Srebrenica

Srebrenica
Сребреница
Basisdaten
Staat:Bosnien und Herzegowina
Entität:Republika Srpska
Gemeinde:Srebrenica
Koordinaten:44° 6′ N, 19° 18′ O44.10333333333319.298333333333Koordinaten: 44° 6′ 12″ N, 19° 17′ 54″ O
Einwohner:11.000 (2007)
Struktur und Verwaltung
Bürgermeister:Osman Suljić (SDA)
Webpräsenz:
Panorama von Srebrenica

Srebrenica (dt. veraltet Silberin) ist eine Stadt im Osten von Bosnien und Herzegowina, nahe der Grenze zu Serbien. Sie befindet sich in der Republika Srpska, einer von zwei Entitäten des Landes.

Die Gemeinde hat etwa 11.000 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Ort befindet sich in einem engen Talkessel zwischen den dicht bewaldeten Bergen Ostbosniens, die sich hier bis auf etwa 1000 m erheben. Im Süden bildet die Schlucht der Drina die natürliche Grenze zwischen der Gemeinde Srebrenica und Serbien; im Norden befindet sich in der Ebene das Städtchen Bratunac.

Geschichte

Srebrenica wurde erstmals im Jahre 1376 erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt hatte es sich jedoch bereits zu einem wichtigen Wirtschafts- und Handelszentrum der westlichen Balkanhalbinsel entwickelt, dessen Bedeutung vor allem auf den reichen Silberbergwerken der Umgebung beruhte. Bereits die Römer wussten von den Erzvorkommen und beuteten sie z.B. nahe ihrer Siedlung Domavia aus. Zum Zeitpunkt der Ersterwähnung Srebrenicas hatte sich dort bereits eine größere Kaufmannskolonie der Ragusaner etabliert, da diese den Silberhandel innerhalb Bosniens kontrollierten und der Export über den Seeweg fast ausschließlich über den Hafen von Ragusa (Dubrovnik) abgewickelt wurde[1]. Im Laufe des 14. Jahrhunderts siedelten sich zahlreiche deutsche Bergleute in der Region an, die den Silberbergbau weiter vorantrieben und ebenso wie in Siebenbürgen als „Sachsen“ bezeichnet wurden[2].

In der Mitte der 1420er Jahre lieferten sich serbische Kräfte und die Truppen des bosnischen Königs Tvrtko II. heftige Kämpfe um den Besitz der Stadt, die aber 1440 schließlich von den Osmanen erobert wurde[3]. Das ansässige Franziskanerkloster wurde – wie in Jajce oder Zvornik – in eine Moschee umgewandelt. Die große Zahl der „Sachsen“ und Ragusaner, die beide überwiegend katholischen Glaubens waren, führte allerdings dazu, dass die Islamisierung in Srebrenica nach der osmanischen Eroberung wesentlich langsamer verlief als in den meisten anderen Städten des Landes[4].

Mit dem schwindenden Einfluss der Republik Ragusa im nun zum Osmanischen Reich zählenden Bosnien nahm auch die wirtschaftliche Stärke und Bedeutung Srebrenicas sowie – bedingt durch den Niedergang der ragusanischen und deutschen Kolonien – die Zahl der katholischen Einwohner ab.

Im 19. Jahrhundert wurde die Bedeutung der arsenhaltigen Mineralquellen von Guber, etwa zwei Kilometer östlich des Stadtzentrums, erkannt. Zunächst wurde das Wasser abgefüllt und von Mattoni europaweit verschickt. Im 20. Jahrhundert errichtete man schließlich Hotels und Kureinrichtungen. 1980 hatte das Kurbad mehr als 25.000 Gäste.[5]

Bosnienkrieg

Ruinen des Heilbades Guber

Srebrenica wurde elf Tage nach Beginn des Bosnienkrieges, am 17. April 1992, erstmals von serbischen paramilitärischen Kräften angegriffen. Dabei kam es zu Plünderungen und Brandschatzungen. Kurz darauf gewannen die bosniakischen Verbände unter Naser Orić die Kontrolle zurück; zur Vergeltung wurden mehrere serbische Dörfer in der Gegend niedergebrannt, woraufhin die meisten Serben Srebrenica verließen. Im Sommer 1992 begann die dreijährige Belagerung der Stadt. Erst im März 1993 traf der erste Hilfskonvoi der UN in Srebrenica ein. Zwischenzeitlich hatte sich die Bevölkerungszahl durch Flüchtlinge aus den umliegenden Gebieten deutlich erhöht. Einen Monat später wurde offiziell eine UN-Schutzzone eingerichtet.

Internationale Aufmerksamkeit erfuhr die Stadt im Juli 1995, als bosnische Serben unter Führung des Generals Ratko Mladić die bosniakische Enklave – damals UN-Schutzzone – eroberten und alle männlichen Personen, derer sie habhaft werden konnten, verschleppten und im Massaker von Srebrenica ermordeten. Die Rolle der niederländischen Blauhelm-Soldaten, die nicht entscheidend einschritten und die Deportationen nicht verhinderten, ist bis heute umstritten. Ein kritischer Report einer niederländischen Kommission führte aber zum Rücktritt der zweiten Regierung von Wim Kok.

Bevölkerung

Im Jahre 1991 hatte die Gemeinde Srebrenica 36.666 Einwohner; davon bezeichneten sich 75 % als Bosniaken, 23 % als Serben und 2 % als Angehörige anderer Volksgruppen. Die Stadt selbst hatte 3.673 Einwohner, davon 64 % Bosniaken und 28 % Serben. Von den achtzig Dörfern in der Gemeinde waren 23 mehrheitlich serbisch, die restlichen überwiegend bosniakisch. Die meisten Dörfer waren ethnisch homogen, gemischte Bevölkerung bildete die Ausnahme.

Im Bosnienkrieg änderte sich die Bevölkerungszusammensetzung dramatisch. Die meisten bosniakischen Bewohner wurden vertrieben, flohen oder fielen den serbischen Truppen zum Opfer. Gleichzeitig gab es Übergriffe bosniakischer Truppen auf die serbischen Dörfer der Region.

Mittlerweile sind einige Hundert Bosniaken in die Gemeinde zurückgekehrt, nachdem die Region nach 1995 praktisch verlassen war. Die Mehrheit stellen jedoch Serben, zumeist Flüchtlinge aus den Vororten Sarajevos. Aufgrund des Wahlrechts, das Flüchtlinge an ihrem Heimatort wählen lässt, ist der Bürgermeister dennoch Moslem.

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. Konstantin Jireček: Die Handelsstrassen und Bergwerke von Serbien und Bosnien während des Mittelalters: historisch-geographische Studien. Prag: Verl. der Kön. Böhmischen Ges. der Wiss., 1879
  2. Mihailo Dinić: Za istoriju rudarstva u srednjevekovnoj Srbiji i Bosni, S. 46
  3. Noel Malcolm: A Short History of Bosnia, Macmillan, London 1994; S. 22
  4. A Short History of Bosnia, S. 53 ff.
  5. Artikel in Zeit Online

 Commons: Srebrenica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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