Uigurische Sprache

Uigurisch

Gesprochen in

China, Kirgisistan, Kasachstan
Sprecher8 Millionen
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache vonXinjiang
Sprachcodes
ISO 639-1:

ug

ISO 639-2:

uig

ISO 639-3:

uig

Die uigurische Sprache (kyrillisch Уйғурчә, Уйғур тили, arabischئۇيغۇرچە‎, ‏ئۇيغۇر تىلى‎, lateinisch Uyƣurqə oder Uyƣur tili; chin. 维吾尔语, Wéiwú’ěryǔ) ist eine Turksprache, die im Autonomen Gebiet Xinjiang (frühere Transkription: Sinkiang) der Volksrepublik China beheimatet ist. In der turkologischen Forschung in der Türkei wird die Sprache „uigurisches Türkisch“ (Uyğur Türkçesi) genannt. Im 9. Jahrhundert wurde die Sprache der Uiguren als Turki („Türkisch“) bezeichnet und in dieser Sprache sind zahlreiche Denkmäler überliefert. Vorläufer ist das Tschagataiische.

Uigurisch wird heute mit einem modifizierten persisch-arabischen Alphabet geschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Klassifikation

Zusammen mit der usbekischen Sprache zählt die uigurische Sprache zu den uigurischen Sprachen, einer Unterkategorie der Turksprachen. Andere uigurische Sprachen sind Yugur, Ainu und Ili Turki.

Geografische Verteilung

Die uigurische Sprache ist die Muttersprache von rund 7,6 Millionen Menschen. 1990 gaben bei der chinesischen Volkszählung über 7,214 Millionen Menschen Uigurisch als Muttersprache an; davon in Xinjiang allein 4,7 Millionen. 1,15 Millionen gaben Hotan, 25.000 Yuli, 2.000 Akto-Turkmenisch und rund 120 Ili-Türkisch als Muttersprache an. Starke uigurische Minderheiten existieren in den Nachbarländern Kasachstan (185.301), Kirgisistan (36.779) und Usbekistan (33.762), kleinere Minderheiten (3.000 Uiguren) lebten 1990 in Afghanistan, Pakistan, Indien, 1.000 in der Mongolei und 500 in der Türkei.

Dialekte und Soziolekte

Die uigurische Sprache zerfällt bis heute in zahlreiche Dialekte, die mit Ausnahme des „Dolan-Dialektes“ und des „Ili-Türkischen“ nach den Hauptorten ihrer Sprecher benannt sind: Kashi (Kaschgar), Yeni (Yengisar), Shache (Yarkant), Hotan (Chotan), Keriya (Yutian), Qarqan (Qiemo), Aksu, Karaxahr (Karaschahr), Kuqa (Kutscha), Turpan (Turfan), Hami (Kumul), Ürümqi (Urumtschi), Yuli (Lop Nur), Dolan, Ili-Türki (Kuldscha, Yining, Tarantschi) und Akto Türkmen.

  • Der Dolan-Dialekt wird in den Oasengebieten rund um das Tarimbecken bzw. der Takla-Makan-Wüste gesprochen.
  • Das Ili-Türkische ist als Übergangsdialekt zwischen Tschagataiisch und Kyptschak-Usbekisch anzusiedeln. Es stammt aus dem usbekisch-kirgisischen Grenzgebiet des Ferganatales und wird nur noch von meist älteren Personen gesprochen. Die Sprachträger kamen vor rund 200 Jahren nach Ost-Turkestan.
  • Das Akto-Turkmenische gilt als ein besonderer uigurischer Dialekt, der 500 eigenständige Wörter besitzt. Auch besitzen die Akto-Turkmenen eigenständige Sitten und Gebräuche; ihrer Herkunftssage nach stammen sie aus Samarkand. Die Akto-Turkmenen siedeln in 2 Dörfern (Kösarap und Oytak). Die nächste größere Ortschaft ist Akto, südlich von Kaschgar.

(Offiziell werden die Akto-Turkmenen von der chinesischen Zentralregierung den Kirgisen zugerechnet, während diese sich selbst den Uiguren zugehörig fühlen.)

Das Neu-Uigurische ist – obschon von manchen türkischen Historikern und von heutigen Sprachträgern behauptet – nicht als direkte Fortsetzung des Alt-Uigurischen anzusehen. Vielmehr wurde der Name Uygur auf einem Kongress der Turkvölker Turkestans in West-Turkestan (Taschkent) angenommen und auf einen großen Bevölkerungsteil des östlichen Turkestan übertragen.

Wortschatz

Der uigurische Wortschatz beruht auf einem türkischen Stamm, enthält aber wie das Usbekische eine große Anzahl an persischen Lehnwörtern. Viele Internationalismen hat die Sprache zudem aus dem Russischen übernommen. Mittlerweile gibt es auch Lehnwörter aus dem Chinesischen.

Schrift

Bis zum 8. Jahrhundert wurde Uigurisch in Orchon-Runen geschrieben. Anschließend wurde ein eigenes uigurisches Alphabet entwickelt, das vertikal von oben nach unten geschrieben wurde. Im 16. Jahrhundert wurde das Uigurische mit einem angepassten arabischen Alphabet geschrieben.[1]

In Sinkiang wurde in den 1920er bis 1940er Jahren mit lateinischen und kyrillischen Alphabeten experimentiert. 1969 wurden für mehrere Turksprachen in China Lateinschriften eingeführt, die vor allem an die Pinyin-Transkription für das Chinesische angelehnt waren (z. B. x für ‏ش‎ [ʃ], q für ‏چ‎ [ʧ]), so auch für das Uigurische. 1987 wurde diese Lateinschrift abgeschafft und wieder ein arabisch-persisches Alphabet eingeführt, in dem jedoch im Gegensatz zur alten Rechtschreibung alle Vokale klar unterschieden werden.

In der nachstehenden Tabelle werden folgende Schreibweisen verglichen: heutiges (arabisch-persisches) Alphabet, Lateinschrift 19691987, Entsprechung in türkischer Rechtschreibung und internationale Lautschrift. Die Reihenfolge der Buchstaben ist die des heutigen Alphabets.

Gegenüberstellung der uigurischen Alphabete
Arabisch/PersischLateinTürkischIPAArabischLateinTürkischIPA
ئاA aaaقⱩ ⱪ ?q
ئهƏ ə ?æكK kkk
بB bbbڭngngŋ
پP pppگG ggg
تT tttلL lll
جJ jcʤمM mmm
چQ qçʧنN nnn
خH h ?xهⱧ ⱨhh
دD dddئوO ooo
رR rrrئۇU uuu
زZ zzzئۆƟ ɵöœ
ژȤ ȥjʒئۈÜ üüy
سS sssۋV vvv
شX xşʃئېE eee
غƢ ƣğɣئىI iii
فF fffيY yyj

In an das Türkische angelehnten Schreibweisen gibt es bei einigen Lauten keine einheitliche Schreibweise, da diese im Türkischen nicht unterschieden werden (ئا-ئه, خ-ه, ك-ق).

Der Language Code für Uigurisch nach ISO 639 ist ug bzw. uig.

Einzelnachweise

  1. Uyghur alphabets, pronunciation and language


Literatur

Allgemein

  • Zhào Xiāngrú 赵相如, Zhū Zhìníng 朱志宁: Wéiwú’ěryǔ jiǎnzhì 维吾尔语简志 (Abriss der uigurischen Sprache; Beijing, Mínzú chūbǎnshè 民族出版社 1985).

Wörterbücher

  • Hǝnzuqǝ-Uyƣurqǝ Luƣǝt, sinak nus’hisi / Han Wei cidian, shibian ben 汉维词典, 试编本 (Chinesisch-Uigurisches Wörterbuch, Versuchsausgabe). 新疆人民出版社 Xinjiang renmin chubanshe (Xinjiang Volksverlag). 乌鲁木齐 Ürümqi 1974.
  • Wei Han cidian 维汉词典 / Uyƣurqǝ-Hǝnzuqǝ Luƣǝt (Uigurisch-Chinesisches Wörterbuch). Hrsg. von der 新疆大学中国语文系 Xinjiang daxue Zhongguo yuwenxi (Fakultät für Sprache und Schrift Chinas der Xinjiang-Universität). 新疆人民出版社 Xinjiang renmin chubanshe (Xinjiang Volksverlag). 乌鲁木齐 Ürümqi 1982.

 Wikipedia auf Uigurisch

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