Puma Schützenpanzer
Mobilitätsversuchfahrzeug-VS2 mit Gewichtssimulatoren in der WTD 41. Der Schützenpanzer besitzt seit 2008 sechs Laufrollen | |
| Puma | |
|---|---|
| Allgemeine Eigenschaften | |
| Besatzung | 3 (Fahrer, Kommandant, Richtschütze) + 6 (Schützentrupp) |
| Länge | 7,40 m |
| Breite | 3,43 m Schutzstufe A 3,70 m Schutzstufe C |
| Höhe | ca 3,10 m |
| Gewicht | Schutzstufe A = 31,45 Tonnen Schutzstufe C = 41 Tonnen maximal 43 Tonnen |
| Panzerung und Bewaffnung | |
| Panzerung | modular, Verbundpanzerung (AMAP) |
| Hauptbewaffnung | 1 × 30-mm-MK 30-2/ABM (Hunter-Killer-Fähigkeit) |
| Sekundärbewaffnung | MG 4, Kal. 5,56 mm, Nebelmittelwurfanlage 76 mm Sprengkörperwurfanlage 76 mm |
| Beweglichkeit | |
| Antrieb | V10 892 High Power Density von MTU Friedrichshafen 800 kW (1088 PS) |
| Federung | hydropneumatisch |
| Höchstgeschwindigkeit | 70 km/h (Straße) |
| Leistung/Gewicht | 25 kW/Tonne (Schutzstufe A) 19,5 kW/Tonne (Schutzstufe C) |
| Reichweite | 600 km (Straße) |
Der Puma ist ein Schützenpanzer, der von den deutschen Rüstungsherstellern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall-Landsysteme (RLS) entwickelt und produziert wird. Die Ausführung erfolgt durch Projekt System-Management (PSM), ein Gemeinschaftsunternehmen von KMW und RLS. Er soll ab 2010 beim Heer der Bundeswehr, das insgesamt 405 Stück erhalten wird, den Schützenpanzer Marder ersetzen.
Inhaltsverzeichnis |
Entwicklung
Projektierung und Realisierung
Die Ursprünge des Puma reichen bis in das Jahr 1996 zurück. Er basiert auf dem Projekt Neue Gepanzerte Plattform (NGP), das eine Universalplattform für verschiedene Waffensysteme vorsah. So wurde Anfang 1998 das taktische Konzept Neuer Schützenpanzer (NeSPz) genehmigt und zeitweise unter den Projektnamen Panther und Igel geführt. Nach einer Bedarfsermittlung im Jahr 2002 folgte Ende 2002 der Vertragsabschluss.
Der Vertrag umfasste die Lieferung eines Gesamtsystemdemonstrators (GSD) im Dezember 2005. Neben dem GSD sind im Vertrag ebenfalls drei weitere Teilsystemdemonstratoren (TSD) für Waffen/Munition sowie Mobilität und Schutz enthalten. Sie dienen als Nachweis der Erfüllbarkeit des Projektes gegenüber dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB).
Im Dezember 2004 unterschrieb das BWB einen Vertrag zur Lieferung von fünf vorgezogenen Vorserienfahrzeugen mit einer Option für 405 weitere Schützenpanzer. Die Lieferung der Vorserienfahrzeuge erfolgte wie Planung im Jahre 2006. Sie werden genutzt, um an den Wehrtechnischen Dienststellen des BWB die Tauglichkeit des Systems nachzuweisen sowie Schwachstellen aufzudecken.
Die Bestätigung für die Option sollte am 8. November 2007 erfolgen, verschob sich jedoch aufgrund von technischen Problemen in das Jahr 2009. So wurde am 6. Mai 2009 im 6. Sachstandsbericht zum Vorhaben Schützenpanzer (SPz) PUMA des Bundesministerium der Verteidigung Probleme mit dem Antriebsstrang und dem Laufwerk gemeldet. Trotz erheblicher Bedenken des Bundesrechnungshofes genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestages die Bestellung der Schützenpanzer und der Vertrag wurde Anfang Juli 2009 unterschrieben.[1] Insgesamt wurden 405 Stück zu einem Gesamtpreis von 3,1 Milliarden Euro bestellt.[2]
Aufgrund der technischen Probleme werden jedoch bis 2012 zunächst nur zehn Puma ausgeliefert, an denen die Einsatzfähigkeit getestet und gegebenenfalls verbessert werden soll. Das Ende der Auslieferung ist weiterhin für das Jahr 2020 geplant. [3]
Puma als Plattform
Durch seine Entwicklung aus dem NGP und dem Innenraumvolumen von 10 m³ bietet der Puma eine variable Einheitsplattform wie schon der Leopard 1 und Leopard 2. So ist nach dem neuen Beschaffungsplan der Bundeswehr eine weitere Nutzung als Berge-, Transport- oder Flugabwehrpanzer möglich.
Beteiligte Firmen
Neben der Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG und der Rheinmetall Landsysteme GmbH als Hauptauftragnehmer arbeiten eine Reihe weiterer Firmen an dem Projekt. Hierzu gehören u. a. die Autoflug GmbH (Sitze, Kraftstoffanlage), die Diehl Remscheid GmbH (Gleisketten, Triebkränze), die Dräger Safety AG & Co. KGaA (ABC-Schutzanlage), die ESW GmbH (Generator, Bordnetzversorgung, elektrische Lüfter, Waffenrichtanlage), Heckler und Koch, Kidde Deugra Löschsysteme, MTU Friedrichshafen (Triebwerk), die Oerlikon Contraves AG, die Renk AG (Getriebe), die Rexxon GmbH (Klimaanlage), Schleifring und Apparatebau GmbH und Carl Zeiss Optronics GmbH (Optiken).
Überblick
Der Puma ist ein in der Grundausstattung luftverladbarer Schützenpanzer mit fernbedienbarem und besatzungslosem Turm sowie einem durchgängigen Kampfraum. Die Besatzung besteht aus neun Personen und unterteilt sich in einen aus sechs Soldaten bestehenden Schützentrupp und eine aus Gruppenführer (GrpFhr), Truppführer-Waffensystem (TrpFhrWaSys) und Fahrer (MKF) bestehende feste Fahrzeugbesatzung. Der Schützentrupp besteht aus dem Truppführer und fünf Schützen. In Ausnahmefällen erhöht sich die Absitzstärke mit dem Gruppenführer auf sieben. Das Fahrzeug führt dann der Truppführer-Waffensystem (Richtschütze).
Die Anordnung der Besatzung im Fahrzeug ist dabei wie folgt: Der Fahrer sitzt vorne links, hinter ihm der Richtschütze. Er bedient die Waffenanlage und sitzt vor dem Drehträger des besatzungslosen Turmes, die Übertragung der Steuerbefehle erfolgt über Schleifringe. Der Gruppenführer sitzt rechts direkt neben dem Richtschützen und verfügt über eine eigene Schiebeluke. Er unterstützt so den Fahrer beim Führen des Fahrzeuges im Straßenverkehr. Aufgrund der asymmetrischen Anordnung des Turmes auf der linken Fahrzeugseite hat der Gruppenführer direkte Sicht auf die Soldaten im hinteren Kampfraum und zum Truppführer.
Im Gegensatz zum Schützenpanzer Marder sitzt sich der Schützentrupp gegenüber („face to face”). Dabei sitzen vier Soldaten auf der rechten und zwei Soldaten auf der linken Seite. Ein zentrales Staurack unter dem Turm dient als Stauraum für die Ausrüstung. Gegen Brände verfügt der Kampfraum über eine Brandunterdrückungsanlage (BUA). Ausgestattet mit Infrarot-Detektoren löscht die Anlage auftretende Brände in 150 Millisekunden. Das gasförmige Löschmittel DeuGen-N ist laut Hersteller für den Menschen unbedenklich. Die gesamte Inneneinrichtung ist dabei „minensicher” ausgeführt und hat keinen Kontakt zum Boden. Darüber hinaus verfügt der Truppführer über eine Schiebeluke. Der geplante Kampfstand für zwei Soldaten in der teilgeöffneten Heckklappe wurde durch die erhöhte Selbstgefährdung verworfen.
Neben dem Einsatz bei den Panzergrenadieren findet der Puma zudem als Ausbildungs- und Schulungsfahrzeug Verwendung. Die Möglichkeit als Plattform für die Joint Fire Support Team (JFST) der mechanisierten Kräfte wurde zugunsten des GTK Boxer verworfen. Joint Fire Support Team sind der Systemverbund aus Artilleriebeobachtern und vorgeschobenen Beobachtern der Mörser sowie dem Forward Air Controller der Luftwaffe. Ihre Aufgabe ist es, das Feuer der Artillerie, Mörser und der Luftnahunterstützung in das Ziel zu lenken.[4]
Technik
Antrieb und Laufwerk
Durch das neue 10-Zylinder-Kompakttriebwerk von MTU Friedrichshafen mit 800 kW Leistung und das Sechsgang-Getriebe HSWL 256 mit elektrohydraulischer adaptiver Steuerung von Renk soll eine mit dem Kampfpanzer Leopard 2 ähnliche Mobilität erreicht werden. Die Einbauform gleicht einem L. So sitzt das Triebwerk rechts vom Fahrer, wobei das Lenkschaltgetriebe quer vor dem Fahrer eingebaut ist.
Erstmalig in einem Panzer der Bundeswehr verfügt der Motor über einen Schwungrad-Starter-Generator mit einer zentralen Leistungselektronik mit rund 170 kW Nennleistung zur Versorgung der zwei seitlichen elektrischen Kühlerventilatoren mit je 60 kW sowie dem Antrieb des Kältemittelkompressors in der Klimaanlage. Das 24-V-Bordnetz wird aus der Leistungselektronik über einen bidirektionalen Wandler mit bis zu 800 A gespeist, über den auch der Dieselmotor aus der Fahrzeugbatterie gestartet wird.
Zum Brandschutz verfügt der Motorraum über eine Feuerlöschanlage der Firma Kidde Deugra Brandschutzsysteme GmbH. Das Löschmittel ist DeuGen-N.
Eine weitere Neuheit gegenüber dem Marder ist das entkoppelte hydropneumatische Stützrollenlaufwerk, gefertigt von Krauss-Maffei Wegmann. So ist das gesamte Fahrwerk von der Wanne getrennt und nur über Gummielemente damit verbunden. Dies verringert den Körperschallpegel von 120 dBA auf rund 96 dBA und ermöglicht dadurch der Besatzung einen längeren Aufenthalt im Fahrzeug. Die Federung erfolgt durch sogenannte „Hydrops”, hydropneumatische Federn, die mit komprimierbarem Gas die Federkraft erzeugen. Ein Temperatureffektkompensationssystem verhindert Auswirkungen der Temperaturänderungen in den Gasfedern auf die Laufwerkseigenschaften. Im Gegensatz zu einer Drehstabfederung ist diese Bauweise kompakt und benötigt keinen Raum im Bodenbereich. Ebenso wird die Bodenfreiheit bei konstant 450 mm gehalten, unabhängig von der Schutzstufe. Darüber hinaus befinden sich in den Laufwerksträgern die Hauptkraftstofftanks. Ein zentraler Entnahmetank sorgt für eine kontinuierliche Kraftstoffversorgung.
Als Gleiskette verwendet der Puma eine Stahl-Rohrkörperkonstruktion mit Gummilagerung und Gummilaufpolster der Firma Diehl. Aufgrund der Anforderung des Lufttransports ist diese um 40 % leichter als die Gleiskette des Leopard 1, besitzt aber die gleiche Widerstandsfähigkeit. Ursprünglich mit nur fünf Laufrollenpaare je Seite geplant wurde während der Fahrversuche deutlich, dass sechs Laufrollen notwendig sind.
Schutz
Die Panzerung des Puma ist modular aufgebaut, er verfügt über zwei Schutzstufen. Mit der Panzerung der Schutzstufe A (airportable) wird der Schützenpanzer mit dem zukünftigen militärischen Transportflugzeug Airbus A400M luftverlegbar sein. Um das geforderte Lufttransportgewicht von 31,45 t nicht zu überschreiten ist die mitgeführte Ausrüstung auf 1 t begrenzt. In Schutzstufe A ist er frontal gegen Panzerabwehrhand- (beispielsweise die RPG-7) und Mittelkaliberwaffen (30 mm), rundherum gegen Artilleriesplitter, sowie gegen schwere Blast- und projektilbildende Minen (10 kg) geschützt.
Die Schutzstufe C (combat) wird mit modular anzubringenden Zusatzpanzerungen erreicht. Diese umfasst den Turm-, Bomblet-, Minen-, und Frontschutz. Die Panzerung verstärkt den Schutz an den Seiten und am Dach. Hierdurch wird er gegen Panzerabwehrhand- und Mittelkaliberwaffen sowie Bomblets geschützt.
Die ursprünglich geplante Schutzstufe B (Bahntransport) wurde gestrichen, da der Puma auch in Schutzstufe C das Bahnverlademaß einhält. Der Puma hat eine ABC-Sammelschutzanlage von Dräger, zusätzlich ist ein AC-Sensor integriert. Die Abgase werden mit Frischluft vermischt und am Heck ausgestoßen, um die Infrarotsignatur zu reduzieren. Weitere Infrarotreduzierung wird durch einen entsprechenden Tarnanstrich erreicht.
Der Puma wird noch zusätzlich mit einem Softkill-System von EADS ausgerüstet. Dieses multifunktionale Selbstschutz-System (MUSS) erkennt anfliegende Raketen und stört deren Lenksensorik. Des Weiteren ist laut PSM die zusätzliche Installation eines Hardkill-System möglich.
Kommunikation
Das Fahrzeug ist mit einer Bordsprechverkehr (BV)- und Funkanlage ausgerüstet. Diese enthält die BV-Anlage Typ 80/90/93 und eine Funkanlage mit einem SEM 80/90 (VHF) sowie einem HRM 7400 (HF). Zur Informationsverarbeitung ist der Schützenpanzer mit einem Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES) ausgestattet. Das System soll Freund-Feind-Erkennung und Anbindung an bestehende Systeme der Bundeswehr wie FAUST (Führungsausstattung, taktisch), das Konzept Infanterist der Zukunft oder das Führungsinformationsystem des Heeres (FüInfoSys H) ermöglichen.[5]
Sensoren
Der Puma hatte bei seiner Vorführung eine turmunabhängige Hauptoptik (PERI, RTWL-B) für den Gruppen- und Truppführer sowie eine extra geschützte Waffenoptik (WAO) für den Richtschützen. Beide Systeme, gefertigt von Carl Zeiss Optronics GmbH, verfügen über einen Tagsichtkanal, Wärmebildgerät ATTICA und Laserentfernungsmesser (LDM 38). Bilder der Hauptoptik können mit einer CCD-Kamera auf zwei Displays für den Gruppen- und Truppführer angezeigt werden. Das Periskop besitzt insgesamt vier Sehfelder. Für den Einsatz in bebautem Gelände und im Nahbereich verfügt der Gruppenführer über ein Sehfeld von 60° × 45°. Zum Beobachten, Zielen und Identifizieren sind drei weitere Sehfelder bis 16-fache Vergrößerung verfügbar. Neben der digitalen Ausgabe verfügt die Optik ebenfalls über einen optischen Kanal inklusive Laserschutz für die Augen. Darüber hinaus werden dem Beobachter bei Tag- oder Nachtsicht Informationen über Turmstellung, Entfernung, Zielmarke, Navigations- und Systemdaten eingeblendet. Aufgrund der digitalen Signalverarbeitung ist das gesamte System netzwerktauglich, was eine Anbindung an bestehende Systeme der Bundeswehr ermöglicht. Die Waffenoptik in Verbindung mit der Feuerleitanlage des Puma ermöglicht dem Schützen eine Bekämpfung von Zielen während der Fahrt. Insgesamt verfügt die WAO über eine Tagsicht-CCD-Kamera mit Zoom-Objektiv und drei Sehfeldern, entsprechend den taktischen Anforderungen. Der Fahrer ist mit einem Nachtsichtgerät ausgestattet und hat einen Bildschirm für die Rückwärtskamera.
Bewaffnung
Die Bewaffnung des Schützenpanzer besteht aus einer Primär- und Sekundärbewaffnung, darunter eine Nebelmittel- und eine Sprengkörperwurfanlage. Bordmaschinenkanone und Maschinengewehr sind dabei im vollständig automatisierten Turm untergebracht. Sensoren und Aktoren überwachen die Funktion der Hauptwaffe.
Ein Novum gegenüber dem Marder ist die „Hunter-Killer-Fähigkeit“, bekannt von den Kampfpanzern. Klärt der Kommandant mit seinem Periskop einen Gegner auf, übergibt er das Ziel an den Richtschützen. Der Turm richtet sich darauf automatisch auf das Ziel aus, und der Richtschütze kann es bekämpfen, während der Kommandant nach weiteren Zielen sucht.
Primärbewaffnung
Die Hauptbewaffnung ist eine 30-mm-Bordmaschinenkanone des Typs MK 30-2/ABM, gefertigt von Rheinmetall Waffe Munition GmbH, die außermittig rechts im ferngesteuerten Turm eingebaut ist. Sie ist eine Weiterentwicklung der MK30-2, die schon im österreichischen Schützenpanzer Ulan und im spanischen Pizarro Verwendung findet. Mit der Maschinenkanone können gepanzerte Fahrzeuge bis zu einer Entfernung von 2000 Meter und mit der Air-Burst-Munition (ABM) bis zu 3000 Meter bekämpft werden. Die Waffe kann sowohl in Einzel- und schnellem Einzelfeuer (200 Schuss/min.) abgefeuert werden. Sie wiegt 198 Kilogramm und besteht aus Waffengehäuse, Rohr, Doppelgurtzuführer (DGZ) und Rücklaufvorrichtung. Wegen der thermischen Belastungen sind das gezogene Innenrohr und das Patronenlager verchromt. Der Höhenrichtbereich beträgt –10° bis +45°.
Neben panzerbrechenden APFSDS-T-Geschossen (Pfeilwuchtgeschoss mit Leuchtspur) besteht auch die Möglichkeit, eine spezielle KETF-Munition (Kinetic Energy Time Fuze), die auch unter der Bezeichnung AHEAD-Munition bekannt ist, zu verschießen. Gefertigt wird diese Air Burst Munition von RWM Schweiz GmbH, die wie der Hersteller der Mündungsbremse mit Messbasis (Oerlikon Contraves), eine Tochtergesellschaft von Rheinmetall Defence ist. Die Munition erlaubt den Einsatz gegen Schützenpanzer, Hubschrauber, Infanterie und befestigte Stellungen. Die Wirkung der Munition basiert auf 162 zylindrischen, je 1,24 Gramm schweren Wolfram-Subprojektilen, die – je nach Zeiteinstellung – nach einer vorberechneten Flugzeit oder vor dem Ziel ausgestoßen werden. Die einzelnen Projektile sind drallstabilisiert und fliegen in einem engen Konus dem Ziel entgegen. Die Zeiteinstellung erfolgt dabei erst beim Verlassen des Rohres in der Messbasis, nachdem die Mündungsgeschwindigkeit gemessen wurde. Bei stark gepanzerten Zielen ist ein Einsatz ohne Zeiteinstellung möglich.
Der gesamte Munitionsvorrat beträgt 400 Schuss. Die Lagerung von 200 Schuss erfolgt in einem Schneckenmagazin, das im Turmheck untergebracht ist. Ist der Hauptvorrat verschossen, kann von oben manuell die Reserve nachgeladen werden. Ein Beladen aus dem Inneren ist nicht möglich. Durch den Doppelgurtzuführer der Maschinenkanone können beide Munitionssorten im direkten Wechsel verschossen werden.
Sekundärbewaffnung
Die Sekundärbewaffnung besteht aus dem MG4 im Kaliber 5,56 Millimeter. Es ist achsparallel (koaxial) angeordnet und befindet sich, bedingt durch den Hülsenauswurf nach rechts und die Munitionszuführung von links, rechts von der Hauptwaffe. Im Gegensatz zur Infanterieversion fehlen diesem Turmmaschinengewehr (TMG) die Schulterstütze, das Zweibein und die Visiereinrichtung. Die maximale Kampfentfernung ist mit 1000 Meter angegeben. Der Munitionsvorrat beträgt 1000 Schuss plus 1000 Schuss Reserve.
Zur Verteidigung im Nahbereich (50 m) verfügt der Puma über eine Sprengkörperwurfanlage (SKWA) im Kaliber 76 Millimeter. Diese ist hinten links auf dem Fahrzeug montiert und hat einen Schwenkbereich von 90° um das Fahrzeugheck. Die Bedienung erfolgt durch den Truppführer.
Die Nebelmittelwurfanlage basiert auf eingeführten Systemen. So sind jeweils zwei Gruppen mit je vier Wurfbechern am Turmheck angeordnet und können einzeln oder gemeinsam ausgelöst werden.
Zur Panzer- und Hubschrauberabwehr wird der Puma im deutschen Heer mit dem Lenkflugkörper Spike-LR[6] des deutsch-niederländisch-israelischen Rüstungskonsortiums EuroSpike GmbH ausgerüstet. Als Startgerät dient die Waffenanlage MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System) aus dem Beschaffungsvorhaben für die Infanterie. Diese wird seitlich am Turm adaptiert und bietet Platz für zwei Lenkflugkörper.[7]
Kritik
Das Konzept des Puma ist in der Öffentlichkeit mehrfach kritisiert worden, unter anderem wegen des hohen Gewichtes. Der Puma kann voraussichtlich nur in der Schutzstufe A im zukünftigen militärischen Transportflugzeug Airbus A400M transportiert werden. Um für drei Pumas die Module für die Schutzstufe C nachzuliefern, wird ein weiterer Flug benötigt, wodurch der Transportaufwand um ein Drittel höher ist als bei seinem Vorgänger, dem Marder. Dazu kommt auch noch der Aufwand für die Demontage der Module sowie für die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft. Der Aufwand und die nötige Rücksicht beim Transport und der Einsatzplanung, die aus dem höheren Gewicht resultieren, gleicht mehr denen eines Kampfpanzers.
Kritisiert wurde auch die Verwendung eines achsparallelen Maschinengewehrs mit dem Kaliber 5,56 × 45 mm NATO. Dies ist bislang einzigartig und bringt gegenüber der üblichen Zweitbewaffnung im Kaliber 7,62 × 51 mm NATO Vorteile der Munitionsstandardisierung, aber Nachteile in Reichweite und Durchschlagskraft.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Höhe von 3,10 Metern. Mit ihr überragt der Puma vergleichbare Vorgängermodelle um bis zu 10 Zentimeter, im Gegensatz zu der Tendenz von Neuentwicklungen anderer Länder zu immer kleineren Schützenpanzern. Selbst Kampfpanzer wie der Leopard 2 sind niedriger.
Der Puma ist mit seinen Kosten von ca. 7 Millionen Euro pro Exemplar der bisher teuerste Schützenpanzer der Welt. Die hohen Stückkosten liegen zum Teil auch an der geringen Stückzahl, die gefertigt wird. Es ist wahrscheinlich, dass aufgrund des hohen Preises der Puma im internationalen Markt auf wenig Interesse stoßen wird; berücksichtigt werden muss dabei allerdings, dass die Entwicklungskosten auf den Stückpreis (erwartet 410 Stück) umgelegt werden, was bei weiteren Einheiten nicht mehr der Fall wäre. Traditionelle Kunden wie die Niederlande haben sich für andere Fahrzeuge entschieden.
Siehe auch
Literatur
- Förderkreis Deutsches Heer e.V: Schützenpanzer Puma, Wehrtechnischer Report, Februar 2006, Report Verlag
Commons: Schützenpanzer Puma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
- Parlamentarische Billigung
- Informationen zum SPz PUMA
- Broschüre des Herstellers (PDF, 368 kB)
- Herstellerinfos von Krauss-Maffei Wegmann
- Umfangreiche Bilderserie über den Prototyp auf Rommelkiste.de
- Herstellerinfo von Rheinmetall Defence
- Eurospike Homepage
- Ausführliche Seite (engl.)
- Puma Project auf army-technology.com (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ Spiegel Online: Ministerium bestellt 405 umstrittene Panzer [abgerufen am 9. Mai 2009]
- ↑ Artikel (Milliardenauftrag für Rheinmetall) auf rp-online.de
- ↑ Der Westen: Neuer Panzer für die Truppe [abgerufen am 6. Juli 2009]
- ↑ Strategie und Technik, Report Verlag, Ausgabe Januar 2009 Streitkräftegemeinsame Taktische Feuerunterstützung S.30 bis S.34
- ↑ psm-spz.com, SPz PUMA Integration FüInfoSysH (abgerufen am 26. Januar. 2009)
- ↑ Pressemitteilung der EuroSpike GmbH vom 29. Juni 2009
- ↑ psm-spz.com, Integration MELLS für PUMA beauftragt (abgerufen am 26. Januar. 2009)
Kampfpanzer: M 47 | M 48A1, M 48A2C, M48A2GA2 | Leopard 1 | Leopard 2
Schützenpanzer: M 39 | Schützenpanzer kurz, Hotchkiss 11-2;| Schützenpanzer lang, HS 30;| Marder | Puma
Raketenwerfer: Raketenwerfer MARS
Jagdpanzer: Kanonenjagdpanzer | Raketenjagdpanzer 1, HS 30 | Raketenjagdpanzer 2 | Jaguar 1 und 2
Spähpanzer/Beobachtungspanzer: M41 | Schützenpanzer Kurz 11-2 | Beobachtungspanzer
Panzerhaubitzen: leichte Panzerhaubitze M7B2 Priest | mittlere Panzerhaubitze M52 | mittlere Panzerhaubitze M44 | schwere Panzerhaubitze M55 | Selbstfahrlafette M107 | Selbstfahrlafette M110 | Panzerhaubitze M109 | Panzerhaubitze 2000
Transportpanzer: T16 gepanzertes Transportfahrzeug | M 113 G3 GE | Bv206D/S Geländetransportfahrzeug
Panzerpioniere: Minenwurfsystem Skorpion | Pionierpanzer Dachs | Brückenlegepanzer Biber | Brückenlegepanzer M48 | Minenräumpanzer Keiler
Flugabwehrpanzer: Roland | M 42 A1 | Flugabwehrkanonenpanzer Gepard
Bergepanzer: Bergepanzer 1 | Bergepanzer 2 | Bergepanzer Büffel
Sanitätspanzer: Wiesel 2 KrKw | M113 Krkw | Bv 206 S KrKw
Waffenträger: M113 Panzermörser 120mm | Wiesel 1 MK | Wiesel 1 TOW | Wiesel 2 120mm Mörser | Wiesel 2 Gefechtsstand | Wiesel 2 Pionier-Erkundungstrupp | Wiesel 2 Ozelot
Prototypen: VTS1 | VT1-1/-2 | Spähpanzer SP I.C.| GPM| Marder 2| PSB 2 (Erprobung)
Neue Gepanzerte Plattform
unter GFDL. Hier können Sie den Original-Artikel zu Puma_(Schützenpanzer) , die Versionsgeschichte
und die Liste der Autoren einsehen.