Pascal Couchepin
Pascal Couchepin (bürgerlich: Pascal Roger Couchepin[1]; * 5. April 1942 in Martigny, heimatberechtigt ebenda) ist ein Schweizer Politiker der «FDP. Die Liberalen.» (früher Freisinnig-Demokratische Partei). Er ist seit 1998 Mitglied der Schweizer Regierung, des Bundesrates.
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Berufliche und politische Karriere
Pascal Couchepin studierte wie bereits sein Vater Rechtswissenschaften an der Universität Lausanne, wo er 1966 das Lizentiat und 1968 das Anwaltsexamen ablegte. Im gleichen Jahr wurde er in den Gemeinderat, die Exekutive, von Martigny gewählt und war dort 1984–1998 Stadtpräsident. 1979 wurde er in den Nationalrat gewählt und war 1989–1996 Präsident der Freisinnig-Demokratischen Fraktion in der Bundesversammlung.
Am 11. März 1998 wurde er von der Bundesversammlung in den Bundesrat gewählt. Während seiner Amtszeit stand er folgenden Departementen vor:
- 1998–2002: Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement
- 2003–2009: Eidgenössisches Departement des Innern
Pascal Couchepin war Bundespräsident der Schweiz in den Jahren 2003 und 2008 und Vizepräsident in den Jahren 2002 und 2007.
Als Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements vertrat er die Schweiz in der Welthandelsorganisation (WTO) und amtierte als Gouverneur der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE).
Vor seiner Wahl in den Bundesrat war Couchepin Mitglied mehrerer Verwaltungsräte (TSA Telecom SA, Elektrowatt Holding). Zudem war er Präsident der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft und in verschiedenen Behinderten-Organisationen aktiv.
Er ist eine der wenigen Schweizer Persönlichkeiten, welche an der Bilderberg-Konferenz teilnehmen.[2]
Am 12. Juni 2009 reichte Couchepin seinen Rücktritt aus dem Bundesrat per Ende Oktober ein.[3] Als Nachfolger wurde am 16. September im 4. Wahlgang der Neuenburger Ständerat Didier Burkhalter gewählt.
Kritik
Pascal Couchepin gilt als scharfer Kritiker des umstrittenen (alt-)Bundesrates Christoph Blocher und geriet infolgedessen mehrmals ins Kreuzfeuer dessen Partei, der SVP, und teilweise auch der Schweizer Medien. So etwa am 7. September 2007, als er im Tessiner Radio RSI während einem Interview die SVP scharf kritisierte. Dabei hat Couchepin seinen Amtskollegen Blocher indirekt mit dem ehemaligen italienischen Diktator Benito Mussolini verglichen, indem er meinte: «Niemand, auch nicht der ‹Duce›, ist unverzichtbar für das Wohlergehen unseres Landes. Das ist ungesund».[4] Anlass zur Kritik gab auch ein Vorfall am 7. Februar 2008, als Couchepin während einer Kommissionssitzung den SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli mit dem NS-Arzt und Massenmörder Joseph Mengele in Verbindung brachte. Während er von Mengele sprach, verwendete Couchepin die Wortwahl «Dr. Mörgele» statt «Dr. Mengele». Couchepin beharrte darauf, dass ihm lediglich ein Versprecher unterlaufen sei, während seine Kritiker ihm vorwarfen, absichtlich diesen Vergleich gezogen zu haben.
Privates
Pascal Couchepin ist heimatberechtigt in Martigny (VS). Er ist verheiratet mit Brigitte Rendu, der Tochter eines Pariser Arztes. Gemeinsam haben sie drei Kinder. Sein Vater war Grossrat, sein Grossvater (Jules) Stadtpräsident von Martigny und Nationalrat, sein Urgrossvater Gemeindepräsident und Kantonsrichter.[5]
Literatur
- Pascal Couchepin: Ich glaube an die Politik – Gespräche mit Jean Romain. In: NZZ 2002, ISBN 3-03823-031-6
Commons: Pascal Couchepin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
- Literatur von und über Pascal Couchepin im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Offizielle Homepage von Pascal Couchepin
- Artikel Couchepin, Pascal im Historischen Lexikon der Schweiz
- Artikel Couchepin, Jules im Historischen Lexikon der Schweiz (=Grossvater von Pascal)
- Pascal Couchepin auf der Website der Bundesversammlung (Angaben zu seiner Zeit als Nationalrat)
Einzelnachweise
- ↑ Eidgenössische Bundeskanzlei: Der Bund kurz erklärt, Seite 55. Erschienen 2008
- ↑ Teilnahme im Jahr 2005 bestätigt, und zwar in Form einer Antwort des Bundesrates auf eine Interpellation im Nationalrat
- ↑ Bundesrat Pascal Couchepin tritt zurück. Aargauer Zeitung. Abgerufen am 12. Juni 2009.
- ↑ Couchepin kritisiert die SVP hart, NZZ Online, 8. September 2007 (besucht am 23. November 2008)
- ↑ Interview im Beobachter Ausgabe 21/2009 (abgerufen am 25.10.2009)
| Vorgänger | Mitglied im Schweizer Bundesrat 1998–2009 | Nachfolger |
Micheline Calmy-Rey | Pascal Couchepin | Moritz Leuenberger | Doris Leuthard | Ueli Maurer | Hans-Rudolf Merz | Eveline Widmer-Schlumpf
Friedrich Frey-Herosé | Wilhelm Matthias Naeff | Josef Munzinger | Constant Fornerod | Josef Martin Knüsel | Johann Jakob Scherer | Karl Schenk | Joachim Heer | Numa Droz | Louis Ruchonnet | Adolf Deucher | Adrien Lachenal | Ludwig Forrer | Josef Anton Schobinger | Edmund Schulthess | Hermann Obrecht | Walther Stampfli | Rodolphe Rubattel | Thomas Holenstein | Friedrich Traugott Wahlen | Hans Schaffner | Ernst Brugger | Fritz Honegger | Kurt Furgler | Jean-Pascal Delamuraz | Pascal Couchepin | Joseph Deiss | Doris Leuthard
Stefano Franscini | Giovanni Battista Pioda | Karl Schenk | Jakob Dubs | Josef Martin Knüsel | Numa Droz | Adolf Deucher | Eugène Ruffy | Adrien Lachenal | Marc-Emile Ruchet | Ludwig Forrer | Josef Anton Schobinger | Camille Decoppet | Louis Perrier | Felix-Louis Calonder | Gustave Ador | Ernest Chuard | Marcel Pilet-Golaz | Albert Meyer | Philipp Etter | Hans-Peter Tschudi | Hans Hürlimann | Alphons Egli | Flavio Cotti | Ruth Dreifuss | Pascal Couchepin
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Couchepin, Pascal |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Politiker (FDP) |
| GEBURTSDATUM | 5. April 1942 |
| GEBURTSORT | Martigny VS |