Otto II. HRR

Die wohl von Johannes Philagathos gestiftete Elfenbeintafel betont die Gleichrangigkeit zwischen Otto und Theophanu. Sie tragen griechische Gewänder und empfangen ihre Kronen aus den Händen Christi. Erstmals im Abendland werden hier Kaiser und Kaiserin gleich groß dargestellt. Allerdings steht Theophanu auf der weniger vornehmen linken Seite des Heilands.

Otto II. (* 955; † 7. Dezember 983 in Rom) aus dem Geschlecht der Liudolfinger war Herzog von Sachsen und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches von 973 bis 983.

Bereits in jungen Jahren wurde Otto 961 Mitkönig und 967 zum Mitkaiser gekrönt und von seinem Vater Otto dem Großen als Nachfolger herausgestellt. Nach 37-jähriger Herrschaft seines Vaters trat der erst 18-jährige Otto als einziger Herrscher in nachkarolingischer Zeit die Nachfolge als Kaiser an. Während seiner Herrschaft betrieb er eine sukzessive Neuordnung im Süden des Reichs. Durch Ausschluss der bayerischen Linie der Luidolfinger von der Königsherrschaft stärkte er die Königsgewalt und sicherte seiner Dynastie den Nachfolgeanspruch. In der Italienpolitik strebte er die uneingeschränkte Herrschaft über Italien an, wodurch er in Konflikt mit den Sarazenen und Byzanz in Süditalien geriet. Ottos Feldzug gegen die Sarazenen endete 982 in einer katastrophalen Niederlage, wenig später folgte mit dem Slawenaufstand von 983 ein herber Rückschlag in der Christianisierung der Slawen. Der plötzliche Tod des Kaisers mit 28 Jahren in Italien und die daraus resultierende Krise des Reiches prägten in der Nachwelt das Bild eines glücklosen Herrschers. Otto II. wurde als einziger deutscher Herrscher in Rom beigesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Leben bis zum Herrschaftsantritt

Heiratsurkunde Ottos und Theophanus. Mit dieser Urkunde hat Otto seiner Gemahlin umfangreiche Ländereien im Reich und in Italien als Morgengabe zugewiesen. Die Urkunde ist in einer Prunkausfertigung überliefert, bei der der Text in Goldschrift auf einem mit Tierornamenten gemusterten, purpurfarbenen Grund steht.

Herkunft und Jugend

Otto II. war der Sohn des ostfränkischen Königs Ottos I. und dessen zweiter Gattin Adelheid von Burgund. Durch Wilhelm von Mainz, Bischof Volcold von Meißen und Ekkehard II. von St. Gallen erhielt er eine umfassende literarisch-geistige Bildung. Markgraf Hodo unterwies ihn im Kriegshandwerk und in Rechtsgewohnheiten. Bereits als Siebenjähriger wurde er auf dem Hoftag zu Worms im Mai 961 von seinem Vater bei der Vorbereitung eines Zuges nach Italien zum Mitkönig gewählt und in Aachen auch gekrönt. Otto I. verstieß damit gegen das Gewohnheitsrecht, denn bis dahin war es im sächsischen Haus üblich gewesen, das Erreichen der Volljährigkeit abzuwarten, bevor man an weitere Schritte dachte. Die Gründe für diese Entscheidung sind nicht überliefert, doch dürften sie mit der risikoreichen Heerfahrt Ottos I. nach Italien zusammenhängen.[1] Da Adelheids erster Gemahl Lothar 931 von seinem Vater in demselben Alter zum Mitkönig gemacht worden war, ist hinter dieser Entscheidung auch ihr Einfluss zu vermuten.[2] Otto II. wurde nach Aachen geleitet, wo ihm die Lothringer huldigten, und von den rheinischen Erzbischöfen Brun von Köln, Wilhelm von Mainz und Heinrich von Trier zum König gesalbt. Die beiden Erzbischöfe Brun und Wilhelm wurden zu Stellvertretern des Reiches ernannt, mit denen der junge Otto II. nördlich der Alpen verblieb. Nach dreieinhalbjähriger Abwesenheit kehrte Ottos Vater Anfang 965 als Kaiser und König von Italien in sein angestammtes Reich zurück. Um der Hoffnung auf dynastische Kontinuität Ausdruck zu verleihen, wurde am 2. Februar 965 in Worms, der Stätte der Königswahl Ottos II, der Jahrestag der Kaiserkrönung gefeiert.

Thronfolger und Mitregent

Doch die Verhältnisse in Italien blieben unsicher. Der kaisertreue Papst Johannes XII. konnte sich gegenüber dem stadtrömischen Adelsgeschlecht der Crescentier nicht behaupten. Er wurde gefangengenommen, konnte jedoch fliehen und rief den Kaiser um Hilfe an. Nur anderthalb Jahre nach seiner Rückkehr zog Otto I. erneut nach Italien. Annäherend elfjährig blieb Otto seit Ende August 966 wieder auf sich selbst gestellt. Nach dem Tod Bruns verblieb der ältere Stiefbruder Wilhelm als alleiniger Regent. Mit der Kaiserkrönung musste Otto der Große auch sein Verhältnis zum älteren oströmischen Kaisertum Byzanz klären. Über die Auseinandersetzung mit dem Kaisertitel galt es für Byzanz die staatsrechtliche Situation und die Herrschaftsteilung zwischen den beiden Reichen zu regeln. In Italien übte Byzanz die Herrschaft nur über die südlichste Spitze aus. Die Oberhoheit über die beiden Herzogtümer Capua und Benevent war seit langem strittig. Ein Ehebündnis zwischen den beiden Mächten sollte sowohl das Zweikaiserproblem lösen, als auch die Regelung des Herrschaftsbereichs in Italien im Rahmen eines Freundschaftsbündnisses, bei dem keine der Parteien einen Prestigeverlust hinnehmen musste. In Ottos I. politischen Denken bildete die Kaiserkrönung seines Sohnes eine wichtige Voraussetzung für die angestrebte Ehe mit einer purpurgeborenen byzantinischen Kaisertochter. Otto versprach sich von der Eheverbindung mit der ruhmreichen makedonischen Dynastie offensichtlich Legitimation und Glanz für seinen Sohn und sein Haus. Um seine dynastischen Pläne zu fördern, forderte Otto in einem gemeinsam mit dem Papst verfassten Schreiben seinen Sohn auf, im Herbst 967 nach Rom zu reisen, um mit ihnen Weihnachten zu feiern. Über die Vorkehrungen, die für die Dauer der Abwesenheit getroffen wurden, ist nichts bekannt. Die Abberufung nach Italien verhinderte allerdings die Entstehung einer auf auf ihn zugeschnittenen Klientel im sächsischen Adel. Durch den Weggang Ottos II. nach Italien und den Tod Wilhelms von Mainz im März 968 und der Königin Mathilde wurde in Sachsen ein Machtvakuum geschaffen und es setzte ein Wandel der Herrschaftskonzeption ein: Erstmals seit 919 wurde die königliche Präsenz in Sachsen für einen längeren Zeitraum unterbrochen.[3]

Otto trat von Augsburg aus den Zug über den Brenner an. Im Oktober 967 trafen sich Vater und Sohn in Verona zusammen und zogen gemeinsam über Ravenna nach Rom. Am 25. Dezember 967 wurde Otto II. in Rom zum Mitkaiser gekrönt. Damit war die Weitergabe des von Ottos I. geschaffenen Imperiums und der Kaiserkrone an seinen Nachfolger gesichert. Die Verhandlungen für die Vermählung Ottos II. mit einer byzantinischen Prinzessin begannen 967, doch erst 972 ist es zu einem Heirats- und Friedensabkommen gekommen. Die einzige im Purpur geborene Braut, die für den 955 geborenen Otto II. aus Altergründen in Frage kam, war Anna, die Tochter des Kaisers Romanos’ II.. Doch fiel die Wahl des Kaisers Johannes Tzimiskes auf seine Nichte Theophanu, die nur eine angeheiratete Nichte eines Soldatenkaisers war. Am 14. April 972 wurde die nicht im purpurgeborene Theophanu mit Otto II. vermählt und zur Kaiserin gekrönt. Die Vermählung Ottos mit Theophanu bedeutete die Anerkennung des westlichen Kaisertums durch Byzanz. Dadurch entspannte sich auch die Situation in den südlichen Teilen Italiens, ohne das über eine konkrete Neuordnung der dortigen Verhältnisse etwas bekannt ist. Mit einer Prunkurkunde wies der Mitkaiser seiner Gemahlin die Grafschaften Istrien und Pescara, Walcheren und Wichelen mit der reichen Abtei Nivelles samt 14 000 Hufen, die Königshofe Boppard am Rhein, Tiel am Waal, Herford, Tilleda und Nordhausen in Sachsen als Mitgift zu.

Doch auch nach der Kaiserkrönung blieb Otto im Schatten seines übermächtigen Vaters. Ihm wurde administratives Handeln in eigener Verantwortung verwehrt. Anders als dessen früher Sohn Liudolf, der 950 das Herzogtum Schwaben erhielt, wurde Otto II. von seinem Vater nach dem Eintritt in die Mündigkeit kein abgegrenzter Bereich eigener Zuständigkeit überlassen. Nach der Kaiserkrönung blieb Otto II. auf den nordalpinen Teil beschränkt. Die von Otto II. benutzten Kaisersiegel bis zum Jahre 973 fielen schon in den äußeren Proportionen äußerlich kleiner aus als diejenigen des Vaters. Der junge Kaiser erhielt keine eigene Kanzlei und auch die inhaltliche Reichweite seiner wenigen Königsurkunden blieb gering. Im August 972 kehrte Otto II. nach fünf Jahren Abwesenheit mit seinen Eltern in die Heimat zurück. In den folgenden neun Monaten, in denen der Vater noch lebte, sind sechzehn Privilegien von Otto I. aber nur vier von Otto II. überliefert.[4] In den ersten beiden Urkunden tritt der Sohn mit der Intitulatio coimperator augustus auf, wodurch man beide Kaiser zumindest titelmäßig auf eine Stufe stellte. Doch wurde dieser Titel in den folgenden Urkunden wieder fallengelassen.

Der Kaiser Otto II.

Herrschaftsantritt

Als Otto der Große am 7. Mai 973 starb, waren die Weichen für eine reibungslose Nachfolge schon lange gestellt. Otto II. war seit zwölf Jahren König und seit mehr als fünf Jahren Kaiser. Einen Bruder, der ihm die Herrschaft wie noch bei seinem Vater geschehen hätte streitig machen können, gab es nicht. Am Morgen des 8. Mai wurde er von den anwesenden Großen gehuldigt. Widukind parallelisiert diese „Wahl zum Oberhaupt“ mit dem Herrschaftsantritt seines Vaters 936 in Aachen. Als eine seiner ersten Handlungen bestätigte Otto am 3. und 4. Juni die Besitzungen und Rechte des Erzbistums Magdeburg. In den ersten drei Monaten seiner Herrschaft traf Otto mit den Erzbischöfen des Reiches, den Herzögen und vielen Bischöfen zusammen. Otto besuchte die Zentralorte des Königtums in Sachsen, Franken und Niederlothringen. Über Werla und Fritzlar zog er nach Worms, wo der erste große Hoftag einberufen wurde. In Worms begrüßten ihn die Erzbischöfe Dietrich von Trier, Adalbert von Magdeburg, Friedrich von Salzburg, die Bischöfe Dietrich von Metz, Wolfgang von Regensburg, Abraham von Freising und Pilgrim von Passau. Einen Monat später fand in Aachen am Ort der Königskrönung ein weiterer Hoftag statt. In Magdeburg feierte er das Fest des heiligen Laurentius.

Aufstand im Reich

Doch auch wenn der Herrschaftsübergang äußerlich reibungslos ablief, musste über die zukünftige Verteilung von Macht neu entschieden werden. Die Probleme aus den Jahren 963 bis 972 waren beim Tod seines Vaters nicht gelöst. In der sächsischen Adelslandschaft bestanden die Widerstände gegen die Gründungen der Bistümer an der Ostgrenze unter Otto den Großen fort. Viele Details wie die genaue Grenzziehung bis zur Ausstattung der Bistümer blieben Otto II. und seinen Helfern überlassen. Die Vermählung mit einer byzantinischen Prinzessin erwies sich nun als Nachteil, denn sie veränderte nicht die Königsnähe der einflussreichen sächsischen Famlien. Möglicherweise stieß die Gemahlin Ottos in Sachsen auch auf größere Ablehnung.[5] Unter seinen Beratern besaß nur Bischof Dietrich von Metz aus der älteren Generation eine herausragende Stellung. Bei seinen anderen Beratern handelte es sich meist um Personen, die nicht unbedingt Rückhalt in einer mächtigen Verwandtschaft besaßen. Willigis war, obwohl er nicht aus einer angeseheneren Familie entstammte, bereits mit dem jungen Mitkaiser in Italien gewesen und war seit 971 Erzkanzler und wurde 975 von Otto II. zum Erzbischof von Mainz erhoben. Auch Hildebald, der seit 977 die Leitung der Kanzlei erhielt, und 979 ebenfalls das Bistum Worms übergeben wurde, gehörte nicht zu einer der ersten Familien des Reiches.

In Rom erhoben die Crescentier gegen den 972 gewählten Papst Benedikt VI. den Gegenpapst Bonifaz VII.. Wenig später wurde Benedikt in der Engelsburg ermordet. Durch den Herrscherwechsel musste auch das Verhältnis zu auswärtigen Königen und Fürsten neu austariert werden. Die unsicheren Verhältnisse in Italien waren auch von Otto I. nicht gelöst worden. In den ersten sieben Jahren war Otto mit der Behauptung der königlichen Macht gegenüber inneren und äußeren Gegnern beschäftigt. Die Konflikte in den Anfangsjahren führten aufgrund mangelnder Leibeserben auch zu einer Änderung der Titulatur. Am 29. April 974 taucht erstmalig die neue Titulatur coimperatrix augusta auf, die Theophanu nach byzantinischen Vorbild bei einer Thronvakanz das Recht zur Nachfolge sicherte.

Der Konflikt mit Heinrich den Zänker
Schenkungsurkunde Kaiser Ottos II. über die Königsburg Bamberg samt Zugehörungen und den Ort Stegaurach an Heinrich d. Zänker.

Um mit der jüngeren Nachkommenlinie des Dynastiegründers Heinrich I. einen Ausgleich zu schaffen, schenkte Otto II. am 27. Juni 973 seinem Vetter, Herzog Heinrich II. „dem Zänker“ von Bayern, die ottonische Königsburg Bamberg und den Ort Stegaurach mit allem Zubehör. Dennoch versuchte Heinrich der Zänker in Bayern die ihm von Otto I. eingeräumte Königsstellung zu intensivieren und seinen Einfluss auf Schwaben auszuweiten. Nach dem Tod Bischofs Ulrichs von Augsburg am 4. Juli 973 war Abt Werner von Fulda, ein Vertrauter von Otto I. und wichtiger Berater Ottos II., als Nachfolger vorgesehen. Doch betrieben Heinrich der Zänker und sein Schwager Burchard III. von Schwaben ohne Rücksprache mit Otto und unter Täuschung des Domkapitels die Erhebung von Heinrichs gleichnamigen Vetter zum neuen Augsburger Bischof. Dieser Wahl stimmte Otto II. nachträglich zu. Am 22. September 973 wurde der neue Bischof Heinrich in Bothfeld investiert.

Nach dem Tod des Herzog Burchards von Schwaben am 11. oder 12. November 973 sah sich dessen Witwe Hadwig als Erbin der Herzogsgewalt. Doch Otto setzte sich über die Ansprüche Hadwigs hinweg und bestimmte zum Nachfolger seinen Neffen Otto, den Sohn seines Halbbruders Liudolf, einen Gegner der bayerischen Liudolfinger. Otto wich damit auch nicht von dem Prinzip ab wichtige Würden im Reich mit Verwandten des Kaiserhauses zu besetzen. In dieser Zeit scheint es auch zum Zerwürfnis zwischen Otto und seiner Mutter Adelheid gekommen zu sein. Die Kaiserin Adelheid hatte ihren Sohn seit der Beisetzung Ottos I. bis Ostern 974 ständig auf dem Umzug im Reich begleitet, in mehr als 46 Diplomen wird sie als Intervenientin genannt. Danach setzen die Zeugnisse aus.[6] Ein letztes Zusammentreffen kurz vor Pfingsten (31. Mai) wohl zur gütlichen Verständigung zwischen Adelheid und Herzog Heinrich und dessen Berater, Bischof Abraham von Freising, scheiterte. Adelheid zog sich von Ottos Hof zurück, kehrte jedoch erst 978 in ihre burgundische Heimat zurück, so dass auch noch andere Konflikte mit ihrem Sohn sie entzweit haben könnten.

Die Herzogserhebung Ottos fasste Heinrich der Zänker offensichtlich als Angriff auf seine königsgleiche Stellung auf. Er und sein Berater Bischof Abraham von Freising verschworen sich mit den Herzögen Mieszko von Polen und Boleslaw von Böhmen gegen den Kaiser. Ihre Ziele werden von den Quellen nicht überliefert. Wahrscheinlich beabsichtigte Heinrich zunächst nur die Wiederherstellung seines honor und seiner Stellung neben Adelheid als einflussreichster Berater.[7] Als Reaktion auf die Verschwörung sandte Otto den Bischof Poppo von Würzburg und den Grafen Gebhardt zu Heinrich dem Zänker und lud ihn und alle seine Anhänger zu einem Hoftag. Sollten diese sich weigern, wurde ihnen die Exkommunikation angedroht. Diese offene Drohung war ein deutlicher Unterschied zu der Zeit Ottos I. üblichen Verhaltensweisen.[8] Der Aufforderung leistete Heinrich folge und unterwarf sich Otto noch bevor es zu bewaffneten Auseinandersetzungen kam, dennoch wurden beide - mit Haft in Ingelheim für den Herzog und in Corvey für den Bischof Abraham von Freising - hart bestraft.

976 kehrte Heinrich nach Bayern zurück, ob aus der Haft entlassen oder geflohen ist nicht bekannt. Er führte sogleich den Konflikt gegen Otto fort, angeblich habe er die Herrschaft Ottos beansprucht. Heinrich setzte nicht nur Regensburg in Verteidigungsbereitschaft, sondern mobilisierte auch im sächsischen Adel einen starken Anhang zu denen der Markgraf Gunther von Merseburg, Ekbert der Einäugige und der Wettiner Dedi gehörten. Otto zog daraufhin mit einem Heer nach Bayern, belagerte Regensburg, wo sich Heinrich verteidigte. Die Bischöfe im kaiserlichen Heer exkommunizierten den Herzog. Der Belagerung konnte Heinrich nicht standhalten und floh zum Böhmenherzog Boleslaw. In Regensburg traf Otto im Juli 976 weitreichende Entscheidungen zur Neuordnung der süddeutschen Herzogtümer. Bayern wurde zu einem Amtsherzogtum zurückgestuft und in seinem territorialen Bestand um fast ein Drittel verkleinert. Durch Abtrennung von Bayern wurde 976 das Herzogtum Kärnten neugeschaffen. Durch Entzug der Grafschaften Verona und Friaul büßten die bayerischen Herzöge auch ihren erheblichen Einfluss in Oberitalien und auf die königliche Italienpolitik ein. Durch die Einsetzung seines Neffen Otto von Schwaben und des Luitpoldingers Heinrich förderte Otto II. aber auch Leute, die nicht zu den Begünstigten seines Vaters gehörten oder gar gegen ihn bekämpft haben. Ein erster Zug nach Böhmen scheiterte. Doch gelang es Otto durch einen weiteren Zug nach Böhmen Boleslaw im August 977 zur Unterwerfung zu bringen. Währenddessen hatte Heinrich der Zänker mit böhmischer Unterstützung und seinem luitpoldingischen Verwandten Heinrich von Kärnten, den soeben erhobenen Herzog in Kärnten, Passau besetzt. Auch Bischof Heinrich von Augsburg hatte sich der Erhebung angeschlossen. Otto zog deshalb von Böhmen nach Passau und konnte nach langer Belagerung seine Gegner zur Unterwerfung zwingen. Die Aufständischen wurden aufgefordert zum Osterhoftag 978 (31. März) in Quedlinburg zu erscheinen. Boleslaw wurde ehrenvoll behandelt, gelobte Treue und wurde mit königlichen Geschenken geehrt. Bischof Heinrich wurde ins Kloster Werden geschickt und nach vier Monaten wieder freigelassen. Heinrich der Zänker kam jedoch bis zum Tode Ottos II. nicht mehr frei. Er wurde zu Bischof Folcmar in Utrecht in Haft geschickt. Während Ottos Vater seinen aufsässigen Bruder immer wieder in Gnade aufnahm, verfolgte Otto II. eine andere Politik als sein Vater, die massiv in die Struktur des bayerischen regnums eingriff und eine hierarchische Unterordnung des Herzogs unter die kaiserliche Autorität anstrebte. Der Sohn des Zänkers, der spätere Kaiser Heinrich II., wurde der Hildesheimer Domschule zur Ausbildung für die geistliche Laufbahn übergeben. Offenbar beabsichtigte Otto II. die weltliche Herrschaft der bayerischen Luidolfinger endgültig beenden. In Bayern musste Otto die Macht neu verteilen. Otto von Schwaben behielt das verkleinerte Bayern. Das neue Herzogtum Kärnten wurde an den salischen Neffen Otto von Worms vergeben. In Bayeren und Kärnten walteten nun Herzöge, die keine eigene Machtbasis in ihrem Amtsbereich besaßen. Zu Ottos Neuordnung im Südosten gehörte auch die Gründung des Bistums Prag 976, dass in die Kirchenprovinz seines Vertrauten Willigis von Mainz eingegliedert wurde. Durch diese Maßnahme entzog er Böhmen den kirchlichen Einflussbereichs Regensburgs und damit dem Zugriff des Herzogs von Bayern. Als ersten Bischof ernannte er den Corveyer Mönch Dietmar. Bayern blieb jedoch auch unter Otto II. eine Fernzone der Königsherrschaft. Der Kaiser suchte Bayern dreimal auf, in allen Fällen standen diese Besuche unter kriegerischen Vorzeichen.[9]

Kämpfe mit dem Dänenkönig Harald Blauzahn

Der Dänenkönig Harald Blauzahn musste die Oberhoheit Ottos des Großen anerkennen und war zum Christentum übergetreten. Gegenüber Ottos Vater hatte Harald alle seine Verpflichtungen erfüllt und Tribut entrichtet. Mittlerweile hatte er jedoch seine Herrschaft über Norwegen ausgedehnt. Angesichts seines Altersvorrangs und seiner gesteigerten Macht war er nicht bereit, dem jungen Herrscher wie einst dem Vater zu dienen. Möglicherweise wollte er seine Abhängigkeit vom Reich abschütteln. Im Sommer 974 fiel er in die Nordmark ein. Von norwegischen Scharen unter Jarl Hakon unterstützt, drang er über den dänischen Schutzwall, das Danewerk, nach Süden vor. Ein erster Gegenangriff Ottos II. scheiterte vor dem von Jarl Hakon und den Norwegern zäh verteidigten Danewerk. Erst im Herbst, als die Norweger wieder nach Norden abgesegelt waren, gelang Otto der Durchbruch. Durch eine prestigeträchtige Symbolhandlung endeten die Kampfhandlungen: Durch ein kastellartiges Tor im dänischen Befestigungswall hatte der Kaiser jederzeit Zugang zum Königreich Haralds. Doch ist Harald auf keinem Hoftag Ottos nachzuweisen. Die 974 errichteten Burgen wurden nach der schweren Niederlage Ottos in Süditalien wieder zerstört.

Konflikt im Westen des Reiches
Kaiser Otto II. oder III., Einzelblatt aus einem Registrum Gregorii(?), Trier um 983(?). Chantilly, Museé Condé, Ms. 14 bis. Der Kaiser thront unter einem von Säulen getragenen Baldachin. Otto empfängt die Huldigung der durch Frauengestalten symbolisierten Provinzen Germania, Francia, Italia und Alamannia. Das Bild dokumentiert den Herrschaftsanpruch des Kaisers über das Abendland.

Bereits vor den Konflikten im Süden des Reiches war es zu Unruhen im Westen gekommen. Die beiden Brüder Reginar IV. und Lambert, aus der alten lothringischen Herzogsfamilie der Reginare, nahmen 973 den Kampf um ihr väterliches Erbe auf. Ihr Vater Reginar III. hatte 958 als Empörer alle Güter gegen den König verloren und war zu lebenslänglichem Exil beim Böhmenherzog verurteilt wurden. Otto II. hatte 973 anlässlich der Huldigung der lothringischen Großen auch Ämter und Lehen vergeben oder neu bestätigt. Offenbar hielt Otto an der Entscheidung seines Vaters fest und enttäuschte somit die beiden Söhne, die sich Hoffnungen auf einen versöhnlichen Neubeginn machten. Reginar und Lambert kehrten im Herbst 973 zurück, um sich von den Söhnen, an denen 958 die Güter verliehen worden waren, ihr Erbe gewaltsam zurückzuholen. 976 wiederholten die Söhne mit Hilfe des westfränkischen Königs Lothar. Um die Situation in Lothringen zu beruhigen wurde auf einem Hoftag Mitte Mai 977 in Diedenhofen den Söhnen Reginar und Lambert der alte Familienbesitz zurückerstattet. Außerdem wurde der Karolinger Karl mit dem Herzogtum Niederlothringen belehnt. Als sich im Juni 978 Otto mit seiner Gemahlin in Aachen aufhielt, fiel überraschend Lothar in Niederlothringen ein. Der Grund für den Einfall könnte in Zusammenhang mit der Ernennung seines Bruders Karl zum Herzog von Lothringen stehen,[10] da Lothar mit ihm in unversöhnlichen Streit stand. Otto soll so überrascht sein, dass er sich zu Pferd von dem herannahenden Heer König Lothars überzeugte. Das Kaiserpaar konnte sich durch Flucht nach Köln retten. Doch Lothar sicherte sich in Lothringen weder Machtpositionen noch versuchte er die Herrschaft zu ergreifen. Er beließ es bei einer symbolträchtigen Demonstration: Seine Krieger drehten einen auf der Pfalz Karls des Großen angebrachten Adler in die entgegengesetzte Richtung. Bei der Reichsversammlung in Dortmund Mitte Juli ließ Otto II. einen Feldzug gegen das Westfrankenreich beschließen. Noch im Herbst desselben Jahres wurde das Kriegsunternehmen begonnen. Otto sammelte ein Heer und fiel nun in das Westreich ein. Er verwüste dabei die Orte Attigny, Soissons und Compiègne. Die Belagerung von Paris musste er wegen des Wintereinbruches abbrechen. Der Kaiser begnügte sich damit, auf dem Montmartre das Heer zu einer Siegesfeier antreten zu lassen und durch die Geistlichkeit das Hallejula anzustimmen. Durch den Feldzug nach Paris hatte Otto seine Ehre wiederhergestellt. 980 kam es zu Verhandlungen über eine Aussöhnung. Beide Herrscher trafen sich in Margut-sur-Chiers zusammen und stellten den Frieden durch eine amicitia (Freundschaftsbündnis) wieder her. Otto zog von dort nach Aachen, wo er über Pfingsten Hof hielt. Von Aachen wandte sich der Kaiser nach Nimwegen. Auf dem Weg dorthin gebar die Kaiserin Ende Juni oder Anfang Juli im Königsforst Kessel bei Kleve nach den drei Töchtern Adelheid, Sophia und Mathilde den Thronfolger Otto III.

Italienpolitik

Nach dem Otto II. seine Herrschaft nördlich der Alpen gefestigt hatte und nach der Geburt des Thronfolgers rückte Italien in den Mittelpunkt. 979 war die Stellung des Papstes Benedikt VII. bedroht, der sich aus Rom zurückziehen musste und sich an den Kaiser wandte. Otto reiste mit Theophanu und seinen Sohn Otto III., jedoch ohne größeres Heer nach Italien. Als Stellvertreter im Reich wurde der Mainzer Erzbischof Willigis ernannt. Im fränkischen Bruchsal wurden im Oktober 980 letzte Regelungen für die Gebiete nördlich der Alpen getroffen und erste italienische Delegationen empfangen. Der Kaiser zog mit seinem Gefolge von Chur und Chiavenna nach Italien. Erstmals auf italischem Boden ist Otto in Pavia am 5. Dezember 980 bezeugt.[11] Dort erfolgte die Versöhnung des Kaisers mit seiner Mutter Adelheid. In dieser Zeit war auch der Erzbischof Adalbero von Reims im Gefolge mit Gerbert von Aurillac, einem der berühmtesten Gelehrten seiner Zeit, gekommen. Der ganze Hof fuhr nach Pavia, um dort das Weihnachtsfest zu feiern. In Ravenna eröffnete der Kaiser ein wissenschaftliches Streitgespräch über die Einteilung der Wissenschaften zwischen Gerbert und dem ehemaligen Leiter der Magdeburger Domschule, Ohtrich, der in dieser Zeit Dienst in der Hofkapelle tat. Ohtrich war Gerbert wissenschaftlich wohl nicht gewachsen. Um seinem Kapellan die Schmach eine Niederlage zu ersparen, beendete der Kaiser den Disput vorzeitig. In Rom traf der Kaiser um den Fastenbeginn (9. Februar 981) ein. Offenbar ohne Schwierigkeiten konnte Otto Papst Benedikt VII. nach Rom zurückführen. Der Gegenpapst floh nach Byzanz. In Rom wurde zu Ostern 981 ein prunkvoller Hoftag abgehalten, zu dem sich beide Kaiserinnen und seine Schwester Mathilde, dazu König Konrad von Burgund und dessen Gemahlin Mathilde, ferner Herzog Hugo Capet von Franzien, Herzog Otto von Schwaben, sowie hohe weltliche und geistliche Würdenträger aus Deutschland, Italien, Frankreich trafen. In der Sommerhitze zog sich Otto mit seinem Hof zunächst an den Südrand des Apennin, dann im August in die zentralen Abruzzen auf die Bergfeste Rocca de Cedici.

In seiner Kaiser- und Italienpolitik ging Otto über die von seinem Vater beschrittenen Bahnen hinaus. Nach den St. Gallener Annalen sei Otto II. mit dem von seinem Vater erreichten unzufrieden gewesen (Otto imperator non contentus finibus patruis sui).[12] Seine Kaiseridee gründete sich nicht nur auf die Herrschaft in und über Rom oder auf die Zusammenarbeit mit dem Papsttum, sondern auf die uneingeschränkte Herrschaft über ganz Italien. Auffälligstes Zeichen einer Herrschaftsintensivierung im langobardischen Süden ist die gestiegende Bedeutung Salernos. Über die Stadt hatte das ottonische Königtum einen zweifachen direkten Zugang nach Kalabrien über den Vallo di Diano und die Via Popilia. Der Kaiser suchte Salerno häufig und zu bedeutenden Anlässen auf und bemühte sich, die Region auch kirchenpolitisch an seine Herrschaft zu binden. Salerno diente als Ausgang- und Endspunkt des Heereszuges nach Apulien. Seinen Anspruch auf die Herrschaft über Süditalien untermauerte er durch die Annahme eines neuen Titels: „Romanorum Imperator Augustus“ („erhabener Kaiser der Römer“) Otto strebte die vollständige Unterwerfung Süditaliens unter seiner Kaiserherrschaft an.[13] Doch dies bedeutete notwendigerweise Krieg mit den Mächten Byzanz und den Sarazenen, die Süditalien als ihren Machtbereich beanspruchten. In Byzanz hatte es allerdings innere Wirren um die Herrschaft gegeben. Kaiser Johannes Tzimiskes war 976 gestorben. Seine Familie zu der auch Otto Gemahlin Theophanu gehörte wurde von den neuen Machthabern verfolgt. Dafür rückten seit 976 die Sarazenen immer weiter nach Kalabrien vor.

Im Sommer 981 starb Adalbert, der erste Erzbischof von Magdeburg. Von Italien aus erhob Otto mit Merseburger Bischof Giselher, einen seiner wichtigsten Berater, zum Nachfolger Adalberts in Magdeburg und hob zugleich das Bistum Merseburg auf. Seine Besitzungen wurden teils an Halberstadt übertragen und teils dazu verwendet, die Bistümer Zeitz und Meißen zu stärken. Da ein Wechsel von einem Bischofssitz auf einen anderen nach kanonischen Recht verboten war, schuf eine römische Synode am 10. November 981 die Voraussetzung für eine Translation.

Gegenüber dem byzantinischen Süditalien hatte unter Otto I. der Fürst Pandulf Eisenkopf einen Machtbereich aufgebaut, der die Fürstentümer Capua und Benevent, das Herzogtum Spoleto und die Markgrafschaft Camerino umfasste. Doch war Pandulf im Frühjahr 981 gestorben. Damit hatte der Kaiser eine der wichtigsten Stützen seiner Herrschaft in Mittelitalien verloren und der Zerfall des gesamten Machtblocks drohte, denn Byzanz hatte seine Ansprüche auf die Oberhoheit über die langobardischen Fürstentümer nicht aufgegeben. Insbesondere nach dem Tod Pandulfs Eisenkopfs versuchte Otto die langobardischen Fürstentümer politisch wie kirchlich seiner Herrschaft zu unterwerfen und die Fürstentümer zur Anerkennung seines Kaisertumes zu veranlassen. Bei zahlreichen Aufenthalten sprach er Recht und griff massiv in das herrschaftliche Gefüge ein.

Auch im Verhältnis zu Venedig hatte es unter Otto II. eine Umorientierung gegeben. Der Doge Pietro IV. (959 bis 976) hatte sich an Otto I. angelehnt, der ihn wiederum dazu veranlasst hatte, ihm Tribut zu leisten - im Tausch gegen den Zugriff auf die Kirchengüter in seinem Gebiet. Doch im August 976 wurde Pietro IV. umgebracht. Seither beherrschten wechselnde Gruppierungen Venedig. Als die weiterhin Otto II. loyale Familie Coloprini mit den pro-byzantinischen Morosini und Orseolo in Konflikt geriet, wandte sie sich an Otto II. Ohne Rücksicht auf die beinahe 170 Jahre anhaltende Periode gütlichen Einvernehmens ging Otto gleich nach seiner Ankunft in Italien mit einer Handelsblockade gegen Venedig vor. Während die erste von Otto im Januar oder Februar 981 angeordnete Handelsblockade Venedig kaum beeinträchtigte (vgl. Wirtschaftsgeschichte der Republik Venedig), fügte die zweite im Juli 983 verhängte Handelssperre Venedig erhebliche Schäden zu, und spaltete ihre Herrschaftsgruppe. Nur der frühe Tod Ottos II. verhinderte möglicherweise die drohende Unterwerfung Venedigs unter das Imperium.[13]

Klosterpolitik

Unter Otto II. und seiner Gemahlin erfuhr Memleben durch die gegründete Benediktinerabtei eine Aufwertung. Sie wurde reich mit Grundbesitz, Kirchen und Zehntrechten ausgestattet. Die reiche Ausstatung und der ungewöhnliche Großbau ist als geplante Grabkriche des Kaiserpaares vorstellbar.[14] Insbesondere Mönchtum und Klöster nahmen in der Herrschaft Ottos II. eines bedeutende Stellung ein. Sie sollten als herrschaftstragende und -stabilisierende Faktoren im Reichsgefüge dienen. Um diesen Aufgaben nachzukommen stärkte er ihre rechtliche Integrität und wirtschaftliche Unabhängigkeit gegenüber Adel und Episkopat. Nach der Niederschlagung der Aufstände Heinrichs des Zänkers wurden die Klöster als Verwahrstätten für Hochverräter herangezogen. Während sein Vater in 37 Regierungsjahren mit St. Mauritius in Magdeburg nur ein einziges Kloster gründete, darf Otto II. für mindestens vier Klöster – Memleben, Tegernsee, Bergen bei Neuburg/Donau und Arneburg – den Rang eines Gründers oder Mitstifters beanspruchen. Die aktive Einbindung des Mönchtums in die kaiserliche Politik bildete geradezu eine Grundkonstante in Ottos Verhältnis zum Klosterwesen, dessen Vertreter er mit zentralen politischen Funktionen betraute. Otto II. hatte bedeutende Mönche wie Ekkehard von St. Gallen, Majolus von Cluny, Johannes Philagathos und Gregor von Cassano zu politischen Beratern. Das Kloster St. Gallen wurde von Otto mit einer lebenslangen Fürsorge bedacht. Häufiger als seine beiden Vorgänger entschied Otto über die Besetzung der Abtswürden. In Italien berufte Otto 982 drei enge Vertraute zu Äbten. Wohl im Spätsommer 982 wurde Gerbert von Aurillac Abt im Kloster Bobbio, 982 wurde der kaiserliche Erzkanzler für Italien, Johannes Philagathos, in Nonantola und in Farfa vielleicht Ende 982 Adam von Casa aurea zu Äbten berufen.

Niederlage in Süditalien

Einen Anlass für ein militärisches Unternehmen nach Süditalien gaben die zunehmenden Angriffe der Sarazenen unter der Führung des Emirs Abu al-Qasim auf das süditalienische Festland. Durch den Tod des Pandulf Eisenkopf vergrößerte sich die von den Sarazenen ausgehende Gefahr zusätzlich. Der Zug nach Süditalien wurde sorgfältig vorbereitet. Von den einzelnen geistlichen und weltlichen Großen aus Lothringen, Franken, Schwaben und Bayern wurden insgesamt 2100 Panzerreiter aufgeboten. Dabei wurden rund 80% der Kontingente von geistlichen Institutionen gestellt.[15] Der Feldzug begann am Tag des heiligen Mauritius (22. September). Otto konnte zunächst Salerno einnehmen, wo er das Weihnachtsfest feierte. Als Zeichen seiner hegemonialen Stellung und der Legitimität seines Vorstoßes auf byzantinischen Gebiet nahm Otto während der Belagerung Tarents im März 982 den Titel eines Kaisers der Römer, Romanorum imperator augustus, an. Dieser Kaisertitel wurde seit der Kaiserkrönung Ottos III. für alle westlichen Kaiser der übliche Titel. In Tarent feierte Otto das Osterfest. In Rossana ließ Otto seine Gemahlin und den Hofstaat zurück, da von hier an ein Zusammenstoß mit den Truppen des Emirs Abu al-Qasim drohte. Am 15. Juli 982 kam es zur Schlacht am Kap Colonna. Die Schlacht verlief zunächst für das ottonische Heer erfolgreich, da der Emir in der Schlacht fiel. Doch als sich die Schlachtreihen auflösten, brachen sarazenische Reserven in die Sclacht ein und vernichteten die kaiserlichen Truppen vollständig. Die Memorialzeugnisse verschiedener geistlicher Institutionen nennen lange Namensreihen der Gefallenen. Der Kaiser selbst geriet in höchste Lebensgefahr und konnte sich nur durch die Flucht auf ein byzantinisches Schiff retten. Dabei konnte er nur knapp dem Versuch der Schiffsbesatzung entgehen, ihn als Geisel zu nehmen. Otto gelang es schließlich vor Rossano vom Schiff zu springen und schwimmend das rettende Ufer zu erreichen. Nur durch die Hilfe eines Mainzer Juden aus der Familie der Kalonymiden, der ihm ein Pferd überließ, konnte er fliehen.[16] Durch die Niederlage hatte Otto eines der stärksten Heere verloren. Keiner seiner Vorgänger hatte je eine derartige Niederlage erlitten und musste so schmählich fliehen.[17] Durch die verheerende Niederlage setzte für ein halbes Jahr die Urkundentätigkeit des Kaiser praktisch aus und über Handlungen des Kaiser ist kaum etwas überliefert. Die Sarazenen nutzten jedoch ihren Erfolg nicht zum weiteren Vordringen, sondern zogen sich nach Sizilien zurück. Nach der Niederlage erhielt der Kaiser die Nachricht vom Tod Herzogs Otto von Schwaben sowie des fuldaischen Abtes Werinher, die wohl nicht im Zusammenhang mit der Schlacht von Cotrone starben. Der Kaiser zog sich über Capaccio, Salerno und Capua nach Rom zurück, wo er mehrere Monate blieb und auch das Weihnachstfest und Ostern feierte.

Krise des Reiches

Thronfolgereglung

Kaiser Otto II. setzt Adalbert von Prag durch Überreichung des Bischofsstabes in sein geistliches Amt ein. Darstellung auf der Tür des Domes zu Gnesen, 12. Jahrhundert

Nach Erhalt der Unglücksbotschaft verlangten die im Reich verblienden Großen ein Treffen mit dem Kaiser. Zu Pfingsten wurde ein Hoftag in Verona einberufen. Dort wurden die Herzogtümer Bayern und Schwaben neu besetzt. Nahezu alle in Verona gefassten Beschlüsse brachten der Fürstenopposition einen Machtgewinn. Deutlichstes Indiz war die Erhebung des bisher in der Verbannung befindlichen Luitpoldingers Heinrich des Jüngeren, eines Rebellen von 977, als Herzog von Bayern. Das Herzogtum Schwaben erhielt Konrad aus dem Geschlecht der Konradiner. Der Tscheche Voitech, mit Taufnamen Adalbert, wurde zum Bischof von Prag bestellt und am 3. Juni vom Kaiser mit dem Stab belehnt. Am 7. Juni wurden mit Venedig umfassende Abmachungen getroffen, Seeblockade und Handelskrieg beigelegt. Doch wurden Friede und Freundschaftsbündnis bereits nach wenigen Tagen durch neue Feindseligkeiten ausgelöscht. Die wichtigste Entscheidung von den Großen Italiens und Deutschlands in Verona war die Wahl des dreijährigen Otto III. zum deutschen König. Der Grund, warum gerade zu dieser Zeit die Thronfolge des minderjährigen Königssohnes gesichert wurde, wird in den Quellen nicht genannt. Bei der Königswahl Ottos III. handelte es sich um die einzige Königswahl südlich der Alpen. Möglich ist, dass die die Zeit zur Regelung der Verhältnisse in Süditalien drängte oder aber man bewusst mit der Ortswahl den Herrschaftsteil Italien aufwerten wollte, den Otto I. erst 951 hinzugewonnen hatte.[18] Mit den abziehenden Teilnehmern des Hoftages wurde das Kind über die Alpen geleitet, um am traditionellen Krönungsort der Ottonen, in Aachen, die Königsweihe zu empfangen.

Slawenaufstand

In der Zwischenzeit erhoben sich die slawischen Stämme östlich der Elbe. Der Abodritenfürst Mistui vernichtete das Bistum Oldenburg und zerstörte Hamburg. Am 29. Juni wurde Havelberg überfallen, drei Tage später Brandenburg. Beide Bischofssitze mit ihren Kirchen wurden zerstört. Als Ursache für die Erhebung der Slawen führte Thietmar von Merseburg die überhebliche Behandlung des Markgrafen Dietrich an.[19]. Doch wurde bereits von Zeitgenossen ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Aufhebung des Bistums Merseburg und dem Slawenaufstand gesehen.[20] Einem sächsischen Heer unter der Führung Erzbischofs Giselher von Magdeburg und Bischof Hildiward von Halberstadt gelang es in der Schlacht an der Tanger, den Vorstoß auf Magdeburg abzuwehren und die Slawen zum Rückzug über die Elbe zwingen. Die Folgen der slawischen Erhebung waren gravierend. Erst im 12. Jahrhundert konnten die Bistümer von ihren Bischöfen wieder aufgesucht werden.[21] Nach der Aufhebung Merseburgs hatte das Erzbistum Magdeburg das zweite und dritte Suffraganbistum verloren und war selbst zur Bischofsstadt an einer gefährdeten Ostgrenze geworden. Die Erfolge christlicher Missionspolitik und die politische Kontrolle östlich der Elbe wurden zunichte gemacht.[22] In kürzester Zeit war das Missions- und Ordnungswerk seines Vaters vernichtet. Das Gebiet der Slawen blieb, abgesehen vom sorbischen Bereich, für ein Jahrhundert von der Christianisierung verschlossen.

Früher Tod

Otto III. der Nachfolger von Kaiser Otto II.

Aus den letzten dreieinhalb Monaten seines Lebens ist kein Diplom überliefert.[23] Im September ging Otto nach Rom, um dort einen Nachfolger für den im Juli verstorbenen Benedikt VII. zu erheben. Otto erhob mit seinem Kanzler Bischof Petrus von Pavia einen Papst als Nachfolger, der nicht aus dem Umfeld der römischen Kirche stammte. Die erneute Aufnahme der militärischen Aktivitäten in Süditalien verhinderte eine Malariainfektion. Diese führte schließlich auch zu seinem Tod. Völlig unerwartet starb Otto mit 28 Jahren am 7. Dezember 983, angeblich nachdem Ärzte eine Durchfallerkrankung mit hohen Gaben von Aloe bekämpft hatten. Ihm verblieb lediglich noch die Zeit sein Geld aufzuteilen. Er schenkte einen Teil seiner Mittel den Kirchen, den Armen, seiner Mutter, seiner Schwester Mathilde und seinen Dienern und adligen Gefolgsleute. Vorbereitungen oder längerfristige Pläne zur Bestattung des Kaisers sind nicht bekannt. Von dem Getreuen wurde Otto in der Vorhalle von St. Peter beigesetzt. Anders als seine Vorgänger und Nachfolger fand Otto seine letzte Ruhestätte in der Fremde und nicht an einem Ort, den er selbst gestiftet oder reich ausgestattet hatte, um seine Memoria liturgisch zu verewigen. Ottos Grab geriet bald in Vergessenheit.

Das dreijährige Kind Otto III. wurde drei Wochen nach dem Tod seines Vaters am Weihnachtsfest des Jahres 983 in Aachen zum König geweiht. Während die Konsekration Ottos III. durchgeführt wurde, traf die Nachricht vom Tode Ottos II. ein. Durch die ungelösten Probleme in Süditalien und die durch den Slawenaufstand ausgelöste dramatische Situation war die Lage im Reich ausgesprochen labil. Diese prekäre Situation erforderte einen tatkräftigen Herrscher und ließ zahlreiche Bischöfe vor der längeren Herrschaft eines unmündigen Kindes zurückzuschrecken. Währenddessen weilten die Kaiserinnen Theophanu, Adelheid und Ottos Tante Mathilde ein halbes Jahr in Italien und kehrten erst zurück als sich eine Lösung in der Herrschaftsnachfolge abzeichnete. Mit dem Tod Ottos II. wurde Heinrich der Zänker von Bischof Folcmar wieder aus der Haft entlassen und ließ sich nach Verwandtschaftsrecht (ius propinquitatis) das dreijährige Kind durch Erzbischof Warin von Köln, dem Otto III. zur Erziehung anvertraut war, aushändigen. Heinrichs weitere Aktivitäten zielten weniger auf Vormundschaft für das Kind als vielmehr auf Teilhabe an der Königsherrschaft ab, ob anstelle Ottos III. oder durch eine Art Mitherrschaft ist jedoch ungewiss.[24] Doch konnte Heinrich in Verhandlungen bei den sächsischen und fränkischen Großen keinen Anhang für seine Pläne mobilisieren. Heinrich scheute davor seine Ansprüche auf das Königtum im bewaffneten Konflikt durchzusetzen und übergab am 29. Juni 984 im thüringischen Rohr das königliche Kind seiner Mutter und entsagte damit demonstrativ allen Ansprüchen auf Königsnachfolge.

Für die Zeit der Regentschaft wurde Theophanu die wichtigste der dominae imperiales. Einmal zog Theophanu während ihrer Regentschaft nach Italien. Am 7. Dezember 989, dem Todestag ihres Gatten, weilte sie an seinem Grab und kümmerte sich um seine Memoria. Nach Theophanus Tod (991) übernahm Adelheid die Regentschaft für Otto III. Die Regentschaft der Kaiserinnen blieb von größeren Konflikten verschont. Ihrer wichtigsten Herrscheraufgabe der Friedenswahrung wurden die Herrscherinnen gerecht.

Nachwirkung

Otto II. im Urteil der Ottonen und Salier

Die konkreten Misserfolge wie Ottos Niederlage gegen die Sarazenen, der große Slawenaufstand und die Aufhebung des Bistums Merseburg prägten das Urteil der ottonischen Geschichtsschreiber und modernen Historiker gleichermaßen. Selten folgten im Mittelalter so eindeutige Zeichen nach einer kirchenpolitischen Entscheidung, wie durch die Aufhebung Merseburgs, die nach den Vorstellungen der Zeit sich als Zorn Gottes interpretieren ließen.

Für den Chronisten Thietmar von Merseburg, der die Herrscher an ihrer Stellung zum Bistum Merseburg bemisst, begann mit Otto II. im Reich eine Zeit der Krise und Umgestaltung, einer nova norma.[25] Insbesondere die Aufhebung des Bistums Merseburg durch Otto II. warf einen dunklen Schatten auf seine Herrschaft. Der große Slawenaufstand, den unglücklichen Feldzug Ottos II. nach Süditalien mit der verlustreichen Niederlage bei Cotrone und schließlich der überraschende Tod des 28jährigen Herrschers waren für Thietmar Folgen der „Sünde“ Ottos II. Merseburg aufzulösen. Doch führte Thietmar das Unglück, welches Ottos Herrschaft am Ende seines Lebens heimsuchte, nicht auf den Herrscher sondern auf die Sünden der Menschen (nostris criminibus) zurück.[26] Thietmar verwendete insbesondere Träume, Erscheinungen, Visionen, um im Interesse Merseburgs zu argumentieren, und um Kritik an Otto II. zu üben.[27]

Brun von Querfurt kritisierte überstürztes Handeln und folgenreichen Irrglauben, er müsse als König alles durchsetzen, was er wolle. Durch sein sündhaftes Verhalten habe er dem Gemeinwesen großen Schaden zugefügt und den Frieden zerstört, den sein Vater geschaffen habe. Brun kritisiert aber auch Ottos falsche Prioritätensetzung (Kampf gegen die karolingischen Franken statt gegen die Heiden cap. 10) und Versündigung am hl. Laurentius durch die Zerstörung Merseburgs (cap. 12)

Die von Otto II. im Krisenjahr 974 in Auftrag gegebene Mathildenvita beabsichtigte nachzuweisen, dass Otto II. der legitime Thronerbe und damit alleiniger Inhaber einer unteilbaren Königsgewalt sei. Sie schließt nicht mit dem Tod der heiligmäßigen Herrscherin, sondern gipfelt im Übergang der Herrschaft Ottos I. an seinen Sohn am 7. Mai 973, den der Autor durch die gleiche Tugend ausgezeichnet sah wie dessen Eltern und Großeltern. Otto II. wurde als der bedeutendste Nachfahre eines ruhmreichen Königsgeschlechts präsentiert.

Weder die Nachfolger Otto III. noch Heinrich II. nahmen in ihren Diplomen auf die Grablege ihres Vorgängers Bezug. Otto III. realisierte in Essen für seinen Vater eine Memorialstiftung, die bereits Theophanu veranlasst hatte und die seine Verwandte Mathilde ausführte.[28] Das Grab in der Peterskirche wurde nicht vergessen, der Salier Konrad II. ließ 1027 den bei Straßenkämpfen in Rom wegen der Kaiserkrönung gefallenden schwäbischen Grafen Berengar neben Otto II. im Atrium der Peterskirche beisetzen.

Nachleben im Hoch- und Spätmittelalter

Humbert von Silva Candida ließ Gerhard von Toul am Kaisergrab ein langes Gebet verrichten. Doch wurde seit den 80er Jahren des 11. Jahrhunderts sein Grab in keiner Beschreibung des Atriums von St. Peter mehr erwähnt. Ottos Memoria trat hinter der gewaltigen Memoria der Päpste zurück.

Otto II. in der Forschung

Im 19. Jahrhundert hat Albert Hauck das negative Urteil über Otto II. am schärfsten vertreten. Hauck polemisierte in seiner Kirchengeschichte: „Da er (sc. Otto II.) sich für vielerlei interessierte, hielt man ihn für ein Genie: in Wirklichkeit charakterisiert ihn die Verbindung von übergroßem Selbstgefühl und geringem Talent“. Das Ungenügende in Ottos Politik sah Hauck nicht dadurch bedingt, „daß er auf Verhältnisse traf, deren Übermacht er nicht zu brechen vermochte, sondern dadurch, daß er hinter dem zurückblieb, was die Lage von ihm forderte.“[29].

Doch übernahmen im 19. und 20. Jahrhundert nicht alle Historiker das Bild des unselbständigen, leichtsinnigen und ruhmsüchtigen Jünglings. Neben der Skepsis gegenüber den Quellen trug dazu auch die romantische Mittelalterverherrlichung bei. Wilhelm Giesebrecht fällte 1840 in den „Jahrbüchern des deutschen Reiches“ ein sehr günstiges Urteil. Seine jugendlichen Eigenschaften werden lobend hervorgehoben und gerade in Ottos Jugend sieht er einen Entschuldigungsgrund für dessen Raschheit im Entschluss und dessen Selbstherrlichkeit. „Alles in allem“, schreibt er, „es ist das Bild eines glücklich begabten, edlen, kecken Jünglings in der Kaiserkrone, das vor unseren Augen steht.“ [30].

Die bis heute letzte umfassende Würdigung von Ottos II. Person und Herrschaft stammt aus dem Jahre 1902 von Karl Uhlirz. Für ihn waren die Aufhebung des Bistums Merseburg und die Auseinandersetzungen mit Adelheid die wesentlichen Anhaltspunkte der negativen Beurteilung des Kaisers in den Quellen. Sein eigenes Urteil fällt außerordentlich positiv aus. Otto habe seine historische Aufgabe bewältigt und die Stellung des Reiches behauptet. Sein einziger Misserfolg, der Kampf gegen die Sarazenen, könne nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Es hätten vielmehr gute Aussichten für einen endgültigen Erfolg in Süditalien bestanden. Uhlirz charakterisiert Ottos Regierung als kraftvoll und mächtig und vergleicht den Kaiser mit Heinrich VI., der ebenfalls vom Schicksal mitten aus seinen Plänen gerissen worden ist.[31].

Robert Holtzmann betonte in seiner „Geschichte der sächsischen Kaiserzeit“ die Diskrepanz zwischen Otto hoher Selbsteinschätzung und seinen unüberlegten Handeln, aus denen „manche vorschnelle Entscheidung“ entsprungen sei: „Die jugendliche Ungeduld, die dem Kaiser zu eigen war, trägt mit die Schuld an dem letzten Unglück der beiden kummerreichen Jahre, seinem vorzeitigen Tod.“ [32].

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog Manfred Hellmann 1956 trotz Niederlage von Cap Colonne und des Slawenaufstandes ein positives Fazit, da „Otto II. im Osten, aber auch im Westen und nicht zuletzt im Süden das Erbe des Vaters gewahrt habe, dessen Politik fortgeführt und seinem Hause die Herrschaft diesseits und jenseits der Alpen gesichert“ [33] habe. Historiker wie Fritz Ernst oder Helmut Beumann übten in ihren Handbuchdarstellungen Zurückhaltung und enthielten sich einem Urteil oder charakterisierten stattdessen die Quellen und wiesen auf die ungünstige Situation Ottos II. vor dem Blick der zeitgenössischen Geschichtsschreiber hin.[34]

Otto erhielt weder 1967, als man seiner Kaiserkrönung gedenken können, noch 1973, als sich der Beginn seiner Alleinherrschaft zum tausendsten Male jährte, noch zehn Jahre später, als sein Todestag Anlass für eine Memorialfeier bot, größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. In jüngeren Forschungsbeiträgen wurde Otto II. oftmals unter der historischen Fragestellung, ob Otto II. eines großen Vaters glückloser Sohn sei, behandelt.[35] Um Otto II. adäquat beurteilen zu können, untersuchte Hubertus Seibert dabei Ottos Herrschaftspraxis, seine herrscherlichen Vorstellungen und Ziele.[36] Die Historiker Gerd Althoff und Hagen Keller kamen 2008 zu einem differenzierteren Urteil. Sie betonten, dass man der Herrschaft Ottos II. nur gerecht werden kann, wenn man zum einem die ungelösten Probleme seines Vaters (Herrschaft über Italien, die Spannungen in der sächsischen Adelsgesellschaft und die Gründung der Bistümer im östlichen Sachsen) und zum anderen seinen Vorrang gegenüber den oft älteren Kreis, seinem Vater oft nahe verbundenen Herrschaftsträgern durchzusetzen, berücksichtigt.[37]

Quellen

Urkunden und Regestenwerke

Literarische Quellen

Literatur

Allgemeine Darstellungen

Monographien und Aufsätze

  • Dirk Alvermann: Königsherrschaft und Reichsintegration. Eine Untersuchung zur politischen Struktur von regna und imperium zur Zeit Kaiser Ottos II. Berlin 1998, ISBN 3-428-09190-6.
  • Bernhard Askani: Das Bild Kaiser Ottos II.: Die Beurteilung des Kaisers und seiner Regierung in der Geschichtsschreibung vom 10. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Dissertation, Heidelberg 1963.
  • Jacek Banaszkiewicz: Ein Ritter flieht oder wie Kaiser Otto II. sich vom Schlachtfeld bei Cotrone rettete. In: Frühmittelalterliche Studien 40 (2006), S. 145–165.
  • Ekkehard Eickhoff: Theophanu und der König: Otto III. und seine Welt. Stuttgart 1999, ISBN 3-608-91798-5.
  • Hubertus Seibert: Eines großen Vaters glückloser Sohn? Die neue Politik Ottos II.. In: Bernd Schneidmüller/ Stefan Weinfurter (Hrsg.), Ottonische Neuanfänge. Symposium zur Ausstellung „Otto der Große, Magdeburg und Europa“, Mainz 2001, S.293−320, ISBN 3-8053-2701-3
  • Rudolf Schieffer: Otto II. und sein Vater. In: Frühmittelalterliche Studien 36 (2002), S.255−269.
  • Karl Uhlirz: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Otto II. und Otto III. Erster Band: Otto II. 973-983, Verlag Duncker & Humblot Berlin 1967, ND d. 1. Auflage von 1902

Lexika

 Commons: Otto II. – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Johannes Laudage, Otto der Große. Eine Biographie, Regensburg 2001, S. 272.
  2. Gerd Althoff/Hagen Keller: Spätantike bis zum Ende des Mittelalters. Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen. Krisen und Konsolidierungen 888–1024. (Gebhardt – Handbuch der deutschen Geschichte, 10., völlig neu bearbeitete Auflage), Stuttgart 2008, S. 208f.
  3. Rudolf Schieffer: Otto II. und sein Vater. In: Frühmittelalterliche Studien Bd. 36 (2002), S. 255−269, hier: S. 263.
  4. Rudolf Schieffer: Otto II. und sein Vater. In: Frühmittelalterliche Studien Bd. 36 (2002), S. 255−269, hier: S. 267.
  5. Johannes Fried, Kaiserin Theophanu und das Reich. In: Hanna Vollrath/ Stefan Weinfurter (Hrsg.) Köln, Stadt und Bistum in Kirche und Reich des Mittelalters. Festschrift für Odilo Engels zum 65 Geburtstag. Köln 1993, S. 139-185, hier: S. 142.
  6. Gerd Althoff/Hagen Keller: Spätantike bis zum Ende des Mittelalters. Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen. Krisen und Konsolidierungen 888–1024. (Gebhardt – Handbuch der deutschen Geschichte, 10., völlig neu bearbeitete Auflage), Stuttgart 2008, S. 245.
  7. Hubertus Seibert, Eines großen Vaters glückloser Sohn? Die neue Politik Ottos II. In: Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter (Hrsg.), Ottonische Neuanfänge, Mainz 2001, S. 293–320, hier: S. 298f.
  8. Gerd Althoff, Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. 2., erw. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart u.a. 2005, S. 139.
  9. Dirk Alvermann: Königsherrschaft und Reichsintegration. Eine Untersuchung zur politischen Struktur von regna und imperium zur Zeit Kaiser Ottos II. Berlin 1998, S. 187.
  10. Gerd Althoff: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. 2. erweiterte Auflage, Stuttgart u.a. 2005, S. 142.
  11. Wolfram Giese, Venedig-Politik und Imperiums Idee bei den Ottonen. In: Geog Jenal (Hrsg.), Herrschaft, Kirche, Kultur. Beiträge zur Geschichte des Mittelalters. Festschrift für Friedrich Prinz zu seinem 65. Geburtstag, Stuttgart 1993, S. 219–243, hier: S. 221.
  12. Annales Sangallenses ad a 982.
  13. a b Hubertus Seibert, Eines großen Vaters glückloser Sohn? Die neue Politik Ottos II. In: Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter (Hrsg.), Ottonische Neuanfänge, Mainz 2001, S. 293–320, hier: S.309.
  14. Gerhard Streich, Bistümer, Klöster und Stifte im ottonischen Sachsen, S. 75–88, hier: S. 83. In: Matthias Puhle (Hrsg.): Otto der Große, Magdeburg und Europa. 2 Bände, Zabern, Mainz 2001 (Katalog der 27. Ausstellung des Europarates und Landesausstellung Sachsen-Anhalt).
  15. Gerd Althoff, Die Ottonen, Königsherrschaft ohne Staat, 2. erweiterte Auflage, Stuttgart 2005, S. 148.
  16. Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Germanicarum, Nova series 9: Die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg und ihre Korveier Überarbeitung (Thietmari Merseburgensis episcopi Chronicon). Herausgegeben von Robert Holtzmann. Berlin 1935, S. 124 (Digitalisat). Zu dieser Episode siehe Jacek Banaszkiewicz: Ein Ritter flieht oder wie Kaiser Otto II. sich vom Schlachtfeld bei Cotrone rettete. In: Frühmittelalterliche Studien 40 (2006), S. 145–165.
  17. Gerd Althoff/Hagen Keller: Spätantike bis zum Ende des Mittelalters. Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen. Krisen und Konsolidierungen 888–1024. (Gebhardt – Handbuch der deutschen Geschichte, 10., völlig neu bearbeitete Auflage), Stuttgart 2008, S. 265.
  18. Gerd Althoff, Otto III. Darmstadt 1996, S. 38.
  19. Thietmar III, 17.
  20. Thietmar III, 16-19.
  21. Gerd Althoff, Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. 2., erw. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart u.a. 2005, S. 151.
  22. Thietmar III, 17–18.
  23. Gerd Althoff/Hagen Keller: Spätantike bis zum Ende des Mittelalters. Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen. Krisen und Konsolidierungen 888–1024. (Gebhardt – Handbuch der deutschen Geschichte, 10., völlig neu bearbeitete Auflage), Stuttgart 2008, S. 268.
  24. Gerd Althoff, Otto III. Darmstadt 1996, S. 42.
  25. Thietmar II, 45.
  26. Thietmar III, prol., S. 85.
  27. Gerd Althoff, Das argumentative Gedächtnis. Anklage und Rechtfertigungsstrategien in der Historiographie des 10. und 11. Jahrhunderts, in: Gerd Althoff, Inszenierte Herrschaft. Geschichtsschreibung und politisches Handeln im Mittelalter, Darmstadt 2003, S. 126–149, hier: S. 138.
  28. Klaus Gereon Beuckers, Der Essener Marsusschrein. Untersuchungen zu einem verlorenen Hauptwerk der ottonischen Goldschmiedkunst Münster 2006, S. 47ff.
  29. Albert Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands, Bd. 3, Leipzig 1906, unveränderter ND 8. Auflage, Berlin/Leipzig 1954, S 240f.
  30. Wilhelm von Giesebrecht, Jahrbücher der deutschen Kaiserzeit unter der Herrschaft Ottos II. Berlin 1840, S. 5.
  31. Karl Uhlirz, Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Otto II. und Otto III., Bd. 1: Otto II. 973-983, Berlin 1902, ND Berlin 1967, S.213f.
  32. Robert Holtzmann, Geschichte der sächsischen Kaiserzeit (900-1024), 3. Auflage 1955, S. 291.
  33. Manfred Hellmann, Die Ostpolitik Kaiser Ottos II. In: Syntagma Friburgense. Historische Studien Hermann Aubin dargebracht zum 70. Geburtstag am 23.12.1955, Lindau 1956, S. 66.
  34. Helmut Beumann, Das Zeitalter der Ottonen. In: Peter Rassow (Hrsg.), Deutsche Geschichte im Überblick, 2. Auflage, Stuttgart 1962, S. 103−129, hier: S. 117ff. Fritz Ernst, Das Reich der Ottonen im 10. Jahrhundert. In: Bruno Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte. Bd. 1 herausgegeben von Herbert Grundmann 8. Auflage 1954, S. 161–209, hier: S. 191.
  35. Hubertus Seibert, Eines großen Vaters glückloser Sohn? Die neue Politik Ottos II., in: Ottonische Neuanfänge, hg. von Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter, Mainz 2001, S. 293–320. Abschnitt: Des großen Vaters glückloser Sohn? In: Gerd Althoff. Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. 2., erw. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart u.a. 2005, S.137-152.
  36. Hubertus Seibert, Eines großen Vaters glückloser Sohn? Die neue Politik Ottos II., in: Ottonische Neuanfänge, hg. von Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter, Mainz 2001, S. 293–320, hier: S. 296.
  37. Gerd Althoff/Hagen Keller: Spätantike bis zum Ende des Mittelalters. Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen. Krisen und Konsolidierungen 888–1024. (Gebhardt – Handbuch der deutschen Geschichte, 10., völlig neu bearbeitete Auflage), Stuttgart 2008, S. 241f.
VorgängerAmtNachfolger
Otto I.Römisch-deutscher Kaiser
973–983
Otto III.
Heinrich I.Herzog von Sachsen
936–973
Bernhard I.
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