Perlentaucher
Perlentaucher
| Perlentaucher Medien | |
|---|---|
| Unternehmensform | GmbH |
| Gründung | 2000 |
| Unternehmenssitz | Berlin |
| Unternehmensleitung | Thierry Chervel |
| Produkte | Presseschauen, Buchkritiken |
| Website | |
Der Perlentaucher ist ein deutsches Onlinemagazin für Literatur und Kultur.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Perlentaucher ist nach eigenen Angaben mit über 500.000 Besuchern im Monat (Stand: 2007)[1] „wohl das größte Kulturmagazin im deutschsprachigen Netz“.[2] Kernelemente sind eine Feuilletonrundschau, in der täglich die Feuilletons der großen deutschsprachigen Qualitätszeitungen (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Neue Zürcher Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Der Tagesspiegel, tageszeitung, Die Welt, Die Zeit) ausgewertet und zusammengefasst werden, eine internationale Magazinrundschau sowie eine Buchdatenbank mit Ende 2009 etwa 33.000 Einträgen,[3] in der sich seit dem Jahr 2000 Resümees zu praktisch allen in diesen Zeitungen veröffentlichten Buchkritiken finden.
Gegen den Weiterverkauf dieser Zusammenfassungen an die Online-Buchhändler amazon.de und buecher.de sehen FAZ und SZ ihre Urheberrechte verletzt. Ihre Klagen auf Unterlassung und Schadenersatz wurden jedoch am 23. November 2006 vom Landgericht Frankfurt am Main und am 11. Dezember 2007 auch in zweiter Instanz abgewiesen. Die Abstracts der Buchrezensionen seien als freie Benutzungen der Originalrezensionen zulässig (§ 24 UrhG). Ebenso wenig verstoße ihre gewerbliche Nutzung gegen Markenrechte der Kläger oder gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Dagegen legten FAZ und SZ Revision ein. Am 1. Dezember 2010 hob der Bundesgerichtshof die Berufungsurteile auf und verwies die Sachen an das Oberlandesgericht Frankfurt am Main zurück.[4]
Die Feuilletonrundschau mit dem Titel „Heute in den Feuilletons“ wird täglich durch Spiegel Online übernommen. Perlentaucher verkauft Bannerwerbung auf der Website und in den verschickten E-Mail-Newslettern und bietet einen Service zum Erstellen von Websites an.
Die Idee für den Perlentaucher hatten im Jahr 1999 Anja Seeliger und Thierry Chervel, die dann zusammen mit Adam Cwientzek und Niclas Seeliger die Perlentaucher Medien GmbH gründeten. Seit 15. März 2000 ist der Perlentaucher online.
Die Website wurde 2003 mit dem „Grimme Online Award Medienjournalismus“ ausgezeichnet. Die Jury bezeichnete Perlentaucher.de als ein einzigartige[s] „Journal der Journale“.[5]
Im Jahr 2005 hat der Perlentaucher mit Förderung der Kulturstiftung des Bundes eine englischsprachige Schwesterseite gegründet: signandsight.com richtet sich an ein internationales Publikum und will mit einer eigenen Feuilletonschau, Übersetzungen ausgewählter Artikel und Themen-Schwerpunkten einen Einblick in das zeitgenössische Kulturleben und die gesellschaftliche Debatte in Deutschland geben.
Perlentaucher betreute gemeinsam mit dem Magazin Courrier international (Le Monde) von 2005 bis zum April 2008 die Presseschau der Seite euro|topics, eines Webangebots der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).[6] Nachdem im Juni 2007 der damalige freie Mitarbeiter für euro|topics, Olaf Sundermeyer, in der FAZ einen Artikel gegen die Arbeit von Perlentaucher veröffentlicht hatte,[7] ließ bpb-Präsident Thomas Krüger das Projekt im Oktober 2007 neu ausschreiben. Die Ausschreibung gewann das Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung e.V. (n-ost), ein auf Osteuropa spezialisiertes Netzwerk von etwa 200 internationalen Journalisten[8] und Medien, dem auch Sundermeyer angehört.[9] Beiratsmitglied von n-ost ist der FAZ-Mitherausgeber Werner d’Inka. Dieser versicherte, von der Bewerbung nur „beiläufig in meiner Funktion als Beirat“ erfahren zu haben und erst danach mit Sundermeyer Kontakt aufgenommen zu haben.[10] Perlentaucher verlor damit seinen bis dahin größten Auftrag in Höhe von 560.000 Euro.[11]
Auseinandersetzung mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung warf Perlentaucher im Juni 2007 vor, durch die veröffentlichten Zusammenfassungen von fremden Feuilletontexten, die „Gedanken der anderen“ zu Geld zu machen. Zudem werde das Unternehmen (via eurotopics) staatlich subventioniert.[7]
Perlentaucher wehrte sich mit zwei Artikeln gegen die Vorwürfe und beschuldigte die FAZ unter anderem der Stimmungsmache, da die FAZ (ohne es dem Leser mitzuteilen) zum Zeitpunkt der Kritik auch gleichzeitig einen Gerichtsprozess gegen perlentaucher führte.[12]
Onlineauftritt von perlentaucher.deOnlineauftritt von signandsight.com (englisch) Onlinebericht auf theaterforschung.de: Angaben und Daten über das Online-Journal Perlentaucher über Literaturportale im Netz, in: dpa / netzeitung.de, 2. März 2007, von Annika Graf über Literaturportale im Netz, in: Deutschlandradio Kultur, 17. September 2007, von Carolin Pirich Einzelnachweise
- ↑ Laut IVW, nachzuschlagen unter diesem Link.
- ↑ „Signandsight – das ist hier die Frage“, Perlentaucher, 21. Februar 2005.
- ↑ Datenbankstatistik. perlentaucher.de, abgerufen am 23. November 2009 (Datenbankstatistik: Bücher: 33187, Notizen: 54759, Autoren: 22114, Verlage: 2050).
- ↑ Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs
- ↑ „Preisträger des »Grimme Online Award Medienjournalismus«“, Adolf-Grimme-Institut, 2003.
- ↑ „In eigener Sache. Abschied von Eurotopics“, perlentaucher.de, 4. März 2008.
- ↑ a b „Internet. Die Gedanken der anderen“, FAZ, 29. Juni 2007.
- ↑ „Die Gedanken der anderen“, die tageszeitung, 8. März 2008.
- ↑ Beiträge von Sundermeyer, n-ost.de.
- ↑ Daland Segler: „Kulturmagazin. Eine Perle weniger“, Frankfurter Rundschau, 10. März 2008.
- ↑ „Perlentaucher verliert seinen größten Auftrag“, Tagesspiegel, 11. März 2008.
- ↑ Anja Seeliger: „Olaf Sundermeyers FAZ-Artikel gegen den Perlentaucher: Einige Richtigstellungen“, perlentaucher.de, 10. Juli 2007. Thierry Chervel: „Die Perlentaucher-Affäre – oder die FAZ als Waffe“, perlentaucher.de, 10. Juli 2007.
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