Vision Religion

Dieser - Artikel erläutert die Vision im religiösen Sinne; andere Bedeutungen unter Vision.

Als Vision (von lateinisch videre = sehen, schauen) oder „Schauung“ im religiösen Sinne wird ein bildhaftes Erleben verstanden, das nach Inhalt und Art als übernatürlich aufgefasst oder gedeutet wird, selbst dann, wenn neben dem visionär Geschauten auch Höreindrücke erlebt werden. Genau genommen müsste dann von einer Audiovision gesprochen werden. Ebenso unüblich ist es, bei ausschließlich gehörten Ereignissen von Auditionen – von lat. audire hören – zu reden. Auf die Übernatürlichkeit einer visionären Erfahrung wird gewöhnlich geschlossen, wenn sie

  • vom Inhalt her außergewöhnliche und außerordentlich beeindruckende Elemente enthält und
  • in Art und Wahrnehmung als deutlich oder sogar völlig andersartig, insbesondere als mitreißend, zuinnerst ergreifend und bewegend oder zutiefst erschütternd erlebt wird.

Menschen mit visionären Erlebnissen werden auch als Seher bezeichnet.

Hildegard von Bingen empfängt eine göttliche Inspiration. Miniatur aus dem Rupertsberger Codex des Liber Scivias

Inhaltsverzeichnis

Abgrenzung

Im Bewusstsein eines außergewöhnlichen Erlebens unterscheidet sich die Vision von der Halluzination, welche keine kritische Beurteilung des Geschauten durch den Schauenden zulässt.

Der Unterschied zur außersinnlichen Wahrnehmung (ASW) besteht darin, dass bei dieser die Übernatürlichkeit des Erlebens (der „Wahrnehmung“) entscheidend ist, das Erlebte jedoch der Alltagsrealität zugehörig ist, wenn auch „an anderen Orten“ oder „zu anderen Zeiten“. Dagegen sticht bei der Vision der außergewöhnliche Inhalt des Erlebens hervor, welcher dem Nichtvisionär nicht nur der Umstände halber nicht sichtbar, sondern grundsätzlich transzendent ist: z. B. Gott, Himmel, Hölle, Engel, Verstorbene.

Der Begriff Visionär wird häufiger zur Bezeichnung einer Person benutzt, die weitreichende oder phantastisch erscheinende Zukunftsvorstellungen entwickelt hat.

Wissenschaftlicher Zugang

Da der Inhalt einer Vision ihre Bedeutung ausmacht, dieser aber in der Regel kaum objektivierbar und damit für einen Beobachter als subjektives Erleben aufzufassen ist, ist das Phänomen einer Vision eher geisteswissenschaftlicher als naturwissenschaftlicher Betrachtungsweise zugänglich. Nach C. G. Jung können Inhalte visionärer Erfahrung als Archetypen gedeutet werden. Die naturwissenschaftlich-medizinische Untersuchung einer Vision zielt in der Regel auf die Überprüfung der psychischen Gesundheit, insbesondere der Kritikfähigkeit, des Sehers.

Äußere Umstände

Visionen können im Wachzustand, in Trance oder Ekstase oder im Traum erlebt werden. Die Vision wird in der Regel durch eine einzelne Person wahrgenommen. Es gibt aber auch Visionen durch Gruppen von Personen.

Inhalte

Der Inhalt einer religiösen Vision besteht aus einer religiös gedeuteten Erscheinung, oft einer geistigen Welt, einer mythischen Gestalt oder eines (zukünftigen) Ereignisses oder Zustandes.

Wirkung auf die Umwelt

Gelingt es dem Visionär nicht, seiner Umwelt zu vermitteln, dass er das Geschaute als von der normalen Wahrnehmung verschieden erlebt, wird sein Erleben als Halluzination eingestuft werden. Gelingt es ihm, so wird die Bewertung von der religiösen Einstellung der Umwelt und von der Nachvollziehbarkeit des Inhalts abhängen und ein Urteil ergeben, das zwischen Offenbarung und Pseudohalluzination liegt.

Beispiele

Hinduismus

Der Begriff des Rishi hat im Hinduismus eine große Bedeutung. Ein Rishi ist ein Seher, Heiliger und Yogi, dem in einer göttlichen Vision Wahrheiten geoffenbart werden. So sollen die heiligen Schriften des Hinduismus, die Veden den Rishis in der Zeit von 1200 bis 500 vor Christus geoffenbart worden sein.

Bibel

Auch in verschiedenen Büchern des Alten und des Neuen Testaments der Bibel wird von Visionen berichtet, z. B. im

Christliche Geschichte

Siehe auch

Literatur

  • Marco Frenschkowski, Norbert Mette: Vision I. Religionsgeschichtlich II. Altes Testament III. Judentum IV. Neues Testament V. Kirchengeschichtlich VI. Praktisch-theologisch. In: Theologische Realenzyklopädie 35 (2003), S. 117-150 (wissenschaftlicher Überblick mit christl.-theol. Schwerpunkt)
  • Ernst Benz: Die Vision. Erfahrungsformen und Bilderwelt. Klett-Verlag, Stuttgart 1969
  • Peter Dinzelbacher: Vision und Visionsliteratur im Mittelalter. Hirsemann, Stuttgart 1981
  • Patrich Dondelinger: Die Visionen der Bernadette Soubirous und der Beginn der Wunderheilungen in Lourdes. Pustet, Regensburg 2003
  • Ulrich Niemann, Marion Wagner: Visionen – Werke Gottes oder Produkt des Menschen? Theologie und Humanwissenschaft im Gespräch. Pustet, Regensburg 2005 ISBN 3-7917-1954-8
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