Speyerer Dom
Der Kaiser- und Mariendom zu Speyer in der rheinland-pfälzischen Stadt Speyer ist die Kathedralkirche der katholischen Diözese Speyer. Nach der Zerstörung der Abtei Cluny ist er die größte erhaltene romanische Kirche der Welt[1]. Seit 1981 steht er auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Mittelalter
Der salische Kaiser Konrad II. gründete um 1030 den Bau mit dem Ziel, die größte Kirche des Abendlandes zu bauen.
Eine Legende berichtet, Konrad habe in aller Frühe den Grundstein zum Kloster Limburg (bei Bad Dürkheim) gelegt, sei dann mit seiner Gemahlin Gisela und seinem Gefolge nach Speyer geritten, um dort den Grundstein zum Dom sowie zum Stift Sankt Johannes zu legen. Um die für den Bau benötigte Menge von Stein und Holz nach Speyer zu bringen, wurde extra ein Kanal vom Pfälzerwald zum Rhein gebaut. Mit diesem Kanal könnte die Verlagerung des Speyerbachs gemeint sein, der spätestens im Mittelalter zur Versorgung Speyers um einige Kilometer nach Süden verschoben wurde. Als Errichtungsort wurde bewusst ein Sporn gewählt. Dieser war vom Untergrund her trocken und aus Festgestein. Dass der Dom auf sumpfigen Boden „schwimme“, ist geologisch nicht nachweisbar.
Weder Konrad II. noch sein Sohn Heinrich III. erlebten den Abschluss der Arbeiten. Erst unter dem Enkel Heinrich IV. wurde der Bau im Jahr 1061 eingeweiht. In der Forschung wird dieser Bauabschnitt als „Speyer I“ bezeichnet. Der Bau umfasste einen Westbau, ein dreischiffiges Langhaus mit anschließendem Querhaus. Der Chor war schon damals flankiert von zwei Türmen. Die ursprüngliche Apsis trat nach außen hin rechteckig in Erscheinung, war innen jedoch gerundet. Das Mittelschiff des Langhauses besaß eine flache Decke, die Seitenschiffe jedoch wurden eingewölbt - es entstand der erste nachantike große Gewölbebau (abgesehen von der Aachener Pfalzkapelle) nördlich der Alpen.
Knapp 20 Jahre nach der Vollendung von Speyer I ließ Heinrich IV. den Dom zur Hälfte einreißen, um ihn noch größer wieder aufzubauen: Im Mittelschiff wurde die Decke abgetragen, der Bau wurde um fünf Meter erhöht. Statt der flachen Holzdecke entstand das größte Kreuzgratgewölbe im damaligen Reichsgebiet, auch der Wandaufriss erfuhr entscheidende Veränderungen. Im Ostteil wurde der Bau bis auf die Fundamente abgetragen und auf bis zu acht Metern starken Fundamenten neu gegründet. Es blieben lediglich die unteren Geschosse der Chorflankentürme, sowie Teile des Querhauses erhalten. Die Krypta von Speyer I blieb nahezu unberührt.
Im Todesjahr Heinrichs IV., 1106, war der neue Dom fertiggestellt: Mit einer Länge von 444 römischen Fuß (134 Meter) und einer Breite von 111 römischen Fuß (43 Meter) war er eines der größten Bauwerke seiner Zeit. In der Länge übertraf den Speyerer Dom die Abteikirche von Cluny mit ihrer Vorkirche, der umbaute Raum jedoch ist beim Speyerer Dom mit über 40.000 Kubikmetern größer. Diese Veränderungen unter Heinrich IV. sind in der Forschung als „Speyer II“ bekannt, wobei im heutigen Bau zwischen Bauteilen von Speyer I und Speyer II unterschieden wird.
Speyer zählte damals nur rund 500 Einwohner. Es hatte wohl machtpolitische Gründe, dass Kaiser Heinrich IV. einen derart großen Bau in dem nach heutigen Maßstäben winzigen Städtchen bauen ließ. Die römischen Kaiser hatten nicht nur weltliche, sondern auch kirchliche Macht. Der daraus resultierende Konflikt mit dem damals gerade erstarkten Papsttum kulminierte sodann im Investiturstreit zwischen Heinrich IV. und Papst Gregor VII. Die Größe und Pracht des Speyerer Doms unterstrich neben dem politischen insbesondere den religiösen Machtanspruch des Kaisers.
Neuzeit
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg brachten die Speyerer Bürger 1689 ihre Möbel und ihren Hausrat in den Dom, in der Hoffnung, ihre Habe sei dort vor den erwarteten französischen Truppen sicher. Mehrere Meter hoch stapelte sich der Hausrat im Dom. Die Hoffnung der Bürger erwies sich als trügerisch: Am 31. Mai 1689 brachen die Soldaten den Dom auf, plünderten die Kaisergräber und steckten Einrichtung und gelagerte Möbel in Brand. Durch die gewaltige Hitze wurde das Gewölbe im Westteil brüchig und stürzte ein. Der Ostteil hingegen hielt den Flammen stand.[2]
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war genügend Geld vorhanden, den Westteil des Doms wieder aufzubauen. Unter Franz Ignaz Michael Neumann, dem Sohn des berühmten Barockbaumeisters Balthasar Neumann, wurde 1772–1778 die klaffende Lücke im westlichen Teil des Langhauses geschlossen. Das fast völlig abgetragene Westwerk wurde durch eine zeitgemäße barocke Fassade ersetzt. Sie hatte jedoch nur gut 100 Jahre bestand. Heute noch ist der Bruch vor allem an der Verwendung anderer Mauersteine zu erkennen, das Gesamtbild jedoch einheitlich. Dieser frühe Akt einer rekonstruktiven Denkmalpflege lässt sich mit den trotz allem eher begrenzten Geldmitteln der Stadt erklären: Ein barocker Neubau des Langhauses hätte auch den Neubau des Chores zur Folge haben müssen, um einen ästhetisch ansprechenden Raumeindruck zu erhalten.
In der Französischen Revolution wurde der Dom erneut zum Politikum: Die Bevölkerung randalierte im Dom und zerstörte alle Altäre. 1806 war geplant, den Dom abzureißen und als Steinbruch zu verwenden, was der Mainzer Bischof Joseph Ludwig Colmar verhinderte. Unter Napoleon Bonaparte nutzten die französischen Truppen den Dom als Viehstall, Futter- und Materiallager.
Nach der Niederlage Napoleons wurde der Dom neu geweiht und saniert. Er diente seit 1818 als Bischofskirche. 1846–1853 schuf der Maler Johann von Schraudolph im Auftrag Ludwig I. von Bayern Fresken im Nazarener Stil.
Der heutige Westbau entstand 1854–1858 unter Heinrich Hübsch, einem der renommiertesten Architekten des frühen Historismus. Er orientierte sich frei am ursprünglichen Westbau, indem er Mittelturm und zwei kleinere Flankentürme aufgriff, wich jedoch von der Vorlage sowohl bei der Materialwahl wie bei den Proportionen erheblich ab. Die Erneuerung der Westfassade und die Ausmalung des Domes wurden im 19. Jahrhundert als „großes Werk“ angesehen. Ludwig I. war der Überzeugung, dass seit langer Zeit nichts Größeres geschaffen worden sei als die Fresken im Speyerer Dom.
Um die Wende zum 20. Jahrhundert kam es zu einem Stimmungsumschwung: Georg Dehio beklagte 1916 sogar, unter den Unglücken, die den Dom getroffen hätten, seien die Veränderungen des 19. Jahrhundert nicht die kleinsten gewesen.
Gegenwart
Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Bau reromanisiert. Die in gutem Zustand befindliche Ausmalung des 19. Jahrhunderts wurde bei der Renovierung in den 1960er Jahren mitsamt dem Putz entfernt. Ausgenommen blieben die 19 Quadratmeter großen Fresken aus dem Marienzyklus in der Haupt-Fensterreihe. Hierbei kam eine neuartige Technik zum Einsatz, bei der die Fresken auf ein speziell präpariertes Tuch aufgezogen und damit erhalten wurden. Bei dieser Renovierung wurden auch die brüchig gewordenen Sandsteinpfeiler durch Zementinjektionen verstärkt.
Die in der Barockzeit entfernten Giebel von Querhaus und Chor wurden nach Stichen und erhaltenen Beispielen verwandter Bauten wiederhergestellt. Im Bereich der Vierung machte man ebenfalls einige Veränderungen rückgängig, musste jedoch aus statischen Gründen auf eine Entfernung der barocken Verstärkungen verzichten.
In Teilen der heutigen Fachliteratur wird der Speyerer Dom als Musterbeispiel einer nach derzeitigen denkmalpflegerischen Kriterien abzulehnenden Rückrestaurierung dargestellt. So bedauerlich einerseits der Verlust der Raumfassung des 19. Jahrhunderts ist, so erfreulich ist allerdings die Sorgfalt, mit der ursprüngliche Zustände rekonstruiert wurden. Alle Rekonstruktionsmaßnahmen sind in ihrer Form durch Befunde nahezu gesichert und daher gerade nicht als Beispiel einer freien „Romanisierung“ zu verstehen.
Seit 1996 wird der Dom grundlegend restauriert. Die Maßnahmen werden vermutlich bis 2015 andauern und 26 Millionen Euro kosten. Bis Juni 2007 wurden 15,1 Millionen Euro für die Restaurierung aufgewendet. 1995 wurde zur finanziellen Unterstützung der “Dombauverein Speyer” gegründet. Unter Leitung von Vitus Wurmdobler werden die Schraudolphschen Fresken saniert und sollen im Kaisersaal des Domes ausgestellt werden.
Architektur und Ausstattung
Technische Daten
- Länge über alles: 134 m
- Höhe des Mittelschiffs: 33 m
- Breite des Mittelschiffs: 14 m
- Breite des Langhauses: 37,62 m
- Höhe der Osttürme: 71,20 m
- Höhe der Westtürme: 65,60 m
Der Dom zu Speyer nimmt in der romanischen Architektur eine besondere Stellung ein, da er zahlreiche Impulse für die architektonische Entwicklung in ganz Mitteleuropa gab.
Ein Hauptproblem jener Zeit war das Überwölben großer Räume. Diese Technik war in der Spätantike verloren gegangen. Zur Zeit des Dombaus wurde sie wieder versucht, zunächst in kleinerem Ausmaß durch Tonnengewölbe. In Speyer gelang nun die Wölbung der Seitenschiffe in der Form von Kreuzgewölben und, unter Heinrich IV., in der Wölbung des Mittelschiffes. Dadurch entstand ein neues Raumgefühl. Dieser Zug zum Vertikalen weist bereits auf die Gotik hin.
Die Wölbung des Mittelschiffes verlangte starkes Mauerwerk. Um den Gewölbeschub aufzufangen, wurden Vorlagen auf die Wände angebracht. Dies bewirkte erstmals eine Reliefierung der Mittelschiffswand. Das Äußere des Doms wird durch die „Zwerggalerie“ aufgelockert, die anders als beim Mainzer und beim Wormser Dom um das gesamte Bauwerk führt.
Krypta
Die 1041 geweihte Krypta ist mit einer überbauten Fläche von 850 m² und einer Höhe von 7 m die größte romanische Säulenhalle Europas. Die einzelnen Joche werden durch Gurtbögen voneinander getrennt. Dies schuf, vom Raumquadrat der Vierung ausgehend, die Voraussetzung für die Entwicklung der „gebundenen Form“ bei den romanischen Grundrissen. Diese Art der Wölbung wurde um 1040 bei der Einwölbung der Seitenschiffe übernommen.[3] Die 42 Kreuzgratgewölbe ruhen auf Säulen mit einfachen Würfelkapitellen. Die abwechselnd gemauerten gelben und roten Sandsteinquader der Haardt und des Odenwaldes sind typisch für die Zeit der Salier und der Staufer. Vor dem Hauptaltar der Krypta steht ein Taufbecken, das um 1100 gefertigt wurde.
Die Grabstellen lagen ursprünglich am östlichen Ende des Mittelschiffs. Von dort führten zwei Treppen in eine Vorkrypta hinab. Eine Krypta im heutigen Sinne gab es nicht, denn die Gruft, in der heute die deutschen Könige und Kaiser bestattet sind, stammt vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Als 1039 Kaiser Konrad II. starb, wurde der Steinsarkophag in den Erdboden zwischen die Treppen gesenkt, und der mit Eisenbändern umzogene Deckel blieb sichtbar.
Ausgangspunkt für die Neuanlegung der Gräber war die Situation im 19. Jahrhundert, als nach der Ausmalung unter Johann Schraudolph und der Errichtung des Westbaus der Dom als „Nationaldenkmal“ gesehen wurde.
Ein namentlich nicht bekannter Autor schrieb um das Jahr 1900[4]:
„Der Ruhm des Speyerer Domes, eines der mächtigsten frühmittelalterlichen Baudenkmale in Deutschland, war von jeher, dass er die Gräber Deutscher Kaiser barg. Wer den Dom betrat und diese von der Geschichte geheiligten Ruhestätten wohl der hervorragendsten Herrscher, welche den deutschen Kaiserthron geziert hatten, besuchen wollte, musste sich im gewissen Sinne enttäuscht fühlen. Denn im so genannten Königschor vor dem Hochaltar konnte nur der Boden, unter dem die Kaiser ruhen sollten, gezeigt werden, von den originalen Gräbern, Sarcophagen oder Grabstellen war nichts mehr zu sehen.“
Ebenso klagte der Gymasialprofessor Johannes Praun im Jahre 1898[5]:
„Niemand konnte bestimmte Angaben über die Lage der im Dom zur ewigen Ruhe gebetteten Herrscher des Mittelalters machen. [...] Viele Fremde, die alljährlich den Kaiserdom zu Speyer besuchen, würden unbefriedigt von dannen ziehen.“
Diese Überlegungen bildeten den Auslöser für Grabung, Öffnung und Untersuchung der Gräber. Dabei konnte die Identität aller bestatteten Herrscher geklärt werden, denn fast alle Saliergräber hatten die Jahrhunderte überstanden. 1900 erfolgte eine provisorische Wiederbestattung; Grabbeigaben wurden entnommen und in die „Domschatzkammer“ des Historischen Museums der Pfalz gebracht. 1902 fand eine endgültige Bestattung in der Gruft statt.
Mit der Grabplatte Rudolfs von Habsburg befindet sich in der Krypta das erste bekannte und überlieferte lebensechte Porträt einer Person des Mittelalters.
Die Gräber der Könige und Kaiser befanden sich ursprünglich im Mittelschiff vor dem Lettner mit dem Kreuzaltar. Im Laufe der Jahrhunderte ging die Kenntnis über die genaue Lage verloren. Darum wurden in einer großangelegten Grabung im Jahr 1900 die Gräber freigelegt und die früheren Kaiser in ungeöffneten Gräbern gefunden. Die im Anschluss bis 1906 angelegte neue Krypta unter dem alten Königs-Chor dient heute als Grablege für acht deutsche Könige und Kaiser sowie teils auch deren Gemahlinnen:
- Konrad II. († 1039) und seine Gemahlin Gisela von Schwaben († 1043)
- Heinrich III. († 1056), Sohn Konrads II.
- Heinrich IV. († 1106), Sohn Heinrichs III., und seine Gemahlin Bertha von Savoyen († 1087)
- Heinrich V. († 1125), Sohn Heinrichs IV.
- Beatrix von Burgund († 1184), zweite Gemahlin Friedrichs Barbarossa, und ihre Tochter Agnes († 1184)
- Philipp von Schwaben († 1208), Sohn Friedrich Barbarossas
- Rudolf von Habsburg († 1291)
- Adolf von Nassau († 1298)
- Albrecht von Österreich († 1308), Sohn Rudolfs von Habsburg
Daneben befinden sich die Gräber von fünf Bischöfen und weitere im Jahre 1900 gefundene Gebeine, die nicht mehr zugeordnet werden konnten.
Afra-Kapelle
Heinrich V. wurde am Tag der heiligen Afra von Augsburg, einer frühchristlichen Märtyrerin, geboren, daher wurde eine weitere Kapelle dieser Heiligen geweiht.
Deren Gedenktag wurde auch zum Sterbetag seines Vaters Heinrich IV., dessen Sarg wegen des über ihn verhängten Kirchenbanns fast fünf Jahre lang in dieser damals noch nicht geweihten Kapelle abgestellt wurde. Erst nach postumer Aufhebung des Banns durch Papst Paschalis II. setzte man Heinrich IV. am 7. August 1111, seinem fünften Todestag, neben seinem Vater Heinrich III. in der Familiengruft der Salier im Dom bei.
Von der heiligen Afra gibt es kaum gesicherte Fakten. Nachdem ihr Mann, ein zyprischer König, erschlagen worden sein soll, habe sich die Mutter Hilaria mit der Tochter Afra auf den Weg außer Landes gemacht. In Augsburg ging Afra als Priesterin der Venus der Prostitution nach. Bei einer Christenverfolgung suchte Bischof Narzissus in ihrem Hause Schutz und machte die Dirne mit dem christlichen Glauben vertraut. Afra trat zum Christentum über und wurde vom Bischof getauft. Ihr neuer Glaube blieb nicht verborgen, und sie wurde zum Feuertod verurteilt.
Doppelkapelle
An der Südseite des Domes befindet sich die 1050 begonnene Doppelkapelle, deren Unterkappelle St. Emmeram (St. Martin) geweiht ist und die als Taufkapelle genutzt wird. Die Oberkapelle dient der Ausstellung von Reliquien, unter anderem des heiligen Pirminius und des seligen Paul Josef Nardini.
Die der heiligen Katharina von Alexandrien geweihte Oberkapelle erinnert an den Geburtstag einer Tochter Heinrichs III. am 25. November, dem Gedenktag der heiligen Katharina, einer der Vierzehn Nothelfer. In der christlichen Legende ist die heilige Katharina eine junge intelligente Schönheit, die der Jungfräulichkeit geweiht ist. Wie die heilige Afra soll sie eine Königstochter aus Zypern gewesen sein, die um das Jahr 300 im ägyptischen Alexandrien lebte. Sie soll von einem Einsiedler zum Christentum bekehrt worden sein.
Die beiden übereinander liegenden Kapellen sind durch eine achteckige Mittelöffnung miteinander verbunden. Ihr ursprünglicher Zustand wurde 1961 weitgehend wiederhergestellt.
Westfassade
Der Wechsel von rotem und weißem Stein war eine Bauform der romanisch-salischen Periode. Der Steinwechsel der neuromanischen Fassade mit dem Wechsel von rot und weiß wurde vom Architekten Hübsch bei der Umgestaltung des Doms angefügt.
Die Westseite ist schmuckreich verziert. Etwa in der Mitte der Seite liegt das Radfenster mit dem Bildnis von Christus in der Mitte und den Symbolen der vier Evangelisten in den Ecken. Es wird von zwei Rundbogenfenstern flankiert. Über dem Westportal sind Skulpturen der fünf Schutzpatrone des Domes zu sehen:
Orgel
Hauptorgel
Scherpf-Orgel von 1961/1977
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Die Scherpf-Orgel erklang im Speyerer Dom letztmalig am 4. Januar 2009 (Organist: Domkapellmeister Leo Krämer). Ab dem 7. Januar 2009 wird sie voraussichtlich bis Ende Februar 2009 abgebaut. Anschließend erfolgt der Transport nach Bialystok in Ostpolen. Nach einer Generalüberholung soll sie in der dortigen Pfarrkirche erklingen und auch von den Absolventen der dortigen Musikhochschule genutzt werden. [6]
Neubau der Hauptorgel: Seifert 2010
Für 2010 ist der Neubau der Hauptorgel durch die Orgelbaufirma Seifert geplant.
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Chororgel
Neubau durch Seifert 2008
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- Koppeln: I/II, II/I, III/I, Sub III/I, Super III/I, III/II, Sub III/II, Super III/II, Sub III/III, Super III/III, I/P, II/P, III/P, Super III/P.
Vierungsturm, Mittelturm des Westbaus und Glocken
Der Vierungsturm ist in zwei Geschosse untergeteilt, wobei das untere Geschoss eine etwas größere Höhe zeigt. Die barock geschwungene Dachfläche blieb bei der Restaurierung unverändert, da sie zwei Jahrhunderte lang die Ansicht des Domes geprägt hat.
Der Mittelturm des Westbaus diente seit jeher als Glockenstube. Hier hängt noch eines der wenigen Großgeläute des 19. Jahrhunderts; es wurde 1822 von Peter Lindemann aus Zweibrücken gegossen. Die übrigen Glocken (5 bis 9) wurden 1963 von Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg gefertigt. Der Uhrschlag erfolgt über die vier großen Glocken; Glocken 4 und 3 im Wechsel für die Viertelstunden, die Glocken 2 und 1 nacheinander die vollen Stunden.
| Nr. | Name | Nominal (16tel) | Gewicht (kg) | Durchmesser (cm) | Inschrift |
| 1 | Maximilianus Josephus (Kaiserglocke) | g0 –4 | 5350 | 208 | „Maximilianus Josephus Rex Bavariae“ |
| 2 | Friderica Wilhelmina Carolina | b0 +3 | 2600 | 175 | „Friderica Wilhelmina Carolina Regina Bavariae“ |
| 3 | Ludovicus Carolus | des1 +6 | 1650 | 147 | „Ludovicus Carolus Dux Bavariae Princeps hereditarius“ |
| 4 | Matthæus de Chandelle | f1 +4 | 600 | 115 | „Matthaeus de Chandelle primus episcopus ecclesiae Spirensis restauratae“ |
| 5 | Maria | as1 | 601 | 95,5 | „O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria“ |
| 6 | Joseph | b1 | 494 | 90,3 | „St. Joseph, Patron der Kirche, bitte für uns“ |
| 7 | Anna | des2 | 440 | 83,3 | „Heilige Anna, halte deine Hand über die Familien“ |
| 8 | Pirminius | es2 | 312 | 75 | „Heiliger Pirmin, stärke den Glauben, den du verkündet hast“ |
| 9 | Otto | f2 | 217 | 66,7 | „St. Otto, erhalte dein Werk“ |
Dächer
Mit Ausnahme der gotischen Sakristei, die aus Stilgründen ihre Schieferbedachung behielt, wurden bei der Umgestaltung des Domes alle neuen Dächer statt in Schiefer in Kupfer ausgeführt.
In den Jahren 1962 und 1963 erfolgte eine Absenkung der Dächer.
Zwerggalerie
Der Dom wird von einer „Zwerggalerie“ umschlossen, welche als Laufgang zu niedrig ist und lediglich der architektonischen Gliederung dient. Sie wird nach außen durch eine Säulengalerie markiert. Die Zwerggalerie hat eine Höhe von 2,90 Meter. Ihre Breite ist nicht überall gleich, da sie abhängig von der Breite der jeweiligen Außenmauern ist.
Umgebung des Domes
| Domumgebung um 1730 | Legende |
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Ausschnitt aus dem Stadtplan (1730) |
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Ursprünglich stand der Dom nicht frei, sondern war dicht umbaut (vgl. die oben wiedergegebenen alten Ansichten). Die meisten Gebäude verschwanden nach der Französischen Revolution. Im Folgenden die Gebäude, die innerhalb der Immunität (Domfreiheit) lagen:
Südlich des Domes schloss sich der Kreuzgang mit Ölberg (erhalten), Kapitelhaus, Kreuzhaus und Pfarrhaus an. Dahinter lag die Domdechanei und das Archiv. Weiter südlich lag der Schlegelhof des Domkapitels – an seiner Stelle heute das Staatsarchiv Speyer (1902) – mit der noch erhaltenen Auwachschen Balustrade und direkt daneben das Deutsche Haus, einst Sitz des Deutschen Ordens, dessen Stelle heute das Gebäude des protestantischen Landeskirchenrates der Pfalz (1893) einnimmt und St. Stephan, eine der ältesten Kirchen Speyers.
Nördlich des Domes lagen die Bischofspfalz, die St. Nikolaus-Kapelle, der Domstaffelturm (Stadtmauerturm mit einem über eine Treppe erreichbaren Tor zur Domimmunität) und die zu Beginn des 18. Jh. in ein Jesuitenkolleg umgewandelte alte Dompropstei nebst Jesuitenkirche.
Im Osten lagen an der Stadtmauer nahe dem Heidentürmchen mehrere Wirtschaftsgebäude.
Domnapf
Der Domnapf westlich des Domes, im Kreuzungspunkt mehrerer Straßen, bildete ursprünglich die Grenze zwischen dem Gebiet der ehemaligen freien Reichsstadt und der so genannten Dom-Immunität. Ein Delinquent, der zum Domnapf flüchten konnte, durfte nicht mehr richterlich belangt werden. Der Domnapf trennte die Freie Reichsstadt Speyer vom Hoheitsgebiet des Bischofs. Deshalb flüchteten in der Reichsstadt Verurteilte in die Bischofsstadt, denn dort galt bischöfliches Recht.
Wenn ein neuer Bischof in die Stadt einzog, endete hier das von der Stadt beanspruchte Geleitrecht. Bei dieser Gelegenheit musste der Bischof den Napf mit Wein füllen, und jeder Bürger hatte das Recht, daraus zu trinken. Der Domnapf fasst 1580 Liter.
Ölberg
Der Ölberg stand im Zentrum des Innenhofs eines von 1505 bis 1512 durch Nikolaus Elser und Hans Seyfer errichteten Kreuzganges. Beim großen Brand des Jahres 1689 wurde der Ölberg wie auch der Dom selbst stark beschädigt. Der Kreuzgang wurde nicht mehr restauriert, sondern fiel 1820 dem Bestreben zum Opfer, um den Dom herum eine freie Anlage zu schaffen. Lediglich der Ölberg blieb als Ruine erhalten. Später wurde ein Dach aufgesetzt, um den völligen Zerfall zu verhindern. Außerdem wurden die Skulpturen ergänzt. Das Innere des Ölberges birgt eine kleine Kapelle, die dem Erzengel Michael geweiht ist.
Heidentürmchen
Das Heidentürmchen ist der Rest der mittelalterlichen Stadtmauer und steht östlich vom Dom. Es hat seinen Namen von seiner ursprünglichen Lage zwischen dem sumpfigen Rheinufer und dem bebauten Domhügel, einem Gebiet, das man im Mittelalter als Heide (= Brachland) bezeichnete.
Das Heidentürmchen wurde um das Jahr 1281 erbaut und ist neben dem Altpörtel der einzige von ehemals 21 Türmen des inneren Stadtmauerrings; insgesamt zählten die Stadtmauern von Speyer rund 50 Türme.
Antikenhalle
Die Antikenhalle wurde im Jahr 1826 nördlich vom Dom im Stil des Neoklassizismus erbaut und war für die Aufnahme von römischen Funden vorgesehen. Sie erwies sich jedoch für diesen Zweck als zu klein. Später wurden Kanonen, die im Kriege 1870/71 erbeutet wurden, hier aufgestellt (heute nicht mehr vorhanden). Jetzt dient die Halle als Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege (WK1: namentlich genannt).
Sonstiges
Patrozinium
Der offizielle lateinische Name des Doms ist:
- Domus sanctae Mariae Spirae
- (Dom zu Unserer lieben Frau in Speyer)
Zur Erinnerung an die Begrüßung des Marienbildes im Dom durch den heiligen Bernhard von Clairvaux sind im Mittelgang vier runde Messingplatten eingelassen, welche „ungefähr einen Schuh im Umkreis hielten und 30 Schuh voneinander lagen.“ Auf den Platten steht auf Lateinisch:
| „O clemens“ (o milde) | |
| „o pia“ (o fromme) | |
| „o dulcis“ (o süße) | |
| „virgo Maria“ (Jungfrau Maria) |
Bei seinem Eintritt in das Münster sei Bernhard vom alten Bild in fränkischer Sprache begrüßt worden:
- „Ben venia, mi fra Bernarde!“
- („Willkommen, Bruder Bernhard!“)
Darauf habe dieser erwidert:
- „Grand merci, mi Domina!“
- („Vielen Dank, meine Herrin!“)
Nach der Speyerer Chronik Wilhelm Eysengreins (1563) habe Bernhard, vor dem Madonnenbild kniend, das Salve Regina gesungen, worauf das Marienbild vernehmbar Bernhards „Erscheinen als Gott willkommen“ bezeichnet habe. Der Heilige aber, über die Stimme entsetzt, habe das Wort des Apostels Paulus gerufen:
- „Mulier taceat in ecclesia!“
- („Die Frau schweige in der Gemeinde!“)
Der Speyerer Stadtschreiber Christoph Lehmann, welcher um 1612 in seinem Chronicon der freien Reichsstadt Speyer sich darüber lustig machte, dass „ein gemaltes Bild Teutsch oder Lateinisch geredt“ haben soll, weist darauf hin, dass die Legende erst 300 Jahre nach dem angeblichen Ereignis auftauche und dass die Zeitgenossen nichts von dem angeblichen Wunder berichteten.
Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer
1996 gründete sich auf Initiative des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl und des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der BfG Bank Paul Wieandt die Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer, deren Ziel die Bewahrung des UNESCO-Weltkulturdenkmals für kommende Generationen sowie die Finanzierung von Maßmahmen zur Restaurierung, Konservierung und Erhaltung des Domes ist. Organe der Stiftung sind Vorstand, Stiftungsrat und Kuratorium; mit Stand vom Mai 2008 sind dies:
Vorstand:
- Theo Spettmann, Vorstandsprecher der Südzucker AG (Vorsitzender)
- Georg Gölter, Staatsminister a. D., MdL (Stellv. Vorsitzender)
- Manfred Fuchs, Hauptaktionär der Fuchs Petrolub AG (Mitglied des Vorstandes)
- Peter Schappert, Domkapitular (Mitglied des Vorstandes)
- Karl-Markus Ritter (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied)
Stiftungsrat:
- Herzog Franz von Bayern (Vorsitzender)
- Otto Georgens, Weihbischof und Dompropst (Stellv. Vorsitzender)
- Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland (Stiftungsratsmitglied)
- Werner Schineller, Oberbürgermeister der Stadt Speyer (Stiftungsratsmitglied)
Kuratorium:
- Helmut Kohl, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland a. D. (Vorsitzender)
- Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer (Stellv. Vorsitzender)
- Aus den Kirchen:
- Friedrich Kardinal Wetter, Erzbischof em. von München und Freising
- Anton Schlembach, Bischof em. von Speyer
- Christian Schad, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz
- Historische Einbindung:
- Aus der Politik:
- Jean-Claude Juncker, Premierminister des Großherzogtums Luxemburg
- Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz
- Peter Müller, Ministerpräsident des Saarlandes
- Edmund Stoiber, Bayerischer Ministerpräsident a. D., Vorsitzender Bürokratieabbau der EU
- Bernhard Vogel, Ministerpräsident a. D.
- Hanna-Renate Laurien, Präsidentin des Abgeordnetenhauses Berlin a. D.
- Rita Waschbüsch, Staatsministerin a. D.
- Aus der Wirtschaft:
- Manfred Bischoff, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Daimler AG
- Horst Kleiner, ehem. Vorsitzender des Vorstandes der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG
- Willi Kuhn, Präsident der IHK für die Pfalz
- Erwin Möller, Vorsitzender des Aufsichtsrates M. M. Warburg & CO KGaA
- Immo Querner, Mitglied des Vorstandes der Talanx AG
- Stefan Quandt, Industrieller
- Winfried Rothermel, Inhaber ColorDruckLeimen, Leimen
- Bernhard Schreier, Vorsitzender des Vorstandes der Heidelberger Druckmaschinen AG
- Henning Schulte-Noelle, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Allianz AG
- Harald Schwager, Mitglied des Vorstandes der BASF SE
- Bernd Thiemann, Mitglied des Aufsichtsrates der Rothschild GmbH
- Gerhard Vogel, Präsident der IHK Rhein-Neckar
- Aus der Publizistik:
- Michael Garthe, Chefredakteur der Rheinpfalz
- Rudolf Joeckle, Journalist
- Simone Sanftenberg, Landessenderdirektorin des Südwestrundfunks (SWR)
- Markus Schächter, Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF)
- Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
- Dieter Stolte, Herausgeber der Welt und der Berliner Morgenpost
- Aus der Wissenschaft:
- Bernd Schneidmüller, Heidelberg
- Stefan Weinfurter, Heidelberg
- Dethard von Winterfeld, Mainz
Internationale Musiktage Dom zu Speyer
Von August bis Oktober jedes Jahres werden in der Trägerschaft des Domkapitels Speyer, des SWR und der Stadt Speyer die Internationalen Musiktage Dom zu Speyer veranstaltet. Neben der Austragung des Internationalen Orgelwettbewerbs Dom zu Speyer stehen Sinfoniekonzerte sowie Abende mit Kammermusik und geistlicher Musik auf dem Programm. Ins Leben gerufen wurde das Festival 1980, als anlässlich der 950-Jahr-Feier der Grundsteinlegung des Speyerer Domes der Internationale Orgelwettbewerb startete. Daraus entwickelte der künstlerische Leiter, Domkapellmeister Prof. Leo Krämer, die Internationalen Musiktage Dom zu Speyer mit dem darin eingebetteten Internationalen Orgelwettbewerb.
Bildergalerie
Blick über den Rhein | Briefmarke der Deutschen Bundespost (1961): 900 Jahre Kaiserdom zu Speyer | ||
Deutsche Briefmarke (1995) aus der Serie Sehenswürdigkeiten |
Literatur
- Anton Doll: Überlegungen zur Grundsteinlegung und zu den Weihen des Speyerer Domes. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 24, 1972, S. 9–25
- Hartmut Jericke: Der Speyerer Dom und seine Bedeutung als zentrale Grablege des abendländischen Kaisertums im 12. Jahrhundert. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 154, 2006, S. 77–110
Commons: Dom zu Speyer – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Einzelnachweise
- ↑ Dethard von Winterfeld: Romanik am Rhein. Stuttgart 2001, S. 66
- ↑ Dom-Website
- ↑ Julius H. Schröder: Deutsche Baukunst, Gondrom Verlag, 1990, Augsburg
- ↑ zitiert aus Die Rheinpfalz
- ↑ zitiert aus Die Rheinpfalz
- ↑ Speyer aktuell
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