Maskat
Maskat (arabisch مسقط, DMG Masqaṭ; aus dem Englischen stammende Alternativschreibweise: Muscat) ist die Hauptstadt des Omans. Der Name bedeutet Ort des Fallens, gemeint als Ankerplatz oder wegen der steil abfallenden Berge. In der Stadt und ihren Vororten Matrah, Ruwi, Qurum, Sib leben etwa 880.200 Menschen (2005), in der gesamten Hauptstadtregion sind es ca. 1,3 Millionen (60 % der Gesamtbevölkerung), die wenigsten davon in der eigentlichen Stadt Maskat (ca. 30.000).
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Geographie
Die Stadt liegt an der Küste im Nordosten des Landes am Golf von Oman, an einer von Felswänden eingeschlossenen Bucht. Hier reicht das Hadschar-Gebirge bis ans Meer heran und erlaubt nur kleine, aber geschützte Siedlungen, die durch Gebirgspässe miteinander verbunden sind. Aus praktischen Gründen hat sich die Hauptstadt in den letzten Jahrzehnten vor allem in den südlichen Bereich der Küstenebene Batinah ausgebreitet, wo mehr Platz für weitläufige Wohnviertel, breite, begrünte Straßen, moderne Shopping- und Firmenkomplexe oder eben auch den Internationalen Flughafen Seeb Muscat ist. Auf diese Weise entstand die sogenannte Metropolitan Area, eine ausgedehnte urbane Zone bestehend aus verschiedenen mehr oder weniger großen Ortschaften, die zusammengewachsen sind.
Die Metropolitan Area ist die Aorta des Landes, in der sich Wirtschafts- und Finanzkraft wie auch die Bevölkerung konzentrieren. Immerhin leben gut 60% der omanischen Bevölkerung hier, was mittlerweile mehr als 1,3 Millionen Menschen entspricht. Ungefähr die Hälfte davon sind allerdings Ausländer (v.a. Pakistanis, Inder, Filipinos und Iraner), die sich als Gastarbeiter ihren Lebensunterhalt verdingen. Die ausländischen Gastarbeiter ermöglichen hier (wie in anderen Teilen des Landes übrigens auch) eine unglaubliche Bautätigkeit. Dass das nicht immer ohne Ausbeutung geht, versteht sich von selbst. Quasi über Nacht wurden hypermoderne Shoppingmalls und Hotels aus dem Boden gestampft. Ebenso entstehen neue Wohnviertel am Reißbrett und schießen Firmengebäude wie Pilze aus dem Boden. Dazu werden großzügige, mehrspurige Verbindungsstraßen angelegt, mit riesigen, kunstvoll gestalteten Kreisverkehren und - trotz des chronischen Wassermangels - begrünten und mit Strauchwerk und Palmen bepflanzten Streifen zu beiden Seiten der Fahrbahn.
Das alte Zentrum der Hauptstadt, Alt-Maskat, das am südlichen Ende der Metropolitan Area liegt, geht immer mehr in den geschäftigen Vororten unter. In Alt-Maskat leben nur ca. 30000 Menschen, und obwohl hier der prunkvolle und sehr futuristisch anmutende Palast von Sultan Qabus ibn Said thront, umgeben von wichtigen, brandneuen Regierungsgebäuden und Ämtern, haben das Finanzviertel Ruwi, die Geschäftszentrale Matrah oder auch das Infrastrukturzentrum Sib der eigentlichen Hauptstadt bereits den Rang abgelaufen. Dabei liegt der alte Kern malerisch und behütet an einer kleinen Bucht mit einem natürlichen Hafen (den heute z.T. das Sultanspalastareal für sich beansprucht), flankiert von den beiden Forts Dschalali und Mirani, die noch aus der Portugiesenzeit (1507-1650) stammen.
Klima
Das Klima von Maskat ist semiarid-tropisch, d.h. es ist ganzjährig warm bis heiß mit kaum Niederschlag (durchschnittlich 8 Regentage im Jahr), aber hoher Luftfeuchte (beständig zwischen 60 und 80%). Die Winter sind hier mit 19−26 °C so warm wie die mitteleuropäischen Sommer. Dies ist auch die einzige Zeit des Jahres, zu der es kurze aber heftige Niederschläge geben kann. Ab April sind die Temperaturen in der Stadt sehr hoch und werden durch die Luftfeuchte oft unerträglich.
Die heißeste Zeit des Jahres erstreckt sich von Mai bis Oktober, wenn Spitzentemperaturen von bis zu 46 °C erreicht werden und das Thermometer in der Nacht oft nicht unter 30 °C fällt. Kombiniert mit der hohen Feuchtigkeit in der Luft, die sich vor allem im Juli, August und September durch Ausläufer des südostasiatischen Monsuns bemerkbar macht und z.T. Küstennebel verursacht, ergibt das häufig gefühlte Temperaturen von über 50 °C. Aufgrund seiner eingekesselten Lage ist Alt-Maskat für hohe Nachtwerte prädestiniert, da die Luft nicht zirkuliert und sich wie ein heißer Schleier über die Stadt legt. Gelegentlich werden bis zu 36 °C in der Nacht gemessen. Ein weiteres meteorologisches Phänomen ist, dass die heißesten Stunden des Tages oft nicht wie üblich um die Mittagszeit und am frühen Nachmittag herrschen, sondern oft am Morgen und Vormittag. Das heißt, es kommt nicht selten vor, dass bereits um 8 oder 9 Uhr früh 40 °C gemessen werden, das Thermometer ab Mittag jedoch bei 36 °C bleibt.
Wirtschaft
Obwohl es andere wichtige wirtschaftliche Standorte gibt - z.B. die Batina-Ebene für die Landwirtschaft oder das multifunktionale Salalah im äußersten Süden - schlägt in der Region um Maskat das ökonomische Herz des Landes. Erhebliche Bedeutung kommt hier dem Hafen Mina Sultan Qabus im Stadtteil Matrah für den Export des Erdöls zu, das seit 1967 aus dem gesamten Hinterland in Pipelines über hunderte und tausende von Kilometern bis hierher befördert und anschließend verschifft wird, da sich hier die einzige Raffinerie und Erdölverladestation des Sultanats befindet. Das „schwarze Gold“ ist die tragende Säule der omanischen Wirtschaft und macht mehr als 50% der gesamten Staatseinnahmen aus. Obwohl der gewaltige Überschuss an Petrodollars relativ gerecht im ganzen Land verteilt wird, ist ihr Einfluss in der Hauptstadtregion am deutlichsten sicht- und spürbar.
Außerdem konzentrieren sich in der Hauptstadtregion die großen Industriebetriebe des Landes, die auf Aluminiumverarbeitung sowie Petrochemie- und Düngemittelherstellung spezialisiert sind. In der Nähe gibt es mehrere bedeutende landwirtschaftliche Betriebe und auch Kraftwerke sowie Meerentsalzungsanlagen. Der private Konsum, der enorm gesteigert werden konnte und sich im großen Souq von Matrah, aber vermehrt natürlich in den modernen Shoppingmalls abspielt, tut ein übriges. Maskat ist auch Sitz der wichtigsten Bank im Oman, der BankMuscat.
Ein wichtiges Kapitel in Maskats Wirtschaft ist der Flughafen Maskat, der etwa 30 km von Alt Maskat entfernt in Sib liegt und derzeit aufwändig erweitert wird. Das ehrgeizige Ziel ist, die Zahl der Flugpassagiere die ankommen oder umsteigen (v.a. auf dem Weg nach Asien und Afrika als Alternative zu Dubai oder Doha) von ca. 4 Millionen (2008) auf 12 Millionen (2011) und in fernerer Zukunft auf 48 Millionen zu steigern. In direktem Zusammenhang mit dem Flughafen steht der Tourismus, der sich auf den Norden des Sultanats konzentriert und von Maskat ausgeht. Die Tourismusbranche soll sanft ausgebaut werden, wobei Individualtourismus, Exklusivität und Komfort eindeutig der Vorrang vor Massentourismus eingeräumt wird.
Offensichtlich rüstet sich die Stadt (und mit ihr das ganze Land) für die Zeit nach dem Erdöl, in dem sie sich auf neue Wirtschaftszweige verlegt. Ohne deutliche Erhöhung der Fördermenge sollten die auf fünf Milliarden Barrel geschätzten Ölvorräte noch bis zum Jahr 2020 reichen. Bis dahin hofft man vom Öl unabhängig geworden zu sein und 80% des Bruttoinlandsproduktes u.a. über die Domänen Infrastruktur, Finanzen, Investment und Tourismus zu erwirtschaften. Einen Löwenanteil wird aber auch in Zukunft ein Rohstoff sein: Erdgas, dessen Vorkommen im Oman unbegrenzt scheinen (mehr als 22 Trillionen Kubikfuß, unerschlossene Lagerstätten nicht berücksichtigt) und dessen Export sich wohl nur über Maskat abwickeln lassen wird.
Geschichte
Maskat kann auf eine lange und bewegte, aber nicht immer bedeutende Geschichte zurückblicken. Bereits im zweiten Jahrtausend vor Christus gab es im Bereich des heutigen Maskat Niederlassungen des Magan Reiches, das durch den Handel mit Kupfer aus dem nördlichen Hadschar-Gebirge und Perlen, die aus dem Golf von Oman und dem Persischen Golf getaucht wurden, reich geworden war. Diese Zeit der Blüte ging um 500 v. Chr. mit dem Einfall der Perser unter Kyros II zu Ende. Für die nächsten tausend Jahre sollte die Küste des Nordoman unter der Herrschaft persischer Dynastien wie der Achämeniden, Parther und Sassaniden stehen.
Mit der Ankunft des Islam im Oman im Jahr 630 ging die Vertreibung der persischen Besatzer einher, was eine Epoche relativer Eigenständigkeit einleitete die, mit kurzen Unterbrechungen vom 7. bis ins 16. Jahrhundert andauern sollte. In dieser Zeit entwickelten sich viele omanische Küstenstädte zu bedeutenden Handelsplätzen. So erlangten das nördlich von Maskat gelegene Suhar, und Qalhat im Süden Reichtum und Einfluss durch den Seehandel mit China, Indien und Ostafrika. Die heutige Hauptstadt hinkte allerdings etwas hinterher und blieb eher ein Fischerdorf als ein Hafen für Überseehandel. Dennoch hielt die Weltoffenheit, die die Handelsbeziehungen in die Ferne unweigerlich mit sich brachten, auch in Maskat Einzug.
Die Bedeutung der omanischen Küstenzentren für die einheimische Wirtschaft nahm jedoch ein jähes Ende als die portugiesischen Seefahrer im Golf von Oman aufkreuzten und die Küste attackierten und einnahmen. 1507 fiel Maskat in ihre Hände und wurde teilweise zerstört, ebenso Suhar und Qalhat, das besonders schlimm getroffen wurde. Für Europa wurde die omanische Küste nun interessant, die Omaner selbst zogen sich mit ihrem Sultan vermehrt in die Berge zurück, weshalb sich das politische, wirtschaftliche und soziale Gewicht des Sultanats ins Hinterland verlagerte. Das sollte der Maskat und der Küste insgesamt für die nächsten hundert Jahre ihre Bedeutung nehmen. Stattdessen blühten in der Hadschar-Region Städte wie Nizwa, Bahla, Dschabrin oder Rustaq neu auf.
1650 gelang es Sultan ibn Saif, die Portugiesen aus Maskat und anderen Orten an der Küste zu vertreiben und die alten Handelshäfen wieder ein bisschen für Oman zu beleben. Allerdings folgten bald persische Invasionen, die den Küstenstädten das Leben erneut schwer machten. 1779 fällte Hamad ibn Said eine für Maskat wichtige Entscheidung: er verlegte die Hauptstadt von Rustaq dorthin. Nach seinem Tod 1792 gab es wieder Umschichtungen, aber ab 1808 konnte sich Maskat als Regierungssitz behaupten, wurde zu einem wichtigen Seehafen ausgebaut und gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit einer 4,5 Meter hohen Mauer und Forts befestigt. Dessen ungeachtet blieb seine Vormachtstellung nicht unangefochten, denn unter Hamad bin Said waren 1784 politische Querelen ausgebrochen, die in der Spaltung des Landes in ein Sultanat an der Küste und ein Imamat im Hinterland resultierten. Somit unterstand Maskat nur ein Teil Omans. Auch im 20. Jahrhundert konnte es seine Position nicht gänzlich verteidigen, da zwar nach einer Art Bürgerkrieg 1959 das Imamat beendet wurde, aber der konservative Sultan Said ibn Taimur es vorzog, von Salala im Süden aus zu regieren. Erst mit dem Regierungsantritt seines Sohnes Sultan Qabus 1971 wurde Maskat zur unumschränkten Hauptstadt.
Maskat in der Moderne
Seit 1970 der junge Qabus seinen Vater friedlich entmachtet und in Salala unter Hausarrest gestellt hatte, begann er vorsichtig, aber unermüdlich das Land in die Moderne zu führen. Dies wird als Beginn der sogenannten omanischen Renaissance bezeichnet, im Zuge derer auch die Hauptstadt stark ausgebaut und weiterentwickelt wurde. So ist sie heute das unangefochtene wirtschaftliche, finanzielle und politische Zentrum des Landes.
Heute ist der Großraum eine moderne, pulsierende und saubere Großstadt. Hier befinden sich moderne Krankenhäuser, viele weiterführende Schulen, ein großer Hafen (Mina Sultan Qabus), der internationale Flughafen in Sib, ein Rundfunk- und Fernsehsender sowie die Börse (Muscat Security Market). Hier leben auch mit Abstand die meisten Einwohner des Landes (ca. 60%).
Von der ehemaligen Stadtbefestigung ist ein Festungsgraben (arab. al-Husn) erhalten. Daneben sind die vier Stadttore erhalten: al-Bab al-Kabir (das „Große Tor“), Bab al-Matha’ib, al-Bab as-Saghir (das „Kleine Tor“) und Bab al-Waldschat. Darüber hinaus bemüht man sich sehr, alte Kaufmannshäuser zu restaurieren, und es wird viel Geld in die Entwicklung von Museen nach neuesten Gesichtspunkten investiert, die das kulturelle Erbe Omans hüten.
Ausflugsziele
Maskat hat eine Reihe schöner Strände vorzuweisen: Qurum Beach, Bandar al-Dschissa und Yati. Beliebte öffentliche Grünflächen sind der Qurum-Naturpark, Riyam und Kalbuh.
Sehenswürdigkeiten sind die Sultan-Qabus-Moschee, der Suq von Matrah, die Burgen von al-Dschalali und al-Mirani, die den Al-Alam-Sultanspalast flankieren. Weiterhin sind das Burdsch as-Sahwa, der Clock Tower Square und das nahegelegene Al-Bustan Palace Hotel zu nennen, das zu den elegantesten Hotels der arabischen Halbinsel zählt.
Jedes Jahr zieht das Muscat Festival zahlreiche Besucher an.
Galerie
Universitäre Einrichtungen
Mascat verfügt als Hauptstadt über eine beachtliche Anzahl an universitären Einrichtungen (insgesamt 14):
- die staatliche Sultan-Qaboos-Universität (SQU)
- das staatliche Muscat College (The Higher College of Technology)
- das staatliche College of Banking & Financial Studies im Stadtteil Ruwi
- das private Muscat College
- das private Fire Safety Engineering College am Flughafen Sib
- das private Al-Zahra College for Women im Madinat al-Ilam
- die private Oman Tourism & Hospitality Academy in der Nähe des Flughafens Sib
- das private Waljat Colleges of Applied Sciences in der sog. Knowledge Oasis unweit Maskats in der Nähe der Sultan-Qabus-Universität (SQU)
- das halbstaatliche International Maritime College Oman in Sib, das jedoch nach Suhar verlegt werden soll
- das private Middle East College of Information Technology in der sog. Knowledge Oasis unweit Maskats in der Nähe der Sultan-Qabus-Universität (SQU)
- das private Scientific College of Design in Madinat al-Qurm
- das private Mazoon College for Management and Applied Sciences
- das private Majan College im Stadtteil Ruwi
- das private Caledonian College of Engineering in Madinat South al-Hail
Persönlichkeiten
Hier geboren
- Isla Lang Fisher, australische Schauspielerin und Autorin
Literatur
- Fred Scholz, Muscat - Sultanat Oman: Geographische Skizze einer einmaligen Stadt, Berlin: Das Arabische Buch, 1990, Bd. 1: Text, Abbildungen, Fotos; Bd. 2: Tafeln
- Michael Teupel, Oman - Muscat, ISBN 978-3-8334-7948-9
- Michael Teupel, Oman - Das Sultanat, ISBN 978-3-937274-26-3
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