Zwischenkriegszeit

Politische Karte Europas während der Zwischenkriegszeit.

Unter Zwischenkriegszeit (vereinzelt auch Interbellum) versteht man, vor allem in Europa, die Zeit zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Zweiten Weltkrieg. Sie beginnt mit dem 11. November 1918, an dem der erste Waffenstillstand von Compiègne verkündet wurde und endet mit dem Beginn des Polenfeldzugs am 1. September 1939.

Inhaltsverzeichnis

Bewaffnete Auseinandersetzungen

Die Zwischenkriegszeit war keine Zeit des Friedens. In Deutschland und Europa fanden weiterhin militärische Konflikte statt.

Als die deutschen Soldaten unter der Führung von Max Hoffmann 1918 begannen, sich aus Mittel- und Osteuropa nach Westen zurückzuziehen, befahl Lenin der West-Armee der Roten Armee, nach Westen vorzudringen. Das Hauptanliegen dieser Operation war, durch Mittel- und Osteuropa zu ziehen, in den unabhängig gewordenen Staaten sowjetische Regierungen zu installieren und die kommunistischen Revolutionen in Deutschland und Österreich-Ungarn zu unterstützen. Gleichzeitig entwickelten sich Grenzkonflikte zwischen vielen unabhängig gewordenen Staaten Mittel- und Osteuropas: Rumänien kämpfte mit Ungarn um Siebenbürgen, Jugoslawien kämpfte mit Italien um Rijeka, Polen kämpfte mit der Tschechoslowakei um Teschen, mit Deutschland um Posen (siehe Großpolnischer Aufstand) und mit der Ukraine um Galizien (siehe Polnisch-Ukrainischer Krieg). Die Ukrainer, Weißrussen, Litauer, Esten und Letten bekämpften sich gegenseitig und die Russen. Winston Churchill kommentierte bissig: „Der Krieg der Giganten ist zu Ende, der Hader der Pygmäen hat begonnen.“[1]

Deutsche Freikorps kämpften 1919 im Baltikum mit zeitweiliger Unterstützung Großbritanniens gegen sowjetrussische Truppen, 1920/21 in Oberschlesien gegen polnische Insurgenten, welche von regulären Truppen verstärkt wurden. Insbesondere Polen und die Sowjetunion waren in dieser Zeit, bemüht ihr Territorium zu vergrößern, in militärische Auseinandersetzungen verwickelt. Im polnisch-ukrainische Krieg von 1918 und 1919 kämpften die Streitkräfte der Zweiten Polnischen Republik und der Westukrainischen Volksrepublik um die Kontrolle über Ostgalizien nach der Auflösung von Österreich-Ungarn. Polen und die Sowjetunion führten seit 1919 Krieg gegeneinander (Polnisch-Sowjetischer Krieg). Von 1918 bis 1920 befanden sich Kärnten und Jugoslawien im militärischen Konflikt. Estland kämpfte von 1918 bis 1920 um seine Unabhängigkeit (Estnischer Freiheitskrieg). Von 1918 bis 1920 herrschte der Finnisch-Sowjetische Krieg, von 1919 bis 1923 der Griechisch-Türkische Krieg. Im Irischen Unabhängigkeitskrieg führte die Irisch Republikanische Armee (IRA) von Januar 1919 bis Juli 1921 eine Art Guerilla-Kampf gegen die britische Regierung in Irland. Im Frühling 1920 war Bürgerkrieg im Ruhrgebiet. Von Juni 1922–April 1923 befand sich Irland im Bürgerkrieg. 1923 kam es zur Ruhrbesetzung durch die Franzosen in Deutschland. 1923 verübten Kommunisten einen militärischen Aufstand in Hamburg. Militante Auseinandersetzungen waren in der Weimarer Republik quasi an der Tagesordnung.

Europa

Die zwei Jahrzehnte zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg werden in der Historiographie einmütig als Phase besonders ausgeprägter politischer und wirtschaftlicher Instabilität und Krisenhaftigkeit beschrieben [2].

Ökonomisch drückte sich diese Instabilität aus durch Phasen der Hyperinflation (in Deutschland und Österreich vom Kriegsende bis 1923), in der die viele Staaten versuchten, Reparationen, Kriegskosten und den Wiederaufbau durch eine vermehrte Geldmenge zu finanzieren, bis die Währung zusammenbrach und eine Währungsreform stattfand, vor allem aber durch die Weltwirtschaftskrise, die mit dem „Börsen-Crash“ von 1929 begann und bis weit in die 1930er Jahre anhielt.

Die politische Instabilität der Zwischenkriegszeit führte zum Zusammenbruch vieler der jungen Demokratien, die in der Nachkriegszeit entstanden waren und zur Entstehung einer Vielzahl autoritärer Regime (etwa in Polen, Rumänien, Estland, Griechenland) und faschistischer Diktaturen (etwa in Italien und in besonders extremer Weise im deutschen NS-Staat). Als Gründe für diese Entwicklungen werden in der Geschichtswissenschaft verschiedene Faktoren diskutiert, neben der Weltwirtschaftskrise die Entstehung demokratiefeindlicher politischer Massenbewegungen (wie sie der Faschismus und der Kommunismus darstellen) auch die Polarisierung von Eliten [3].

Mit dem Begriff Zweiter Dreißigjähriger Krieg wird dieser Instabilität in der Zwischenkriegszeit Rechnung getragen und eine enge Verknüpfung mit den beiden Kriegen hergestellt.

Die Datierung der Zwischenkriegszeit ist nicht überall gleich. In einzelnen Ländern, wie zum Beispiel den Niederlanden, wird als das Ende der Zwischenkriegszeit der Zeitpunkt des Einmarsches deutscher Truppen angesehen. Auch in Österreich wird eher der Anschluss 1938 als das Ende der Zwischenkriegszeit bezeichnet.

Deutschland

Für die Entwicklung in Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen wird der Begriff Zwischenkriegszeit selten verwendet wegen der scharfen Zäsur des Jahres 1933, die die Zwischenkriegszeit in die Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus teilt.

Die politischen Entwicklungen dieser Jahre lassen sich wie folgt gliedern:

Weltweit

Kolonien und Mutterländer 1920

In anderen Ländern herrschte auch zwischen den beiden Weltkriegen kein Frieden, so in Südamerika und Ostasien, wo der Chinesisch-Japanische Krieg geführt wurde. In Afrika führte das faschistische Mussolini-Italien Krieg gegen Abessinien.

Kolonien und Mutterländer 1936

Literatur

Anmerkungen

  1. Übersetzung eines Zitats aus Norman Davies: White Eagle Red Star. Pimlico, London 2003, S. 21. Originaltext: „The war of the giants has ended; the quarrels of the pygmies have begun.“ Davies ist als britischer Historiker in Polen sehr populär und widmet sich vor allem polnischer Geschichte. Von diversen anderen Autoren wurde ihm ein pro-polnischer Blickwinkel vorgeworfen.
  2. Klaus Hornung (1995): Das totalitäre Zeitalter. München: Propyläen
  3. Dirk Berg-Schlosser & Jeremy Mitchell (Hrsg) (2002): Authorianism and Democracy in Europe, 1919-39. Comparative Analyses. Basingstoke: Palgrave Macmillan
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