Russisches Reich
| Россійская Имперія Rossijskaja Imperija Russisches Reich | ||||||
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| Amtssprache | Russisch | |||||
| Hauptstadt | Moskau, dann durch Dekret St. Petersburg | |||||
| Regierungsform | Autokratie | |||||
| Staatsoberhaupt | Russischer Zar zuletzt Nikolaus II. | |||||
| Fläche | 1914: 21.799.825 km² | |||||
| Einwohner | 1916: ca. 181.537.800 | |||||
| Bevölkerungsdichte | 8,1 Einwohner pro km² | |||||
| Währung | Russischer Rubel | |||||
| Staatsgründung | 1721 | |||||
| Unabhängigkeit | Bis 3. Märzjul./ 16. März 1917greg.[1] | |||||
| Nationalhymne | Bosche, Zarja chrani! | |||||
| Karte | ||||||
Russisches Reich oder Russisches Imperium (russisch Российская Империя, Rossijskaja Imperija, Schreibweise vor 1918: Россійская Имперія) war der im Jahre 1721 von Zar Peter dem Großen eingeführte offizielle Name für das bis dahin bestehende Zarentum Russland. Auslöser war die durch den Sieg über die Großmacht Schweden im Großen Nordischen Krieg erlangte Vormachtstellung Russlands in Ost- und Nordeuropa sowie Peters allgemeine Bestrebungen zur Reformierung des russischen Staatswesen nach westeuropäischem Vorbild. Im offiziellen Sprachgebrauch ersetzte die bis dahin nur gelegentlich verwendete hellenisierte Form Rossija nun endgültig das Wort Rus.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie
Hauptartikel: Russische Großlandschaften
Seine größte Ausdehnung erlangte das Reich zwischen 1742 und 1867 mit der Einverleibung der baltischen Staaten (Estland, Lettland, Litauen), Finnlands, Polens, der Nordost-Türkei sowie Alaskas und war damit der größte Staat und der größte Herrschaftsraum der Geschichte.
Das Reich grenzte nach 1917 an zehn Nachbarstaaten:
im Westen an das Deutsche Kaiserreich, Königreich Rumänien, Österreich-Ungarn, die Ostsee, die Königreiche Schweden und Norwegen; im Norden an die Barentssee, die Karasee, die Laptewsee sowie an die Ostsibirische See; im Osten an das Ochotskische Meer, das Beringmeer sowie an den Pazifischen Ozean; im Süden an das japanische Korea, das Kaiserreich China, die Mongolei, Afghanistan, Persien, das Osmanische Reich und das Schwarze Meer.
Das Territorium Russlands umfasste mit 22,4 Millionen Quadratkilometern fast ein Sechstel des Festlandes der Erde. In West-Ost-Richtung erstreckte es sich vom Schwarzen Meer und der Ostsee bis zum Pazifischen Ozean über fast 10.000 Kilometer. Von Norden nach Süden hatte es eine Ausdehnung von fast 5.000 Kilometern. Das Reich berührte 11 der 24 Zeitzonen der Erde.
Territorien
Zusätzlich zu dem Gebiet des modernen Russlands[2] umfasste das Reich in Europa die Ostseegouvernements Estland, Livland und Kurland, Kongresspolen, den größten Teil der Ukraine, Weißrussland, Moldova, Finnland (Großfürstentum Finnland), Armenien, Aserbaidschan und Georgien. Ebenfalls umfasste das Gebiet die Provinzen Ardahan, Artvin, Iğdır und Kars der heutigen Türkei.
In Zentralasien gehörten zum Reich Kasachstan, Kirgisistan Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan (Generalgouvernement Turkestan). Bis 1867 wurde Alaska als russische Kolonie angesehen.
Bevölkerung
Der Anteil der Russen („Großrussen“) an der Bevölkerung des Russischen Reich lag bei etwa 49 Prozent, wobei nach der damaligen Betrachtungsweise darüber hinaus auch die Ukrainer („Kleinrussen“) und Weißrussen als integraler Bestandteil des russischen Volkes gesehen wurden.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Russlands
In der Epoche des Russischen Reiches, das bis zur Oktoberrevolution von 1917 bestand, erlangte das Land seine bisher größte territoriale Ausdehnung und entwickelte sich zu einem der größten Reiche der Weltgeschichte. Zu seinem Herrschaftsgebiet gehörten neben dem heutigen Russland und den Territorien der späteren UdSSR zeitweilig auch Finnland, der größte Teil Polens, Nordost-Anatolien sowie Alaska. Seine unmittelbaren Protektorate und Einflußgebiete umfassten die Mandschurei, ganz Turkestan und den nördlichen Teil Persiens. Auf dem europäischen Kontinent war das Russische Reich einer der entscheidenden Akteure und spielte vor allem in der Zeit der Heiligen Allianz die führende Rolle im europäischen Sicherheitssystem.
Politisches System
Der Gothaischer Hofkalender von 1910 beschreibt Russland als „Konstitutionelle Monarchie unter einem autokratischen Zar“. Dieser offensichtliche Widerspruch gibt die Schwierigkeit wieder, Russlands politisches System zu beschreiben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Reich einer fortwährenden Veränderung des Herrschaftssystems unterzogen. Vor dem Oktober 1905, als mit dem Oktobermanifest die erste Duma einberufen wurde, galt Russland als autokratische und absolutistische Monarchie. Der Zar, der sich als „Kaiser und Selbstherrscher aller Reußen“[3] sah, herrschte von Gottes Gnaden uneingeschränkt über das Reich.
Zwar wurden nach dem Oktober 1905 und der Eröffnung der Duma am 27. Apriljul./ 10. Mai 1906greg. verschiedene Gesetze zur Öffnung des Landes erlassen, so wurden mit dem Reichsgrundgesetz von 1906 in Russland erstmal Grundrechte und -freiheiten gewährt. Dennoch wurden die Prinzipien der Autokratie eifersüchtig beschützt. Das „uneingeschränkt“ im Herrschaftsanspruch des Zaren wurde gestrichen, eine wirkliche konstitutionelle oder gar eine parlamentarische Monarchie wurde jedoch nicht geschaffen.[4]
Monarchie
Hauptartikel: Zar von Russland
Die russische Erbmonarchie hatte sich aus den Großfürsten des Großfürstentums Moskau entwickelt. Der erste Zar war Iwan der Schreckliche, der sich 1547 krönen ließ. Nach langen Wirrungen wurde der Titel des Zaren von 1613 bis 1725 von den Romanows getragen, dann von dem Haus Haus Romanow-Holstein-Gottorp fortgeführt. Die Zaren sahen sich als Nachfolger des Basileus, des Kaisers des Byzantinischen Reiches.[5]
Peter der Große änderte 1721 seinen Titel von „Zar“ in „Kaiser“ („Imperator“), doch blieb der Zarentitel in der vollständigen Herrschertitulatur teilweise erhalten, und zwar in Bezug auf die ehemalige tatarische Khanate (auf Russisch: Zarentümer) Kasan, Astrachan und Sibir. Die Verwendung des aus dem Lateinischen entlehnten „Imperija“ stand für die von Peter I. angestrebte Modernität nach Maßgabe des westeuropäischen Absolutismus.
Die Macht des Kaisers war vor dem Oktobermanifest 1905 nur dadurch beschränkt, dass der Zar Mitglied der Russisch-Orthodoxen Kirche sein musste und dem Hausgesetz der Romanows zu folgen hatte. Durch das Manifest schränkte sich der Herrscher selbst ein. Von nun an konnte kein Gesetz ohne Zustimmung der Duma mehr in Kraft treten. Allerdings konnte diese durch den Kaiser aufgelöst werden, ebenso hatte er ein Vetorecht. [6]
Duma
Hauptartikel: Staatsduma im zarischen Russland
Militär
Hauptartikel: Kaiserlich Russische Armee, Kaiserlich Russische Marine
Von 1750 bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts verfügte das kaiserliche Heer über cirka 186.000 Mann in regulären Verbänden. Zusätzlich gab es noch irreguläre Kosakenverbände. Diese machten eine Gesmatzahl von etwa 200.000 Mann aus. Zu Beginn des Russlandfeldzuges Napoleons im Jahr 1812 standen im westlichen Teil des Russischen Reiches rund 250.000 Mann bereit. Dazu kam eine unbestimmte Zahl von Soldaten im asiatischen Teil des Landes. Nach den Napoleonischen Kriegen und der führenden Rolle bei der Niederringung Napoleons in den sich anschließenden Befreiungskriegen, sahen viele das Russische Reich als stärkste europäische Militär- und Landmacht an. Nach dem verlorenen Krimkrieg nahm Frankreich diese Stellung ein, welches wiederum 1871 vom neu gegründeten Deutschen Kaiserreich abgelöst wurde. Das russische Heer wurde in der Phase des Imperialismus im 19. Jahrhundert, wie in anderen europäischen Staaten auch, stetig vergrößert. Im Jahr 1888 lag die Gesamtfriedensstärke bei knapp 1,2 Millionen Soldaten. Bis 1904 wuchs sie auf 2,1 Millionen Mann, und bei Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 lag sie bei 4 Millionen Mann. Bei vollständiger Mobilisierung im Kriegsfall standen 1888 2,8 Millionen Mann, 1904 fünf Millionen und 1914 bereits 13 Millionen Mann zur Verfügung.
Das russische Heer war 1914 zahlenmäßig das größte Heer Europas. Dies führte zwangsläufig zu Einschnitten bei der Ausrüstung vieler Truppenteile. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs mangelte es bei rund der Hälfte der Infanteriedivisionen an Waffen, Munition oder sonstiger Ausrüstung. Hinzu kam eine schlechte Versorgungslage der russischen Armeen, die traditionell bestand.
Die Russische Marine, von Kaiser Peter den Großen am Anfang des 18. Jahrhunderts zielgerichtet ausgebaut, war anfang der 1870er Jahre sogar größer als die britische Flotte. Durch den rasanten technischen Fortschritt veralteteten jedoch die Schiffe, während die Offiziere nur unzureichend ausgebildet waren. Die Mängel der Russischen Marine traten schließlich 1905 in der Seeschlacht bei Tsushima offen zu Tage.
Literatur
- Andreas Kappeler: Russland als Vielvölkerreich. Entstehung – Geschichte – Zerfall. C. H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47573-6
- Hartwig Ludwig Christian Bacmeister: Kurze Geographie des Russischen Reiches, Reval 1773
- Johann Gottlieb Georgi/Christian Bacmeister: Geographisch-physikalische und naturhistorische Beschreibung des russischen Reiches…, Königsberg 1797
Weblinks zu zu Einzelnachweise