtschaftswachstum zu Problemen wie Ressourcenkonflikten, militärischen Expansionsbestrebungen und Umweltverschmutzung. Sie bevorzugen daher Definitionen, die vom Wirtschaftswachstum unabhängig sind, wie z. B. das Vorhandensein von sozialen Einrichtungen, der Zugang zu Bildung, eine naturbelassene Umwelt, eine ausgefüllte Freizeit usw.
Einige der Kriterien, die Vertreter dieser Position heranziehen, sind qualitativer und nicht quantitativer Art. Daher ist dieser Position die mangelnde Messbarkeit der Ergebnisse vorgehalten worden. Der Streit, ob die Abkehr vom Wirtschaftswachstum als Maß des Lebensstandards zu einer Beschränkung der individuellen Freiheit und zum Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit führt, ist unentschieden.
Siehe auch
Literatur
- Hans-Jürgen Andreß und Gero Lipsmeier: Was gehört zum notwendigen Lebensstandard und wer kann ihn sich leisten? in: Aus Politik und Zeitgeschichte B31-32/95, 1995, S. 35-49
- Hans-Jürgen Andreß, Anne Krüger, Bronia Katharina Sedlacek: Armut und Lebensstandard. Zur Entwicklung des notwendigen Lebensstandards der Bevölkerung 1996 bis 2003, Köln 2004
- Petra Böhnke und Jan Delhey: Lebensstandard und Armut im vereinten Deutschland, Berlin 1999
- David Piachaud: Wie misst man Armut?, in: Stephan Leibfried und Wolfgang Voges (Hrsg.): Armut im modernen Wohlfahrtsstaat, Westdeutscher Verlag, Opladen 1992, 70-72
Bigmäc, Brot und Reis in Arbeitszeit (S.7)
unter GFDL. Hier können Sie den Original-Artikel zu Lebensstandard , die Versionsgeschichte
und die Liste der Autoren einsehen.