Tulul adh-Dhahab

Die Tulul adh-Dhahab im Frühling.

Die Tulul adh-Dhahab (auch: Tall / Telul edh Dhehab, arabischتلول الذهب‎) sind zwei unmittelbar benachbarte Tells im Wadi az-Zarqa, einem Seitental des Jordantals, ca. eine Autostunde nordwestlich von Amman in Jordanien. Der westliche der Zwillinghügel war mindestens von der Bronzezeit bis in die Spätantike besiedelt, ein Beginn der Besiedlung bereits im Neolithikum ist nicht ausgeschlossen. Nach dem Zusammenfall der antiken Bauten wohl durch ein Erdbeben noch in der Spätantike gab es keine spätere Bebauung des Geländes. Wegen des unglücklichen Namens (i.e. “Goldberge”) sind jedoch umfangreiche rezente Störungen zu beklagen.

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Lage

Die Doppelhügel (daher der Plural ‘Tulul’, eigtl. Dual ‘Telan’ statt Singular ‘Tell’ bzw. ‘Tall’) liegen - nur etwa 35 km nordwestlich der jordanischen Hauptstadt Amman - im Wadi az-Zarqa (Jabboktal) an der Mündung des von Süden kommenden Wadi Hajjaj. Zwei zwillingsartige, Ruinen tragende natürliche Hügel mit einer Höhe von je 120 m über dem Flussbett zwingen den Zarqa-Fluss hier zu einem kurvenreichen Verlauf. Bis zum 20. Jh. haben die Zwillingshügel den weiteren Weg im Wadi az-Zarqa Richtung Osten versperrt. Antike Wanderer mussten auf das Wadi Hajjaj ausweichen, dies war der kürzeste Weg in das Siedlungsgebiet der Ammoniter. Auf diese Weise kamen den Tulul adh-Dhahab bis zum Bau der römischen Straße am Ausgang des Wadi az-Zarqa zum Jordantal beim heutigen Ort Abu Zighan eine hohe strategische Bedeutung zu.[1] Nur etwa 6,5 Kilometer westlich der Tulul adh-Dhahab befindet sich der große, in die Bronze- und Eisenzeit zu datierende Tell von Dayr ′Alla (auch Deir Alla).

Entdeckung

Die Forschung des späten 19. und 20. Jhs. wurde durch die Beschreibungen der Tulul adh-Dhahab von S. Merrill (1878, 1881), G. Gustav Dalman, C. Steuernagel und anderen aufmerksam. M. Noth führte 1955 topographische Untersuchungen durch. Erst die amerikanischen Archäologen Robert L. Gordon und Linda E. Villiers haben in den Jahren 1980 und 1982 einen größeren Survey durchgeführt. Sie publizierten den ersten Plan der damals noch sichtbaren Ruinen.

Die Ausgrabungen seit 2005

Kampagne 2008: Blick auf die Grabung bei erstem Morgenlicht.
Die Wehranlage am Westhügel.

Ein Team der TU Dortmund unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Pola untersucht in Zusammenarbeit mit dem Jordanischen Antikendepartement (DoA) den westlichen der beiden Hügel seit 2005 genauer. Seit 2006 beteiligt sich ein Team der Universität Basel an den Grabungen, das u. a. für die geomagnetische Prospektion, die tachymetrische 3D-Vermessung sowie die Erstellung von Nahbereichsluftbildern verantwortlich zeichnet. In Ergänzung zur Arbeit von R.L. Gordon von 1980/82 liegt nun erstmals eine detaillierte Karte des ganzen Grabungsgeländes vor, in der auch die obertägigen Artefakte eingemessen sind.

Auf dem hellenistisch überbauten obersten Plateau (Terrasse I) wurden Teile eines herodeszeitlichen Säulenhofes mit charakteristischen herzförmigen Ecksäulen freigelegt. Der Fund zweier byzantinischer Kapitelle zeigt, dass diese Anlage in der Spätantike umgebaut und weiter repräsentativ bewohnt wurde. Später - aber wohl noch in der Spätantike - wurde der Gebäudekomplex durch ein Erdbeben zerstört. Aus einer der stehengebliebenen Mauern stammen, als Spolien verbaut, zwei bemerkenswerte eisenzeitliche Ritzzeichnungen, von denen die eine den Kopf einer geschmückten Löwin, die andere eine Frau (oder ein Kind) mit einer Ziege zeigt. Diese Funde lassen für das 9. oder 8. Jahrhundert v. Chr. ein Heiligtum auf dem Plateau des Berges erschließen. Während der Kampagne 2008 wurde auf Terrasse I erstmals eine unberührte Zerstörungsschicht gefunden, die in einem Mauerwinkel des Peristylhofes fast vollständige rekonstruierbare Gefäße aufwies.

Etwas tiefer, am Südwesthang des Hügels, konnte ein Turm der in den untersten Lagen noch auf weite Strecken erhaltenen Stadtmauer näher untersucht werden. Eine unmittelbar unter dem Turm liegende Brandschicht ergab eine 14C-Datierung auf etwa 1.300 / 1.000 v. Chr.

Die Grabungen haben zudem eine zuvor unbekannte mächtige Wehranlage erschlossen, die den einzig geeigneten Zuweg aus dem Tal zum Tell von Nordwesten her abriegelt.

Identifikation

In der Forschung ist umstritten, mit welchen antiken Orten die Tulul adh-Dhahab identifiziert werden können. Diskutiert werden u.a. Ortslagen, die im Alten Testament (Pnuël / Penuel, Mahanaim) oder beim antiken Historiker Flavius Josephus (Amathous, Essa) erwähnt werden.

Quellenangaben

  1. Siegfried Mittmann: Die römische Straße in der nordwestlichen Belka. In: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins. Bd. 79, 1963, ISSN 0012-1169, S. 152-163.

Literatur

  • Martin Noth: Das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes. Lehrkursus 1955. In: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins. Bd. 72, 1956, ISSN 0012-1169, S. 31-82, hier: 52-58.
  • Robert L. Gordon, Linda E. Villiers: Telul edh Dhahab and its environs surveys of 1980 and 1982: a preliminary report. In: Annual of the Department of Antiquities of Jordan. Bd. 27, 1983, S. 275-289.
  • Robert L. Gordon: Telul edh Dhahab Survey (Jordan) 1980 and 1982. In: Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft zu Berlin. Bd. 116, 1984, S. 131-137.
  • Eveline Johanna van der Steen: Tribes and Territories In Transition. The central east Jordan valley and surrounding regions in the Late Bronze and Early Iron Ages: a study of the sources. Diss. Groningen 2002, S. 187-188 (PDF; 8,9 MB).
  • Thomas Pola, Mohammed al-Balawnah, Emmanuel Rehfeld, Tobias Krause: Two Fragments of Carved Stones from the Tulul adh-Dhahab in the Lower Wadi az-Zarqa. In: Journal of Epigraphy and Rock Drawings. Bd. 3, 2009 (14. Juni 2009: im Druck).

 Commons: Tulul adh-Dhahab – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

  • offizielle Projekthomepage auf den Webseiten der TU Dortmund
  • Artikel in der taz zur Ausgrabung 2005
  • Pressemeldung der TU Dortmund zur Ausgrabung 2006
  • Bericht der TU Dortmund zur Ausgrabung 2006
  • Pressemeldung der TU Dortmund zur Ausgrabung 2007
  • Artikel in der Jordan Times zur Kampagne 2008
  • Artikel in der WAZ zum Ausgrabungsprojekt
  • Foto eines Köpfchens aus Keramik

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