Waschmaschine
Die Waschmaschine ist eine Vorrichtung vorwiegend zur Reinigung von Textilien. Unterschieden werden hauptsächlich Haushaltsgeräte und industrielle Waschmaschinen. Neben Kleidung werden auch rohe Fasern, Garne oder Stoffe gewaschen. Das Waschen dient zur Entfernung von Verschmutzungen, überschüssiger Farbe oder Hilfsstoffen aus dem Verarbeitungsprozess.
Inhaltsverzeichnis |
Bauarten
Haushaltsmaschinen
Eine Waschmaschine benötigt in der Regel einen Strom-, Frischwasser- und Abwasseranschluss. Einige Waschmaschinen vermeiden das energieintensive Erhitzen des Wassers mit Strom und verwenden stattdessen Erdgas oder werden zusätzlich an die Warmwasserversorgung angeschlossen. Allerdings wird heute meist mit niedrigen Temperaturen gewaschen, so dass zum Aufheizen ohnehin weniger Energie benötigt wird, die zusätzliche Ersparnis ist dann sehr begrenzt. Wenn das Wasser mit Temperaturen über 40° C zuläuft, denaturieren eiweißhaltige Flecken, die dann schwerer zu entfernen sind als in herkömmlichen Maschinen mit Kaltwasserzulauf.
Trommelwaschmaschine
Die in Deutschland am meisten verbreitete Bauform ist die Trommelwaschmaschine, bei der sich eine Wäschetrommel um eine horizontale Achse dreht. Man unterscheidet Toplader, bei denen die Ladeluke an der Oberseite liegt, und Frontlader, bei denen ein Bullauge als Ladeluke an der Vorderseite dient. Vorteil des Topladers ist, dass die Abdichtung der Tür einfacher gebaut werden kann. Ein Frontlader kann dagegen in eine Küchenzeile eingebaut werden und bietet auf der Oberseite Platz für eine Arbeitsfläche oder z. B. einen Wäschetrockner.
Waschtrockner
Eine besondere Bauform ist die Kombination der Waschmaschine mit einem Wäschetrockner in einem Gerät, ein sogenannter Waschtrockner. Das Trommelvolumen entspricht dem von Waschmaschinen, so dass bei diesen Geräten zum Trocknen die Wäschemenge halbiert werden muss. Sie werden in der Regel ohne Flusensiebe gebaut und nutzen Frischwasser zur Kondensation der Abluft, wodurch der Wasserverbrauch gegenüber einer Waschmaschine erhöht ist.
Mengenautomatik
Einige Modelle besitzen eine sogenannte Mengenautomatik. Diese sorgt für eine genaue Dosierung des benötigten Wassers und Spülmittel bzw. Weichspüler, sofern diese über den integrierten Waschmittelbehälter zugeführt werden. Die Steuerung erfolgt hierbei elektromechanisch oder elektronisch und ist abhängig von der Füllmenge sowie dem gewählten Waschprogramm.
Funktionsweise der Mengenautomatik (herstellerübergreifend): Sobald die beladene Maschine gestartet wird, holt die Maschine zeitgesteuert eine gewisse Menge Wasser. Der Wasserstand wird mit einem analogen Druckwächter genau überwacht. Abhängig von der zu waschenden Kleidung und der eingefüllten Wäschemenge saugt die Wäsche einen gewissen Teil des eingelaufenen Wassers auf. Nach einer gewissen Laufzeit, üblicherweise während der Pausenzeiten zwischen der Drehrichtungsumkehr der Waschtrommel, wird der Zustand des analogen Druckwächter durch die Steuerung ermittelt. Ist der Wasserstand zu gering, erfolgt weitere Wasserzufuhr bis zum erreichen des Sollniveaus. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis das Sollniveau nicht mehr unterschritten wird. Durch die aufsummierte Zulaufzeit des Differenzwassers ermittelt die Steuerung durch eine hinterlegte Tabelle hinreichend genau, um welche Wäschemenge es sich handelt und welche Programmlaufzeit zu erwarten ist.
Die erweiterte Mengenautomatik berücksichtigt nicht nur den Wasserstand, sondern ebenfalls die Anzahl der Spülgänge. Funktion: Mittels Temperatursensor für die Laugentemperatur (ein Heißleiter als temperaturabhängiger Widerstand, englisch auch NTC) wird die Temperatur nach dem Einlaufen des Wassers beim ersten Spülgang ermittelt. Durch die Hauptwäsche befindet sich noch eine gewisse Menge warmen Wassers in der Kleidung, die langsam in das Spülwasser übergeht. Abhängig von der Zeit, die das Wasser zum Erreichen des höchsten Temperaturwertes benötigt, bestimmt die Steuerung die Anzahl der noch folgenden Spülgänge.
Bottichwaschmaschine
Weltweit sind vor allem in Amerika, Asien und Australien die Bottichwaschmaschinen verbreitet, bei denen sich ein Waschbottich um die vertikale Achse dreht. Bei dieser Bauart verteilt sich die Wäsche gleichmäßiger in der Trommel, wodurch größere Unwuchten wie bei horizontaler Achse vermieden werden – eine veraltete Form ist die Hammerwaschmaschine[1], die sich wegen der größeren Beanspruchung der Wäsche und wohl auch der platzgreifenderen Konstruktion nicht durchgesetzt hat.
Gewerbliche und industrielle Maschinen
Gewerbliche Waschmaschinen unterscheiden sich grundsätzlich in ihrer Bauweise von gewöhnlichen Haushaltswaschmaschinen. Insbesondere ein leistungsfähiger Motor und die Beladungskapazität sind Merkmale für industriell genutzte Waschmaschinen. In der industriellen Wäscherei kommen sowohl Waschschleudermaschinen als auch kontinuierlich arbeitende Waschstraßen (Kontinueanlagen) zur Anwendung. Einsatzkriterien sind u.a. die Menge und Beschaffenheit des Waschgutes. Zur Kostenminimierung sind industrielle Maschinen seit langem für einen ressourcensparenden Betrieb ausgelegt. So ist es häufig möglich, durch Flottenrückgewinnung bestimmte Wasch- und Spülbäder mehrfach zu verwenden und so Wasser- und Energieverbrauch zu reduzieren. Bei besonderen hygienischen Anforderung (z.B. Krankenhauswäscherei) werden industrielle Maschinen so konstruiert, dass sie von zwei hermetisch getrennten Seiten aus zugänglich sind. Das Beladen erfolgt auf der unreinen Seite und das Entladen auf der reinen Seite. Die Beheizung der Maschinen erfolgt über Heißdampf, Thermoöl oder auch elektrisch. Als Steuerungen kommen häufig frei parametrierbare SPS zum Einsatz.
Waschschleudermaschinen
Waschschleudermaschinen ähneln prinzipiell den oben beschriebenen Haushalts-Trommelmaschinen, sind allerdings naturgemäß für deutlich höhere Fassungsvermögen konstruiert. Um eine gleichmäßige Masseverteilung sowie die notwendige Waschmechanik zu gewährleisten, werden größere Waschtrommeln in zwei bis vier Kammern unterteilt. Die Be- und Entladung erfolgt je nach Bauart stirn- oder mantelseitig.
Kontinueanlagen
Kontinueanlagen sind stetig oder taktweise arbeitende Waschstraßen, bei denen das Waschgut vollautomatisch und kontinuierlich gewaschen wird, ohne Maschinenstillstand durch Be- und Entladung.
Münzwaschmaschinen
Münzwaschmaschinen sind Selbstbedienungswaschmaschinen, bei denen die Bezahlung mit Münzen erfolgt. Sie stehen oft in Selbstbedienungswaschsalons oder in Waschräumen.
Geschichte der Waschmaschine
- 1767 entwickelt der Regensburger Theologe Jacob Christian Schäffern eine Rührflügelmaschine.
- 1858 wird eine Trommelwaschmaschine von Hamilton Smirt entwickelt.
- 1901 wird von dem Amerikaner Alva J. Fisher eine elektrische Waschmaschine entwickelt.
Die erste vollautomatische Waschmaschine kam in Amerika 1946, in Deutschland 1951 auf den Markt. Mitte der 1950er Jahre kamen einige Geschäftsleute auf die Idee, Waschmaschinen tageweise an Privathaushalte zu vermieten; (geschieht heute noch in einigen Ländern der Erde, bspw. in der Dominikanischen Republik) schließlich konnten sich damals nur wenige Familien eine eigene Waschmaschine kaufen. Mit der Verbreitung der Maschinen konnten immer mehr Haushalte mehr Zeit für andere Tätigkeiten nutzen. Heutzutage sind Waschmaschinen preiswerter Standard und zur Abhebung der Premiummarken geht daher der Trend in Richtung vernetzte Hausgeräte, meist über Powerline-Lösungen. Das Ziel der Hersteller ist dabei, den Mehrwert bei der Gerätenutzung zu steigern und neue (Fern-)Bedienmöglichkeiten zu schaffen.
Im 19. Jahrhundert wurden in großen Städten Probewaschtage mit Schauwaschen abgehalten, um Werbung für die damals neue Technik zu machen. Von einer solchen Veranstaltung berichten die Innsbrucker Nachrichten vom 6. April 1889:
„Gestern nachmittags fand im Hofe des Kreid’schen Hauses ein Schauwaschen statt, welches von Hrn. A. Toms mit einer Nevburg’schen Patentwaschmaschine ausgeführt wurde. Die Produktion, wenn man so sagen darf, wurde von einer stets wechselnden Menge Damen auf das Aufmerksamste verfolgt. Mittelst der Maschine ist man im Stande, in 5 Minuten jede Wäsche (es wurde auch mit einer experimentiert, die herzlich schwarz war) in einer Art zu reinigen, wie es mit solcher Schonung der Wäsche und solcher Ersparung an Brennmaterial und Arbeitskraft unter keinen Umständen sonst geschehen kann. Dazu kommt, dass die Maschine höchst einfacher Konstruktion ist, sodass sie ohne jede Schwierigkeit von jedem Dienstboten bedient werden kann. Die Leistungsfähigkeit der Nevburgermaschine – man kann ein Quantum von 20 Herrenhemden in 5 Minuten rein haben – steht wohl einzig da. Dabei ist der Preis einer ganz geringer. Hr. Toms ist bereit, in jedem Hause, wo man es verlangt, ein Probewaschen abzuhalten.“
Amerikanische Waschautomaten
Die bereits Mitte der 1940er Jahre in Amerika vermarkteten Maschinen haben sich im Wesentlichen bis heute nicht geändert. Das dort vorzufindende System unterscheidet sich wesentlich von dem in Deutschland gebräuchlichen und erinnert an die hier üblich gewesenen Bottich-Waschmaschinen. Einen besonderen Vorteil stellt die enorme Gewichtsreduktion dar. Durch die vertikale Anordnung der Waschtrommel ist die Beschwerung mit Zementblöcken nicht erforderlich. Die amerikanischen Maschinen verfügen über keine eigene Heizung, sondern werden von der Warmwasserversorgung des Hauses gespeist.
Das Wasser fließt von oben in den Waschbottich. Dieser besteht aus einem Kunststoffkessel, in dem die Trommel aus emailliertem und mit Löchern versehenen Metall gelagert ist. In der Mitte des Bottichs befindet sich der Agitator (Aufwiegeler). Dieser ist speziell gearbeitet und mit Lamellen versehen. Wenn der Wasserstand erreicht ist, wird der Agitator ausgelöst. Dieser führt in schneller Abfolge jeweils eine halbe Drehung nach rechts und nach links durch. Der hierdurch entstehende Strudel führt die Wäsche an dem Agitator und dessen Lamellen vorbei, wodurch ein mechanischer Waschprozess stattfindet. Die Lauge wird über eine elektrische Pumpe entsorgt. Zum Schleudern der Wäsche dreht sich die gesamte Waschtrommel und erreicht durch ihre Größe mit weniger Drehzahl eine höhere Zentrifugalkraft. Doch haben sich amerikanische Geräte auf dem hiesigen Markt nie durchsetzen können. Da die Durchwalkung der Wäsche fehlt und das Darübergießen der Waschlauge nicht wie bei einer europäischen Waschmaschine erfolgt, ist der mechanische Anteil an der Reinigung geringer und durch den Agitator auch die Belastung für die Wäsche größer.
Solch ein waschbottichbasierter Toplader benötigt mehr Wasser da die Wäsche komplett bedeckt sein muss, und damit die Lauge passt, auch mehr und vor allem schärfere Waschmittel. Es waren also nicht nur das Waschergebnis sondern auch ökonomische Gründe, die in Europa zum Verschwinden dieses Typs geführt haben. Seit Anfang des neuen Jahrtausends sind die europäischen Frontladerwaschmaschinen vermehrt auch in Nordamerika in Gebrauch. Sie werden unter der Bezeichnung HE-Waschmaschinen vermarktet, „HE“ steht für high efficiency.
Luftfalle
Die Luftfalle, selten auch als Dom bezeichnet, beschreibt ein Bauteil innerhalb der Waschmaschine mit dessen Hilfe sich der Wasserstand ermitteln lässt. Vorstellen kann man sich dieses Bauteil wie eine auf dem Kopf stehende kleine Dose, an deren Öffnung ein dicker Schlauch verbunden ist. Auf der Oberseite hat diese Dose einen kleinen Anschluss für einen weiteren dünnen Schlauch. Steigt der Wasserstand in der Maschine, steigt auch der Luftdruck in dieser Dose an (siehe Boyle-Mariotte). Der dünne Schlauch leitet den Luftdruck an einen Druckschalter oder analogen Drucksensor weiter. Anhand des dort gemessenen Luftdruckes ermittelt die Maschine den Wasserstand.
Innerhalb der Luftfalle steigt der Wasserstand immer nur sehr leicht an. Wasserzirkulation gibt es hier keine. Durch diesen Umstand ist die Luftfalle ein beliebter Ort für Ablagerungen jeglicher Art (oft schlammige Reste von Weichspüler und Waschmittel). Fehler die sich auf den Wasserstand beziehen lassen sich mit dem Reinigen der Luftfalle oft beheben.
Die gleiche Technik zur Wasserstandsermittlung nutzt auch die Mehrheit der Geschirrspülmaschinen.
Flottenverhältnis
Das Flottenverhältnis ist das Verhältnis von Wäschemenge zum Wasservolumen in einer Waschmaschine. Als ideales Flottenverhältnis gilt 1:5, d.h. 1 kg Wäsche auf 5 l Wasser (siehe hierzu auch den Artikel Flotte).
Dies trifft aber nur auf Trommel- und Kugelwaschmaschinen zu. Bei Waschkesseln und Wäschetöpfen, in denen ohne Hilfsmittel die Wäsche gekocht oder mit Sprudeleinsätzen - auch Waschfontänen genannt - gereinigt wird, bei Waschzubern bzw. Waschwannen, in denen mit der Hand, Waschglocken, Waschbrettern oder Schallwäschern gewaschen wird, benötigt man ein Flottenverhältnis von 1:10; gleiches gilt für das Einweichen in Wannen, Schüsseln oder Eimern.
In Bottichwaschmaschinen ist ein Flottenverhältnis von 1:15 bis 1:20 für Rührflügel- und Schlagkreuzwaschmaschinen, Waschbrettmaschinen, Schaukelwaschmaschinen und Pendelkorbwaschmaschinen notwendig. Bei Waschglockenmaschinen, Wellenradwaschmaschinen (auch Turbo-, Schnell- oder Pulsatorwaschmaschinen genannt) sowie Taumelscheibenwaschmaschinen werden 1:20 bis 1:25 gefordert.
Das höchste Flottenverhältnis benötigen Pumpenwaschmaschinen, nämlich 1:30. Das Flottenverhältnis impliziert aber nicht die tatsächliche Flottenmenge. Fünf Liter sind im allgemeinen für ein Kilogramm Trockenwäsche ausreichend. Darum kann man also mehrere Ladungen in derselben Flotte reinigen. Vorteil der Bottichwaschmaschinen sind eine größere Wäscheschonung und weniger Knitter (Schwimmwaschverfahren) und im allgemeinen kürzere Gesamtwaschzeiten, da mehrere Ladungen hintereinander in der einmal bereiteten Flotte gereinigt werden können und, bei parallelem Spülen außerhalb der Maschine von Hand oder Spülschleuder, sogar zwei Ladungen zeitgleich bearbeitet werden können (Stichwort „Waschbuffet“ oder „Twin Tub“).
Auszeichnung der umweltrelevanten Daten
Seit dem Inkrafttreten der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung am 1. Januar 1998 sind die Hersteller von verschiedenen Haushaltsgeräten, darunter auch Waschmaschinen, dazu verpflichtet, jedes Gerät nach bestimmten umweltrelevanten Kriterien zu beurteilen. Diese Beurteilung geschieht unter Laborbedingungen und führt zu einer Einteilung des Geräts in verschiedene Klassen. Diese Klassifizierung wird als EU-Energie-Label auf dem Gerät angebracht.
Waschmaschinen werden gemäß ihrer Energieeffizienzklasse, Waschwirkungsklasse, und Schleuderwirkungsklasse eingeteilt. Die Bewertung in jeder Klasse erfolgt zwischen A und G, wobei A die beste und G die schlechteste Bewertung darstellt. In Ausnahmefällen werden auch die Bewertungen A+ oder A++ vergeben.
Diese Bewertung bezieht sich allerdings nur auf die während des Betriebs anfallenden Vorgänge. So wird z.B. der Stromverbrauch im Standby-Betrieb nicht erfasst, der auf die Lebenszeit hochgerechnet bei modernen Geräten mehrere hundert Euro betragen kann. Das Prüfsiegel Blauer Engel schließt diese Aspekte mit ein.
Fußnoten
- ↑ Waschmaschine. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bd. 16, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 408. – Faksimile zeigt Skizze einer Hammerwaschmaschine
Siehe auch
- Mitnehmer
- Textilpflegesymbol
- Waschmittel
- Wäschetrockner
- Wäscheschleuder
- Waschbrett
- Waschküche
- Wasserweiche
- Weiße Ware
- Golfball-Waschmaschine
Wiktionary: Waschmaschine – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
unter GFDL. Hier können Sie den Original-Artikel zu Waschmaschine , die Versionsgeschichte
und die Liste der Autoren einsehen.