Uhrmacher
Ein Uhrmacher ist ein Erfinder, Konstrukteur und Erbauer von Uhren, speziell mechanischen Uhrwerken und deren Zubehörteilen. Der Beruf beinhaltet auch die Wartung und Pflege von Uhren aller Art. Die Objekte eines Uhrmachers beziehen zum Teil auch die Anzeige anderer von der Zeit abgeleiteten Werte (zum Beispiel Mondphasen) oder völlig anderer Werte (mittels anderer Messinstrumente, zum Beispiel Barometer) mit ein.
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Geschichte
Die ersten Uhrmacher waren Schlosser und Schmiede. Auch nachdem Mitte des 16. Jahrhunderts Uhrmacherzünfte in Deutschland entstanden waren, hatten Schlosser das Recht, Uhren zu bauen. Die ersten Uhrmachervereinigungen finden sich 1540 in Dresden, noch vereinigt mit der Innung der Kleinschmiede und ohne Zwang zum Meisterstück, 1544 in Paris und 1631 in London mit der Worshipful Company of Clockmakers.[1] Die Uhrmacherei zählte zunächst zu den Künsten, später zum Kunsthandwerk. Die Uhrmacher waren die Pioniere der Feinmechanik.
Der heutige Beruf Uhrmacher
Berufsbild
Der Uhrmacher [2][3] beschäftigt sich mit Herstellung, Montieren, Demontieren und Reparieren von Uhrwerken und Zubehörteilen, insbesondere dem Uhrgehäuse, also mit Konstruktionszeichnungen, mechanischen, elektrischen und elektronischen Bauteilen von Groß- und Kleinuhrwerken in Serien- und Einzelfertigung, sowie Fehlersuche, Wartung, Pflege, Prüfung und Justage von modernen und historischen Uhren, sowie Grundlagen und angewandter Zeitmeßtechnik. Daneben bildet Herstellung und Wartung der hochspezialisierten Betriebsmittel eine bedeutenden Anteil seiner Tätigkeit.
Das Berufsfeld umfasst
- Gewerbetreibende und Fachverkäufer bzw. Fachberater in der Schmuckbranche und im technischen Kundendienst
- In der Uhrenindustrie ist der Uhrmacher als Professionist der Fachmann, der andere Arbeitskräfte anleitet und überwacht. Er führt komplizierte Arbeiten aus und ist für die Qualitätssicherung zuständig.
- Im Dienstleistungssektor sind Uhrmacher für die Pflege, Wartung und Erhaltung von Uhren zuständig – diesen Typus des Berufsbilds nennt man auch Rhabilleur. Das Spektrum umfasst hier vom Batteriewechsel über Revisionen bis hin zu komplexen Restaurierungen von historischen Groß- und Kleinuhren (Uhrenrestaurator).
- Der Furniturist ist Uhrmacher im Ersatzteilhandel (Uhrenfurniturenhandel).
Uhrmacher führen ihre Arbeiten selbstständig auf der Grundlage von technischen Unterlagen und Arbeitsaufträgen durch. Sie beschaffen Informationen, planen und koordinieren ihre Arbeit und stimmen sie mit anderen, insbesondere mit Kunden, Betriebsinhaber und Kollegen ab. Weiterhin ergreifen sie qualitätssichernde Maßnahmen, dokumentieren ihre Leistungen und ergreifen Maßnahmen zur Sicherheit, zum Gesundheits- und Umweltschutz bei der Arbeit.[4]
Uhrmacher sind weiters im Flugzeugbau, Musterbau, Mess- und Regelfach begehrte Fachkräfte mit ihrer umfangreichen Ausbildung in der Mikromechanik.
Berufsausbildung
Die Ausbildung zum Uhrmacher[5][6] dauert drei Jahre und schließt mit dem Gesellenbrief bzw. in der Schweiz dem Fähigkeitszeugnis ab. Sie kann heutzutage auf zwei Arten erfolgen:
- als Duale Ausbildung in einem Handwerks- oder Industriebetrieb mit begleitender Berufsschule
- als Vollzeitausbildung in einer Uhrmacherschule
Fortbildung
Uhrmachermeister
Nach der Gesellen-/Fähigkeitsprüfung ist eine Fortbildung zum Meister möglich.[7][8] Der Uhrmachermeister[9][10] ist durch seine Dreifachqualifikation ein Spezialist für sein Fachgebiet, Ausbilder und Unternehmer.
Restaurator im Uhrmacherhandwerk
Ab Jahr 2007 ist in Deutschland eine weitere Fortbildungsmöglichkeit für den Uhrmacherberuf geschaffen. Ausgebildete Uhrmachermeister können sich zum anerkannten Restaurator im Uhrmacherhandwerk [11] mit Abschlussprüfung[12] qualifizieren. Somit wurde eine neue Qualifikation[13] geschaffen, damit die Kunden – sei es private Auftraggeber, Sammler oder öffentliche Institutionen wie Museen – die Sicherheit haben, dass ihre kunsthistorisch wertvollen Instrumente in fachkundige Hände kommen. Der moderne Handwerker wird heutzutage immer mehr mit historischen Objekten konfrontiert, die ein andersartiges Vorgehen erfordern, als wie man es in einer konventionellen Handwerksausbildung gelernt hat.
Uhrmacherschulen
In Deutschland wurde die erste Uhrmacherschule 1850 in Furtwangen im Schwarzwald gegründet, in der Schweiz 1868 Uhrmacherschule in Le Locle, in Österreich 1873 in Karlstein an der Thaya.
Historische Schulen
- Deutsche Uhrmacherschule Glashütte (DUS), Deutschland (1878–1956)
- Uhrmacherschule Le Locle: seit 1868, heute Teil der Ecole technique neuchatelois, das Gebäude Château des Monts beherbergt seit 1959 das Uhrenmuseum Musée d’Horlogerie du Locle[14]
Berufsbildende und berufsweiterbildende Schulen
- Deutschland
- Bayerische Meisterschule für das Uhrmacherhandwerk[8]
- Berufsfachschule für Bayern, Hessen und Thüringen an der Franz-Oberthür-Schule Würzburg, Würzburg[15]
- Berufsfachschule Hamburg[16]
- BSZ für Technik Dippoldiswalde (Berufsfachschule), Außenstelle Glashütte [17]
- Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule Pforzheim[18]
- Hessische Uhrmacherschule (HUS), Meister- und Weiterbildungsschule für das Uhrmacherhandwerk[19]
- Uhrmacherschule Furtwangen an der Robert-Gerwig-Schule Furtwangen (seit 1850)[20]
- Uhrmacherschule mit Meisterschule an der Staatlichen Feintechnikschule Villingen-Schwenningen[21]
- Österreich
- Bundes-Berufsschule für Uhrmacher Karlstein/Thaya (seit 1873),[22] betreut auch das österreichische Uhrenmuseum Karlstein[23]
- Schweiz
- Ecole technique neuchatelois (ET) des Centre interrégional de formation des Montagnes neuchâteloises (CIFOM)[24]
- Internationale Uhrmacherschule WOSTEP[25]
- ZeitZentrum Uhrmacherschule Grenchen[26]
- Weitere
- Uhrmacherschule Ringsted, Dänemark
- Fachschule Schoonhoven, Niederlande[27]
Verbände
- Deutschland
- Zentralverband für Uhren, Schmuck und Zeitmeßtechnik
- Verband der Deutschen Uhrenindustrie (WPG)[28]
- Deutsche Gesellschaft für Chronometrie (DGC)
- Schweiz
- Vereinigtes Königreich
Bekannte Uhrmacher
Neben ausgesprochen handwerklichen Uhrmachern finden sich in dieser Liste auch einige Physiker und Ingenieure, die sich ausführlich mit der Uhrmacherei beschäftigt haben.[35]
- Einer der bekanntesten deutschen Uhrmacher war Peter Henlein (um 1479/80–1542) aus Nürnberg. Wahrscheinlich als Erster in Deutschland entwickelte und fertigte er kleine, am Körper tragbare Uhren.
- Nicht ganz so bekannt ist sein Kollege, der Nürnberger Uhrmacher und Feinmechaniker Hans Gruber (um 1530–1597). Er stellte im Durchmesser lediglich 2 cm kleine Taschenuhren her und war auch Meister der Nürnberger Schlosserinnung.
- Auf Christiaan Huygens (1629–1695) geht die die erste wirkliche Pendeluhr mit Spindelhemmung zurück (1656), sowie die Theorie von Feder und Pendel (Horologium oscillatorium. Paris, 1673). Er konstruierte auch Planetarien und arbeitete über die astronomischen Grundlagen der Zeitrechnung.
- Daniel Jean-Richard begründete 1681 die Schweizer Uhrenindustrie.
- Thomas Tompion (1638–1713, London) entwickelt 1695 die Zylinderhemmung.
- George Graham (1673–1751) ist einer der bedeutendsten englischen Uhrmacher. Auf ihn geht die Graham-Ankerhemmung (der Grahamgang, 1715) zurück.
- Matthew Stogden lässt sich 1728 das Repetitionsschlagwerk patentieren.
- Pierre le Roy 1724 entwickelt die erste Duplex-Hemmung.
- Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais (1732–1799) erfindet die Doppelkommahemmung[36], wodurch der Bau deutlich kleinerer und ganggenauerer Uhren möglich wurde.
- John Harrison (1693–1776) löst das Längenproblem – er gilt als Vater der modernen Chronometrie, obwohl ihm zu Lebzeiten die Anerkennung (H5, 1761) lange versagt blieb.
- Abraham Louis Breguet (1747–1823) erfindet um 1800 in der Schweiz das Tourbillon und führt die aufgebogene Spiralenkurve (Breguet–Spirale) ein, 1810 baute er die erste Armbanduhr, auch einige andere Erfindungen (Parachute–Stoßsicherung, Echappement naturel, Pendule sympathique) gehen auf ihn zurück.
- Urban Jürgensen 1807: Erstes Taschenchronometer
- Carl August von Steinheil (1801–1870) in München entwickelt eine elektrische Nebenuhrenanlage (1829)
- Adrien Philippe (1815–1894) erfindet den Bügelaufzug (Remontoir-Aufzug, 1842).
- John Harwood entwickelt die automatische Armbanduhr (1923, Patent 1924, Harwood perpetual mit automatischem Aufzug Basel Messe 1926).[37]
- Die Physiker Adolf Scheibe (1895–1958) und Udo Adelsberger (1902–1992) bauen 1934 (nach Erfindung durch Warren Alvin Marrison 1929) die erste funktionstüchtige Quarzuhr.
- Reinhard Straumann (1892–1967), Schweizer Ingenieur, entwickelt 1926 die erste Zeitwaage und den Chronokomparator, sowie die Legierung Nivarox für die selbstkompensierende Spiralfeder (1932) und die bruchfeste Zugfeder (1952).
Literatur
- Carl Schulte: Lexikon der Uhrmacherkunst. 2. Aufl., Bautzen 1902; Reprint Callwey-Verlag 1980
TV-Dokumentation
- Der Letzte seines Standes? Der Turmuhrbauer; von Benedikt Kuby, Bayerisches Fernsehen 2000.
Siehe auch
- Kategorie:Uhrmacher, weitere bekannte Uhrmacher
- Liste bedeutender Uhrmacher (chronologisch)
Einzelnachweise
- ↑ Klaus Maurice: Von Uhren und Automaten. Prestel, München 1968.
- ↑ Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie – Uhrmacher/in
- ↑ Bundesagentur für Arbeit – Uhrmacher/in
- ↑ Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) – Uhrmacher/in – Ausbildungsprofil
- ↑ Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) – Uhrmacher/in
- ↑ Verordnung: „Uhrmacher/in“
- ↑ Hessische Uhrmacherschule – Uhrmachermeister / Uhrmachermeisterin
- ↑ a b Bayerische Meisterschule für das Uhrmacherhandwerk
- ↑ Verordnung: „Uhrmachermeister / Uhrmachermeisterin“
- ↑ Meisterprüfungsordnung. Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), abgerufen am 8. Juni 2008 (pdf).
- ↑ Bundesagentur für Arbeit – Restaurator/in im Uhrmacherhandwerk
- ↑ Hessische Uhrmacherschule – Restaurator/in im Uhrmacherhandwerk
- ↑ Verordnung: „Geprüfter Restaurator / Geprüfte Restauratorin im Uhrmacherhandwerk“
- ↑ Das Museum. Musée d’horlogerie du Locle, abgerufen am 8. Juni 2008 (Deutsch).
- ↑ Franz-Oberthür-Schule Würzburg
- ↑ Berufsfachschule für Uhrmacher Hamburg
- ↑ Berufsfachschule – BSZ Dippoldiswalde
- ↑ Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule Pforzheim
- ↑ Hessische Uhrmacherschule (HUS)
- ↑ Robert-Gerwig-Schule Furtwangen
- ↑ Staatliche Feintechnikschule Villingen-Schwenningen
- ↑ Bundesfachschule für Uhrmacher in Karlstein an der Thaya
- ↑ Uhrenmuseum Karlstein an der Thaya
- ↑ Ecole technique neuchatelois
- ↑ Internationale Uhrmacherschule WOSTEP
- ↑ ZeitZentrum Uhrmacherschule Grenchen
- ↑ Fachschule Schoonhoven, Niederlande
- ↑ Verband der Deutschen Uhrenindustrie (WPG)
- ↑ Österreichische Bundesinnung der Gold- und Silberschmiede, Juweliere und Uhrmacher
- ↑ Verband deutschschweizerischer Uhrenfabrikanten
- ↑ Verband Schweizer Goldschmiede und Uhrenfachgeschäfte
- ↑ Académie Horlogère Des Créateurs Indépendants
- ↑ Convention patronale de l’industrie horlogère suisse
- ↑ Fédération Horlogère Suisse
- ↑ M. Loeske: Deutscher Uhrmacher-Kalender 1923 S. 82–87, Uhrmacher Jahrbuch 1956, S. 78f, zitiert nach Volker Vyskocil: Was wann geschah.. In: www.uhrentechnik.de. Abgerufen am 8. Juni 2008.
- ↑ Fritz von Osterhausen: Callweys Uhrenlexikon. Callwey, München 1999, ISBN 978-3766713537, S. 187.
- ↑ Geschichte. Haarwood Watch Co. Switzerland, abgerufen am 8. Juni 2008 (Deutsch).