Vorhalt Musik

Der Vorhalt zählt zur Gruppe der harmoniefremden Melodietöne (Vorhalt, Wechselnote, Durchgang, Vorausnahme; abspringende Nebennote), der als einziger auf betontem Taktteil liegt und unbetont aufgelöst wird in den “vorgehaltenen” Harmonieton. Es kann jedoch geschehen, dass der Auflösungston überraschend in eine inzwischen geänderte Harmonie geführt wird. Es gibt Vorhalte von oben oder - seltener - von unten. Im Folgenden wird der vorbereitete Vorhalt erklärt. Im Zuge der Weiterentwicklung in der Musikgeschichte sind jedoch auch unvorbereitete Vorhalte gängig geworden.

Ein Vorhalt ist eine harmonische Spannung im mehrstimmigen Satz, bei der aus einem zunächst konsonanten Intervall durch Liegenbleiben eines Tones bei gleichzeitiger Bewegung der anderen Stimmen ein dissonantes Intervall wird. Der liegende Ton wird anschließend schrittweise nach unten oder nach oben wiederum in ein konsonantes Intervall aufgelöst. Die im Folgenden dargestellten Regeln haben sich in der Renaissancemusik herausgebildet.

Im Detail besteht eine Vorhaltsfigur aus folgenden drei Elementen:

  • Konsonante Vorbereitung: Auf schwacher Zählzeit muss zwischen den Stimmen eine imperfekte Konsonanz vorliegen. Schwache Zählzeiten sind in geraden Taktarten (Zweier, Vierer) der zweite und vierte Schlag, beim ungeraden Dreiertakt im Normalfall der zweite und dritte Schlag. Andere Taktarten sind in der Renaissancemusik nicht üblich. Als imperfekte Konsonanzen gelten große und kleine Terzen und Sexten. Primen, Quinten und Oktaven sind hingegen perfekte Konsonanzen und somit zur Vorbereitung eines Vorhaltes nicht geeignet.
  • (Dissonanter) Vorhalt: Auf starker Zählzeit (die erste, im Vierertakt auch die dritte) wird durch Liegenbleiben eines Tones eine Dissonanz gebildet. Hierfür kommen zumeist Quarten (diese galten in der Renaissancemusik immer als dissonant), Sexten (meist in Verbindung mit Quarten), Septimen und Sekunden bzw. Nonen zur Anwendung.
  • Konsonante Auflösung: Der dissonante Ton bewegt sich schrittweise nach unten, sodass wiederum eine imperfekte Konsonanz gegeben ist.

Vorhalte entstammen der polyphon-kontrapunktischen Musik. Einige Wendungen haben sich aber derart „eingebürgert“, dass sie auch in die vorwiegend akkordisch-homophone Musik der Klassik Einzug gefunden haben (Quartvorhalt, Quartsextvorhalt).

Inhaltsverzeichnis

Beispiele

Einfache Vorhalte

Beispiel für einen Quart-Vorhalt in C-Dur:

einfacher  Quartvorhalt?/i (4-3)


Beispiel für einen Quartsext-Vorhalt in C-Dur

einfacher Quartsextvorhalt (4/6-3/5)


Vorhalte werden in der klassischen Kadenz häufig verwendet um eine Schlusswirkung zu erzeugen. In diesen beiden Beispielen wäre die Tonart F-Dur, der Dominante (C) folgt im Normalfall die Auflösung zur Tonika (F).

Vorhalte finden sich in vielen Musik-Epochen und Stilrichtungen (Klassik, Rockmusik, etc.).


In der Zeit des Barock und der Renaissance umspielte man gerne solche Vorhalte (sog. Organistenschwanz) z. B.:

erweiterter Quartvorhalt (4-3-2-3)


Vorhaltskette

Darüber war es auch im Barock schon üblich, Vorhaltsketten zu bilden:

einfache Vorhaltskette (5/6 - 4/6 - 4 - 3)


verschiedene Vorhalte mit Klangbeispielen

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