Abdullah Abdullah

Abdullah (2002)

Abdullah Abdullah (Paschto oder Persisch: ‏عبدالله عبدالله‎‎; * 5. September 1960 in Kabul) ist ein afghanischer Politiker. Er war von 2001 bis 2006 Außenminister seines Landes. Bei der Präsidentschaftswahl 2009 trat Abdullah als aussichtsreichster Oppositionskandidat an, verzichtete aber angesichts schwerer Wahlmanipulationen im ersten Wahlgang auf eine Stichwahl gegen Amtsinhaber Hamid Karzai.

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Biografie

Abdullah (bis Ende der 1990er Jahre verfügte er wie viele Afghanen über keinen Nachnamen, ehe er seinen Vornamen einfach verdoppelte) wuchs im größtenteils von Tadschiken bewohnten Panjshir-Tal, im Nordosten Afghanistans auf.[1] Der Senatorensohn[2] studierte Augenheilkunde an der Universität Kabul, und promovierte 1983. Danach war er dort bis 1985 als Augenarzt tätig, danach arbeitete er mit afghanischen Flüchtlingen in Pakistan, wo er auch mit dem antisowjetischen Widerstand in Kontakt kam.

In den 1990er Jahren war Abdullah offizieller Sprecher der gestürzten, aber international immer noch anerkannten afghanischen Regierung. 1997 wurde er zum Vize-Außenminister berufen. Zwei Jahre später zum Außenminister in der von Burhanuddin Rabbani geführten Exilregierung in Tadschikistan. Vor seiner Berufung in das Kabinett des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai war Abdullah Außenminister der Nordallianz und Sprecher des militärischen Führers der Nordallianz Ahmad Schah Massoud.

Nach den Präsidentschaftswahlen 2004, in denen Hamid Karzai zum ersten demokratisch legitimierten Staatschef Afghanistans gewählt wurde, blieb Abdullah Außenminister. Er überwarf sich jedoch mit Karzai und verlor nach einer Kabinettsumbildung 2006 sein Amt an den außenpolitischen Berater Rangin Dadfar Spanta.[1] Abdullah verließ damit als letzter Nordallianz-Führer die Regierung.

Abdullah spricht fließend Englisch und Französisch. Er ist Vater eines Sohnes und dreier Töchter.[1]

Kandidatur zur Präsidentschaftswahl 2009

Bei der afghanischen Präsidentschaftswahl im August 2009 trat Abdullah gegen Hamid Karzai an und galt als Mitfavorit. Bei der Stimmauszählung mehrten sich allerdings die Vorwürfe der internationalen Beobachter, dass massiver Wahlbetrug betrieben worden sei. Eine Beschwerdekommission ermittelte mehrere Wochen, ehe diese Mitte Oktober bekannt gab, dass hunderttausende Stimmen ungültig seien. Damit verlor Amtsinhaber Karzai die absolute Mehrheit und es wurde eine Stichwahl zwischen diesem und Abdullah am 7. November 2009 vereinbart.

Ende Oktober 2009, knapp eine Woche vor der Wahl, drohte Abdullah sich laut Medienberichten von der Stichwahl zurückzuziehen. Vorausgegangen waren gescheiterte Gespräche mit Karzai. Abdullah hatte unter anderem die Entlassung des Vorsitzenden der umstrittenen Wahlkommission (IEC) gefordert, um eine „freie und faire“ Stichwahl ermöglichen zu lassen.[3] Sechs Tage vor der geplanten Stichwahl erklärte er seinen Boykott der Abstimmung.[4]

 Commons: Abdullah Abdullah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c vgl. Abdullah Abdullah. In: Internationales Biographisches Archiv 01/2007 vom 6. Januar 2007, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 34/2009 (aufgerufen am 31. Oktober 2009 via Munzinger Online)
  2. vgl. Abdullah Abdullah – Der afghanische Alternative bei welt.de, 31. Oktober 2009
  3. vgl. Abdullah droht mit Boykott bei sueddeutsche.de, 31. Oktober 2009
  4. vgl. Abdullah tritt nicht zur Stichwahl an bei tagesschau.de, 1. November 2009
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