Oder

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Oder

Einzugsgebiet der Oder

Daten
LageIn Tschechien, Polen, Deutschland
Gewässerkennzahl6
Länge866 km
Quellebei Kozlov am südöstlichen Fuße des Fidlův kopec in den Oderbergen
49° 36′ 47,9″ N, 17° 31′ 14,8″ O49.61329166666717.520777777778634
Quellhöhe634 m n.m.
MündungIn das Stettiner Haff53.60166666666714.5897222222220Koordinaten: 53° 36′ 6″ N, 14° 35′ 23″ O
53° 36′ 6″ N, 14° 35′ 23″ O53.60166666666714.5897222222220
Mündungshöhem n.p.m.
Höhenunterschied634 m
FlusssystemOder
Einzugsgebiet118 861 km²
AbflussmengeMQ: 574 m³/s
Rechte NebenflüsseMalapane, Weide, Bartsch, Warthe, Ihna
Linke NebenflüsseOppa, Osobłoga, Glatzer Neiße, Oława, Schweidnitzer Weistritz, Kaczawa, Bobr, Lausitzer Neiße, Welse
GroßstädteOstrava, Oppeln, Breslau, Stettin
MittelstädteRacibórz, Kędzierzyn-Koźle, Głogów, Nowa Sól, Frankfurt (Oder), Schwedt/Oder, Police
KleinstädteGryfino, Krapkowice, Krosno Odrzańskie, Lebus, Jelcz-Laskowice, Brzeg Dolny, Ścinawa, Küstrin, Słubice
SchiffbarVon der Mündung bis Koźle
Untere Oderniederung (Nationalparkgebiet), vom östlichen Rand bei Krajnik-Dolny (Gemeinde Chojna und gegenüber Schwedt)

Die Oder (polnisch Odra, tschech. Odra, sorbisch Wodra) ist ein mitteleuropäischer Strom, der in Tschechien entspringt, durch Polen fließt und die Grenze zwischen Polen und Deutschland bildet. Sie mündet durch das Stettiner Haff und um die Inseln Usedom und Wolin herum in die Ostsee. Die Oder als Grenzfluss ist ein Ergebnis des Zweiten Weltkriegs. Die Oder ist 866 km lang (898 km bis Świnoujście (Swinemünde).

Zu ihren Nebenflüssen gehören die Lausitzer Neiße und die Warthe, die als längster Nebenfluss die größte Länge des Flusssystems auf 1045 Kilometer verlängert. Der mittlere Abfluss beträgt 574 m³/s, womit die Oder nach Rhein, Donau, Inn und Elbe der fünftgrößte Fluss in Deutschland ist. Ihr Einzugsgebiet ist im Westen und Südwesten von dem der Elbe, im Osten von dem der Weichsel und im Süden von dem der Donau begrenzt.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

Zusammenfluss von Oder und Olsa knapp nördlich der tschechisch-polnischen Grenze

Sie entspringt am Lieselberg (tschech. Fidlův Kopec) im mährischen Odergebirge, einem östlichen Ausläufer der Sudeten bei Olmütz (Olomouc), wo sie zum Teil die Grenze zwischen Schlesien und Mähren bildet, überquert hinter Ostrau (Ostrava) die Grenze zwischen Tschechien und Polen und fließt durch Schlesien und dessen Hauptstadt Breslau (Wrocław).

Ab der Neißemündung bei Ratzdorf nördlich von Guben in Brandenburg markiert ihre Mitte bis nördlich von Schwedt/Oder die Grenze zwischen Polen und Deutschland. Die Oder fließt durch Frankfurt (Oder), Słubice und Kostrzyn nad Odrą (deutsch: Küstrin). Zwischen den Städten Lebus und Oderberg durchfließt die Oder das knapp 60 km lange und 12–20 km breite Oderbruch bevor sie sich zwischen Schwedt/Oder und Gartz (Oder) in die beiden Arme Westoder (poln.: Odra Zachodnia) und Ostoder (poln.: Odra Wschodnia) teilt. Die Westoder ist bis Mescherin Grenzfluss, ehe sie wie die Ostoder beidseitig auf polnischem Territorium weiterfließt. Das Gefälle der letzten 30 km vor Stettin beträgt nur noch wenige Zentimeter. Auf Höhe des Dammscher Sees vereinigen sich Ost- und West-Oder. Als so genanntes Papenwasser fließt die Oder durch Police (Pölitz) bevor sie in das zur Ostsee gehörende Stettiner Haff (Oderhaff) mündet.

Da das Stettiner Haff eine Meeresbucht ist, sind dessen drei Verbindungsarme zum offenen Meer Meeresarme. Sie befördern zwar als Mündungsarme der Oder überwiegend Oderwasser nach Norden, haben aber auch einen nennenswerten Einstrom von Seewasser ins Haff, besonders bei starkem Nordwind. Abzulesen ist das an den rückwärtigen (haffseitigen) Deltabildungen, besonders ausgeprägt bei der Swine. Lage dieser Meeresarme und Inseln:

  • Peenestrom (bis zur Einmündung des Peeneflusses Der Strom) zwischen deutschem Festland und der Insel Usedom (polnisch Uznam),
  • Swine (Swina) zwischen den Inseln Usedom und Wollin (polnisch Wolin), mit der Schiffahrtsstraße, Kanał Piastowski, bis 1945 Kaiserfahrt, gebaut 1875 bis 1880,
  • Dievenow (polnisch Dwinow) zwischen der Insel Wollin und dem polnischen Festland.

Schiffsverkehr

Die Oder ist auf 717 Kilometern bis Koźle (deutsch Cosel) in Polen schiffbar. Dort schließt der Gleiwitzer Kanal an, der als Anfang des Donau-Oder-Kanals gedacht war.

Durch Begradigung verkürzte sich die Oder, die von der Ostsee flussaufwärts durch das Stettiner Haff bis nach Stettin (Szczecin) für Seeschiffe befahrbar ist, seit etwa 1850 von 1.040 km auf 866 km Länge. 1997 kam es zum letzten großen Oderhochwasser.

Ab Juli 2007 verkehrt nach 62 Jahren wieder eine Fähre zwischen dem deutschen Ort Güstebieser Loose und der polnischen Ortschaft Gozdowice (deutsch Güstebiese). Als Fähre wird ein motorisierter Raddampfer benutzt.

Umwelt- und Naturschutz

1996 gründeten Deutschland, Polen und Tschechien die „Internationale Kommission zum Schutz der Oder gegen Verunreinigung“ (IKSO). In dem Vertragswerk verpflichteten sich die Staaten auf ein Sofortprogramm zur Reduzierung der Schadstoffbelastung der Oder und ihres Einzugsbereichs. Eine der daraufhin erfolgten Maßnahme ist beispielsweise der Bau gemeinsam genutzter Kläranlagen.

Von besonderer Bedeutung für den Naturschutz an der Oder ist außerdem der 1995 gegründete Nationalpark Unteres Odertal.

Politische Bedeutung

Politische Bedeutung erlangte die Oder seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Rahmen des Potsdamer Abkommens wurde 1945 etwa ein Viertel des deutschen Staatsgebietes in den Grenzen von 1937 de facto abgetrennt und unter vorläufige polnische bzw. sowjetische Verwaltung gestellt. 1990 wurde die so genannte Oder-Neiße-Linie als deutsche Ostgrenze bestätigt, als die Bundesrepublik Deutschland im Zwei-plus-Vier-Vertrag und im Deutsch-Polnischen Grenzvertrag auf alle Ansprüche auf ehemals deutsche Gebiete östlich dieser Linie verzichtete.

Namensherkunft

Blick von Słubice nach Frankfurt

Zur Herkunft des im Deutschen und in slawischen Sprachen abgesehen vom zweiten Vokal gleichen Namens gibt es sehr widersprüchliche Vermutungen:

  • Der Name des Flusses ist vermutlich einer vorgermanischen Namensschicht zuzuordnen. Ursprünglich war der Name vermutlich Adra abgeleitet von adra für Wasserader. Das Wort ist mit dem griechischen Wort ήtoρ (étor) verwandt. Während der Völkerwanderung wandelten die Slawen den Namen in Vjodr um. Möglicherweise bedeutet das vorgestellte „Vj“ Fluss im Sumpf; einer Tatsache für das Gebiet um die Oder zu dieser Zeit.[1] Der lateinische Name Viadrus stammt möglicherweise aus einer Übertragung aus dem Griechischen Adros. Dabei ist die Wortbildung nicht durch das Wort via für auf dem Weg zustandegekommen. [2] Die in Name Viadrus wurde vermutlich von dem Frankfurter Professor Jodocus Willich 1543 fälschlich für die Oder eingeführt.
  • Andere wissenschaftliche Untersuchungen zweifeln an dieser Namensherkunft. Sie nehmen an, dass der von Claudius Ptolemäus in seiner Geographike Hyphegesis als Viadua genannte Fluss die Wieprza (dt.: Wipper) ist, welche sich zwischen Oder und Weichsel befindet. Die von Ptolemäus angegebenen geografischen Längen lassen trotz Unterschieden seines Gradnetzes vom heutigen eine gute relative Lokalisation seiner Namen zu, mit der Konsequenz, dass Συήβος (Suebos, lat.: Suevus) Swine und Oder bezeichnet.[3][4]
  • Das polnische und tschechische Wort „Odra“ für Oder wird auch vom polnischen „drzeć“, „przezierać“ hergeleitet, was so viel heißt wie „reißen, durchdringen, vordrängen, der Durchbruch zum Meer“.[5]

Nebenflüsse

Die Mündung der Lausitzer Neiße in die Oder

– Reihenfolge flussabwärts –

Linke Nebenflüsse

  1. Oppa (Opava, Opawa)
  2. Zinna (Psina)
  3. Osobłoga (Hotzenplotz, Osoblaha)
  4. Glatzer Neiße (Nysa Kłodzka)
  5. Ohle (Oława)
  6. Ślęza (Lohe (Fluß))
  7. Weistritz (Bystrzyca Świdnicka)
  8. Kaczawa
  9. Bober (Bóbr)
  10. Lausitzer Neiße (Lužická Nisa, Nysa Łużycka)
  11. Welse
  12. Alte Oder
  13. Gunica

Rechte Nebenflüsse

  1. Ostrawitza (Ostravice)
  2. Olsa (Olše, Olza)
  3. Raude (Ruda)
  4. Birawka (Bierawka)
  5. Klodnitz (Kłodnica)
  6. Malapane (Mała Panew)
  7. Weide (Widawa)
  8. Bartsch (Barycz)
  9. Pleiske (Pliszka)
  10. Eilang (Ilanka)
  11. Warthe (Warta)
  12. Mietzel (Myśla)
  13. Kuritz (Kurzyca)
  14. Röhrike (Rurzyca)
  15. Thue (Tywa)
  16. Ihna (Ina)

Alternativ: Nach Staaten und Alphabet geordenete Liste

Kanalverbindungen

Oder-Havel-Kanal zwischen Eberswalde und Niederfinow
  • Finowkanal, noch befahrbarer Vorgänger des Oder-Havel-Kanals

Regionen

Die Oder durchfließt oder passiert unter anderen diese Regionen:

Ortschaften

Dominsel in Breslau

Hauptfluss

Oderhaff und Mündungsarme

Nordende der Swine
Delta am Haff-Ende der Swine
Westoder (Odra Zachodnia) in Stettin

Verweise

Literatur

  • Dr. Karl Spiegelberg: Das Oderstromsystem. Frankfurt 2001, Rolf Thieme, Berlin 2003. ISBN 3-932756-86-X
  • Joachim Schneider: Über die Herkunft und Varianten des Flussnamens Oder. In: Mitteilungen Frankfurt (Oder). 2003, H.1, S.7–14.
  • Uwe Rada: Die Oder. Lebenslauf eines Flusses. Kiepenheuer, Berlin 2005. ISBN 3-378-01079-7

Weblinks zu zu

 Wiktionary: Oder – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Commons: Oder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Joachim Schneider: Über die Herkunft und Varianten des Flussnamens Oder. In Mitteilungen Frankfurt (Oder). 2003, H.1, S.13-14.
  2. Joachim Schneider, 2003, S.14.
  3. Claudius Ptolemaios: Geographike Hyphegesis, Kap. 11: Germania Magna. (altgriech./lat./engl.)
  4. Ralf Loock: Mündungen der Flüsse bestimmt. In: Märkische Oderzeitung, Frankfurt 2008,3 (März); Ralf Loock: Namenskrimi um Viadrus in: Märkische Oderzeitung – Journal. Frankfurt 25./26. Nov. 2006, S. 2; siehe auch Alfred Stückelberger, Gerd Graßhoff (Hrsg.): Ptolemaios – Handbuch der Geographie. Schwabe, Basel 2006, S. 223, ISBN 3-7965-2148-7
  5. Uwe Rada: Die Oder. Lebenslauf eines Flusses. Kiepenheuer, Berlin 2005, S.15. ISBN 3-378-01079-7
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