Zarentum Russland
| Царство Русское Zarstwo Russkoje Zarentum Russland | |||||
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| Amtssprache | Russisch | ||||
| Hauptstadt | 1547 - 1712 Moskau 1712 - 1721 Sankt Petersburg | ||||
| Staatsform | Monarchie | ||||
| Staatsoberhaupt und Regierungschef | Russischer Zar zuletzt Peter I. | ||||
| Währung | Russischer Rubel | ||||
| Unabhängigkeit | 1547 bis 1721[1] | ||||
Zarentum Russland (russ. Царство Русское, transkribiert Zarstwo Russkoje) war die offizielle Bezeichnung des russischen Staates zwischen 1547, als sich Iwan IV. zum Zaren krönen ließ, und 1721, als Peter I. den lateinischen Titel des Imperators (Kaisers) annahm und sein Land in Russisches Reich (Российская Империя) umbenannte.
Im allgemeinen westeuropäischen Sprachgebrauch hieß Russland während dieser Epoche Moskowien, wie schon in der vorhergehenden Epoche des Großfürstentums Moskau.[2]
Der Name könnte noch treffender als „Zarentum Rus“ übersetzt werden (das Adjektiv Русское bezieht sich im Russischen gleichermaßen auf Rus und die heutigen Russen). Denn die Idee bei der Staatsbenennung bestand vor allem in der Unterstreichung, dass in diesem Staat alle Rus-Gebiete vereinigt waren, die nicht unter einer (polnischen-litauischen) Fremdherrschaft standen.
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Kultur
Byzantinisches Erbe
Als sich der Moskauer Großfürst Iwan der Schreckliche 1547 zum Zaren der ganzen Rus krönen ließ, verstärkte sich die bereits unter Iwan III. ausgearbeitete Konzeption von Moskau als Drittem Rom, dem einzig verbliebenen Hort des rechtgläubigen (orthodoxen) Christentums. Byzantinische Rituale, Herrschaftsformen und Staatssymbole wie der Doppeladler fanden Einzug ins russische Leben. Das Krönungsritual Iwan des Schrecklichen, damals 17 Jahre alt, entsprach dem Krönungsritual byzantinischer Kaiser. Das gleichzeitige Moskauer Selbstverständnis als der freie Teil der Rus, der eine Mission zu ihrer gänzlichen Befreiung von der Fremdherrschaft hatte, verursachte Spannungen und Kriege mit Polen und Litauen bzw. mit der späteren polnisch-litauischen Realunion.
Kontakte mit Westeuropa
In Westeuropa blieb Russland ein kaum bekanntes Land und die spärlichen Informationen, die vorhanden waren, kamen überwiegend aus polnisch-litauischen Händen. Die Situation änderte sich etwas, als Baron Siegmund von Herberstein im Jahr 1549 sein Werk Rerum Moscoviticarum Commentarii veröffentlichte. Dies lieferte eine umfangreiche Beschreibung des ehemals von Westeuropäern kaum besuchten und kaum beschriebenen Staates. In den 1630er Jahren wurde das Zarentum von Adam Olearius bereist, dessen detailreiche und sachkundige Notizen in alle bedeutenden Sprachen Europas übersetzt wurden. Weitere Information über Russland kam über englische und niederländische Kaufleute. Einer von ihnen war Richard Chancellor, der 1553 zum Weißen Meer segelte und von dort aus über Land nach Moskau reiste. Nach seiner Rückkehr in England gründete er mit Sir Hugh Willoughby und einigen Londoner Kaufleuten die Muscovy Company. Iwan der Schreckliche benutzte die Kaufleute um Briefe mit der englischen Königin Elisabeth I. auszutauschen.
Geschichte
Siehe auch: Geschichte Russlands
Regierungszeit Iwans des Schrecklichen
Mit der Unterstützung von Bojaren führte Iwan in der Anfangsphase seiner Herrschaftszeit eine Reihe von nützlichen Reformen durch. In den 1550er Jahren wurde ein neuer Gesetzkodex geschaffen, der die administrative und militärische Ordnung neu regelte. Diese Reform zielte auf die Stärkung des russischen Staates vor dem Hintergrund der unaufhörlichen Kriege, die es führte.
Unterwerfung der Wolga-Tataren
Trotz interner Unruhen, die der erwachsenen Herrschaftszeit Iwans des Schrecklichen vorausgingen, führte Russland Kriege und setzte seine Expansion fort. Iwan besiegte und annektierte das Khanat Kasan im Jahr 1552 und markierte damit das Ende der langen Moskau-Kasan-Kriege. Damit öffnete sich für Russland der Weg nach Sibirien. Wenig später gelang es dem Zaren, das an der unteren Wolga gelegene Khanat Astrachan einzunehmen und Russland einen Zugang zum Kaspischen Meer zu sichern, was Handel und kulturellen Austausch mit Persien und Zentralasien bedeutete. Mit diesen Siegen konnte Russland die lange Umzingelung durch feindselig eingestellte Tatarenstaaten brechen und wurde zu einem multinationalen und multikonfessionellen Land. Gleichzeitig kühlten sich die Beziehungen zum als Lehnsherr der Tataren auftretenden Osmanischen Reich und dem Krimkhanat dramatisch ab.[3]
Krieg im Baltikum und gegen die Krimtataren
Ermutigt durch den erworbenen Zugang zum Kaspischen Meer, wollte Iwan IV. einen ähnlichen Erfolg an der Ostsee erreichen. Schweden und der Livländische Orden kontrollierten die Handelsrouten, die Russland mit Europa verbanden. Der Livländische Krieg, der 1558 ausbrach, begann für Russland erfolgreich, die Truppen des Zaren eroberten einen Großteil des Baltikums und weite Gebiete des Großfürstentums Litauen. Als dieses jedoch infolge der Lubliner Union einen Unionsstaat mit Polen bildete, stand Russland einer gestiegenen Macht seiner Gegner gegenüber. Verwüstende Einfälle der Krimtataren, interner Terror des Zaren und eine Pestepidemie schwächten Russland weiter.[4]
Zwar konnte 1569 ein osmanisch-krimtatarischer Angriff auf Astrachan abgewehrt und der Zugang zum Kaspium verteidigt werden. Doch 1571 gelang den Krimtataren ein blitzschneller Angriff auf Moskau, das infolge des Brandes fast vollständig ausbrannte. Ein Jahr später planten der Krimkhan und der osmanische Sultan die endgültige Niederwerfung Russlands und entsandten eine riesige Armee. Diese erlitt jedoch in der Schlacht von Molodi eine schwere Niederlage durch zahlenmäßig unterlegene Russen. Die Gefahr aus dem Süden war für Russland abgewendet, doch im Westen gingen seine Gegner zum Gegenangriff über. Russland verlor seine Eroberungen an der Ostsee und musste bei der Belagerung von Pskow seinen eigenen Boden verteidigen. Nach Abschluss des Friedensvertrags mit Polen und Schweden war Russland von seinen Zielen weiter entfernt, als vor dem Krieg.[5]
Eroberung Sibiriens
Das turktatarische Khanat Sibir näherte sich während des russisch-krimtatarischen Krieges politisch dem Krimkhanat an und griff russische Siedlungen im Ural an, die zum Besitz der einflussreichen Kaufmannsfamilie Stroganow gehörten. Daraufhin erhielt diese vom Zaren das Recht, eigene Truppen zum Schutz ihrer Ländereien aufzustellen und gegen die sibirischen Tataren vorzugehen. Zu diesem Zweck heuerten die Stroganows die im Steppenland zwischen Wolga und Don lebenden Kosaken an. Unter ihrem Anführer Jermak Timofejewitsch unternahmen die Kosaken im Jahr 1582 mit knapp Tausend Mann, jedoch mit Feuerwaffen ausgestattet, einen Feldzug gegen das Khanat Sibir. Die Unzufriedenheit kleinerer ugrischer Völker mit dem Khan Kutschum geschickt ausnutzend, konnten sie unaufhaltsam vorrücken und seine Hauptstadt Kaschlyk im Sturm erobern. Obwohl die sibirischen Tataren die Kosaken Jermaks anschließend einen Winter lang belagerten und letztlich in einem Hinterhalt aufrieben, konnte ihr zerfallener Staat nicht mehr wiederaufgebaut werden. Die regulären Truppen des Zaren zerschlugen wenige Jahre später den letzten Widerstand, während die Kosaken und die nordrussischen Pelzjäger die neuen Freiräume nutzten, um Freiheit oder Profit zu finden. Es entstanden nach und nach Forts und Handelssiedlungen wie Werchoturje, Tobolsk, Mangaseja, Jenisseisk und Bratsk.[6]
Zeit der Wirren
→ Hauptartikel: Smuta, Polnisch-Russischer Krieg 1609–1618
Dem Tod Iwans IV. des Schrecklichen folgten mehrere Jahre der Herrschaft seines kränklichen Sohnes Fjodors I., für den de facto der Bojare Boris Godunow regierte. Mit dem Tod Fjodors 1598 starb auch die über 700 Jahre alte Dynastie der Rurikiden aus. Godunow ließ sich zum Zaren krönen, doch Gerüchte über das wundersame Überleben des jungen Zarewitsch Dmitri ließen das Land nicht zur Ruhe kommen. Zusätzlich stürzten Missernten das Land in eine schwere wirtschaftliche und soziale Krise. Als Boris Godunow starb, sah Polen-Litauen eine günstige Chance, in Moskau eine ihnen wohlgesinnte Marionette auf den Thron zu bringen. Ein polnisches Heer drang in Russland ein und machte einen Mann zum Zaren, der sich für Dmitri ausgab und als Pseudodimitri I. in die Geschichte einging. Seine Herrschaftszeit dauerte nur kurz, da er schon bald bei einer Revolte umgebracht wurde. Aber auch der neue Zar Wassili IV. Schuiski konnte nicht lang regieren, denn die Polen fielen abermals in Russland ein, um die Ansprüche von Pseudodimitri II. und später ihres eigenen Königs Władysław IV. Wasa durchzusetzen. Ihre Intervention wurde von großem Terror gegen die weitgehend ablehnende orthodoxe Zivilbevölkerung begleitet. Die Polen besetzten Moskau, doch in Nischni Nowgorod bildete sich eine Volksarmee unter der Führung von Kusma Minin und Fürst Dmitri Poscharski, die 1612 die Polen im Kreml belagerte und zur Kapitulation zwang. Daraufhin bestieg Michael I. aus der Dynastie der Romanows den Zarenthron und begründete so eine neue Dynastie, die bis 1917 regieren sollte.[7]
Auch wenn der Krieg gegen Polen noch bis 1618 andauerte, gilt das Jahr 1613 als das Ende der Zeit der Wirren (Smuta). Diese Periode kostete Russland viele Millionen Menschen, die durch Hunger, fremde Besatzer oder Räuber ums Leben kamen. Zwischenzeitlich hörte die Staatsmacht de facto auf, zu existieren. Als Erinnerung an die Befreiungsinitiative, die aus den Tiefen der russischen Gesellschaft kam, sowie an die “Neugründung des russischen Staates” wurde das Ende der Smuta bis zur Oktoberrevolution als Staatsfeiertag gefeiert. Auch Wladimir Putin führte 2005 den 4. November, den Jahrestag der polnischen Kapitulation, als Tag der nationalen Einheit wieder als Feiertag ein.[8]
Anschluss der Ukraine
Russland und Polen-Litauen blieben verfeindet. Ab den 1630er-Jahren stieg in der zu Polen gehörenden Ukraine der feudale und religiöse Druck auf die orthodoxe bäuerliche Bevölkerung, was zahlreiche Aufstände der ukrainischen Kosaken zur Folge hatte, von denen der Chmelnyzkyj-Aufstand der größte und der erfolgreichste war. Die königlichen polnischen Truppen erlitten in der Ukraine zahlreiche Niederlagen, doch auch die Ukraine begann zunehmend auszubluten, da der sporadisch verbündete Krim-Khan ständig die Seiten wechselte, um im fortdauernden Kriegszustand reiche Beute machen zu können. Die Kosaken unter Bohdan Chmelnyzkyj wandten sich an den russischen Zaren mit der Bitte um Beistand. Auf der Rada von Perejaslawl leistete der überwiegende Teil der ukrainischen Kosaken-Elite dem Zaren den Treueeid und bekannten sich als seine Untertanen. Im Gegenzug erhielt das Hetmanat weitgehende Autonomie. Zwischen Russland und Polen begann 1654 ein neuer Krieg, an dessen Ende der östlich des Dneprs gelegene Teil der Ukraine zusammen mit Kiew bei Russland verblieben.[9]
Kirchenspaltung
Im den Jahren 1654-1655 führte der Patriarch Nikon Kirchenreformen durch, die in großen Teilen der Bevölkerung auf Widerstand stießen. Die Folge war eine Abspaltung der sogenannten Altgläubigen, die den Neuerungen nicht folgen wollten. Dafür waren sie bis in die Zeit Peters des Großen mit staatlicher Verfolgung konfrontiert, woraufhin viele altgläubige Russen nach Nordrussland, nach Sibirien, ins Baltikum und ins Donaudelta auswanderten (Lipowaner).
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ Als Russisches Reich fortgeführt
- ↑ Dominic Lieven: The Cambridge History of Russia Volume II. Cambridge University Press, London 2006, ISBN 0521815290, Introduction, S. I.
- ↑ Maureen Perrie: The Cambridge History of Russia Volume I. Cambridge University Press, London 2006, ISBN 0521812275, Building the realm, S. 252 ff.
- ↑ ebenda, S. 256 ff.
- ↑ ebenda, S. 256
- ↑ ebenda, S. 270
- ↑ ebenda, S. 264 ff und 409 ff.
- ↑ ebenda, S. 487 ff.
- ↑ ebenda, S. 500 ff.
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